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Der Rohstoffmarkt hat die jüngste Hysterie abgeschüttelt: Öl ist kräftig gefallen, auch Gold, Silber und Kakao verlieren an Schwung.
Am Rohölmarkt hat eine Baisse die vorangegangene kurze, aber heftige Hausse abgelöst. Durch den Krieg Israels und der USA gegen den Iran war das schwarze Gold von knapp 70 US-Dollar Ende Februar auf fast 110 Dollar pro Barrel hurtig angesprungen. Zuletzt aber ging es ebenfalls in behändem Tempo wieder zurück zu einem Niveau um 80 Dollar. Im Rückblick lässt sich gut erkennen, wie eine Hysterie etliche Politiker und die diese begleitenden Medien erfasst hatte. Einen Mangel an Öl hat die Welt nicht. Aber die Unmöglichkeit seines Transportes durch die Straße von Hormus führte zu wilden Kurskapriolen.
Durch den Mangel an Raffineriekapazitäten in Europa und den USA sind die Raffineriemargen derzeit hoch. Denn in den letzten Jahrzehnten sind diese Kapazitäten aufgrund von Standortnachteilen zu einem nicht geringen Teil in den Nahen Osten und nach Afrika abgewandert.
Für die Petrochemie gilt Ähnliches und der Kauf von Covestro aus Leverkusen durch Adnoc aus Abu Dhabi wird die Tendenz weiter verstärken. Kenner dieser Märkte wissen seit Jahren, dass die Standortbedingungen für Raffinerien und Chemiewerke in Deutschland strukturell schwierig sind. Darin ähneln sie der Stahlindustrie und künftig vielleicht auch dem Maschinenbau und der Automobilindustrie.
Große Erleichterung herrscht indessen bei den Fluggesellschaften. Zwar finden sie in der Bundesrepublik ebenfalls widrige Standortbedingungen vor, aber sinkende Treibstoffpreise nehmen den Gesellschaften die größten Sorgen. Es sollte übrigens lobend erwähnt werden, dass die Fluggesellschaften in den vergangenen Monaten keine Forderungen nach Verlustausgleich angesichts der nicht von ihnen verursachten Kerosinpreisanstiege gestellt haben. Im Gegensatz dazu stimmten Teile der Politik ein unkundiges Moralgeschwätz über sogenannte Übergewinnsteuern an.
An diesem Beispiel sieht man einmal mehr, dass der Staat ein sehr waches Auge besitzt, wenn es darum geht, sich an den Gewinnen anderer zu beteiligen. Die Aktieninvestoren in Deutschland können davon durchaus ein Lied singen. Ohne Leistungen zu erbringen, greift der Fiskus bei realisierten Kursgewinnen und Dividendenausschüttungen bekanntlich kräftig zu.
Der Beruhigung am Ölmarkt haben sich auch andere Rohstoffsegmente angeschlossen. Bei den Edelmetallen sind die rapiden Kursanstiege ebenfalls von einer Baisse abgelöst worden. Eine Feinunze Silber kostet heute circa 65 Dollar– im Januar hatte sie einen Rekordkurs von fast 104 Dollar erreicht. Auch der große Bruder Gold musste mittlerweile kräftig Federn lassen, ebenso wie Platin und Palladium. Für die Schmuckindustrie dürfte das für ein Aufatmen sorgen. Unterdessen hält der Aufwärtstrend bei Industriemetallen wie etwa Aluminium und Kupfer nach wie vor an und das Batteriemetall Lithium befindet sich gar in einer Hausse.
Freuen dürfen sich indessen Kaffeetrinker, denn die edlen Bohnen haben sich seit Jahresanfang um gut 20 Prozent verbilligt. Deutlich schwunghafter ging es bei den Kakaopreisen her, wo sich noch vor nicht allzu langer Zeit eine Jahrhunderthausse ereignet hatte. Inzwischen haben sich die Kurse für Kakao nahezu halbiert und die Freunde von Süßigkeiten können aufatmen, zumal auch die Zuckerpreise rückläufig sind.
Aufwärts geht es bei anderen Agrargütern. Kursaufschläge sind etwa bei Reis, Baumwolle und Gummi zu beobachten. Was dies für Bekleidung und Reifen bedeuten kann, können sich Anleger und Konsumenten wohl vorstellen.