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Ein deutsch-niederländisches Start-up und Brasiliens Energieriese WEG haben zusammen ein Mini-Windkraftwerk gebaut, das jetzt nach Deutschland kommt. Funktioniert das?
Wer „Marlene“ zum ersten Mal begegnet, staunt wie klein sie ist. Keine 20 Meter hoch ist das Windrad – eine schlanke Säule, um die sich geschwungene Flügel drehen. Irgendwie mehr Kunstobjekt als Kraftwerk. Doch der praktische Nutzen ist klar belegbar: Zwei dieser „Marlenes“ werden ab Herbst zum Beispiel Strom für die Lübecker Hafenanlage produzieren.
Entwickelt hat den Prototyp Elegant Energy, ein deutsch-niederländisches Start-up. Die Gründer wollten eine Anlage bauen, die in dicht besiedelte Gebiete passt. „Wir wollen damit eine Lücke schließen“, sagt Mark Hopman, einer der Gründer. Denn: „An vielen Orten sind große Räder verboten, obwohl viel Wind weht, etwa an Deutschlands Küsten oder Gewerbegebieten in Stadtnähe.“
Ende September wird das Start-up die ersten beiden Mini-Windräder im Lübecker Hafen aufstellen, inklusive Speicher, erzählt Mark Hopman – nach längerem Genehmigungskampf. Weitere zehn sollen folgen. Eine „Marlene“, kann immerhin sieben bis neun Haushalte versorgen oder einen kleinen Betrieb. Das entspricht etwa 20.000 Kilowattstunden pro Jahr.
Dabei gebe es mehrere Vorteile, erklärt Hopman: Die Anlagen seien nicht nur kleiner, sondern auch leiser. Und: Weil ihr Rotor sich nicht wie ein Propeller im Wind dreht, sondern um eine senkrechte Achse, dürften sich kaum Vögel oder Fledermäuse darin verfangen.
Den Generator für das Design-Windkraftwerk hat das brasilianische Unternehmen WEG gebaut – ein Hidden Champion, den in Deutschland kaum jemand kennt. Dabei ist WEG in Wahrheit ein Riesenkonzern mit 50.000 Mitarbeitern und 7,2 Mrd. Dollar Umsatz. Ein Konzern, der weltweit die grüne Transformation vorantreibt. Die Brasilianer elektrifizieren Industrieprozesse in Branchen wie Stahl oder Chemie, entwickeln und produzieren auch die dafür nötigen Batterie-Großspeicher. Sie passen damit gut in die Entwicklung des Heimatmarktes. Brasilien hat heute einen der saubersten Energiemixe der Welt: Die Hälfte seiner Energie – und 88 Prozent des Stroms – stammen aus erneuerbaren Quellen. Der Großteil davon stammt aus Wasserkraft, doch Wind- und insbesondere Solarenergie holen rasch auf.
Mit Elegant Energy will WEG nun auch bei Deutschlands Energiewende eine größere Rolle spielen. Im Fokus haben sie eher kleinere, dezentrale Ansätze, erzählt der Deutsch-Brasilianer Wilmar Henning, Geschäftsführer der WEG-Deutschlandtochter. Der heute 63-jährige Manager hat selbst Jahrzehnte in Jaraguá bei WEG gearbeitet – bevor er für die Brasilianer als Geschäftsführer nach Kerpen geht. Das nächste Ziel des ungewöhnlichen Duos: Ein Skigebiet im Zillertal. Dort in den Bergen werden sie ihr nächstes Mini-Windrad installieren.