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Mehr zahlen, länger arbeiten, weniger bekommen | Von Janine Beicht

Rentenpakt oder Täuschungsmanöver – Das wahre Gesicht der neuen Reformpläne
Jahrzehntelange Versäumnisse werden nicht aufgearbeitet, stattdessen wachsen die Forderungen an die Beitragszahler. Die Lasten sollen auf kommende Generationen verteilt werden.

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Mehr zahlen, länger arbeiten, weniger bekommen | Von Janine Beicht

Rentenpakt oder Täuschungsmanöver – Das wahre Gesicht der neuen Reformpläne

Jahrzehntelange Versäumnisse werden nicht aufgearbeitet, stattdessen wachsen die Forderungen an die Beitragszahler. Die Lasten sollen auf kommende Generationen verteilt werden.

Ein Kommentar von Janine Beicht.

Am 23. Juni 2026 übergab die Rentenkommission unter Vorsitz von Frank-Jürgen Weise und Constanze Janda ihren Bericht mit exakt 33 Empfehlungen an Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas im Kanzleramt. Merz und Bas nahmen das Paket mit sichtbarer Zufriedenheit entgegen und kündigten an, es zügig und unzerpflückt umzusetzen (1). Die Kommission hatte ein halbes Jahr beraten. Das Ergebnis ist kein großer Wurf zur Stabilisierung der Rente für die heutigen Beitragszahler, sondern ein umfassendes Programm aus höheren Abgaben, späterem Renteneintritt und neuen Zwangselementen, das die Bürger noch stärker belastet und die Verantwortung für jahrzehntelange politische Fehlentscheidungen auf die nächste Generation abwälzt.

Friedrich Merz erklärte auf der Pressekonferenz unumwunden (2):

„Die Kommission hat ein ausgewogenes Paket mit insgesamt 33 Einzelmaßnahmen vorgeschlagen.“

Diese Formulierung verschleiert, dass das sogenannte stimmige Paket vor allem aus Belastungen für Arbeitnehmer, Selbstständige und Unternehmen besteht. Die aktuellen Probleme der Rente, zu wenige Beitragszahler durch wirtschaftlichen Niedergang, hohe Abwanderung qualifizierter Kräfte und sinkende Lohnsummen, werden konsequent ignoriert. Stattdessen richtet sich der Blick auf mittel- und langfristige Entwicklungen, für die Merz und Bas später keine Verantwortung mehr tragen müssen.

Das Kernstück: Höhere Beiträge und eine neue Zwangskapitalsäule 

Die Kommission empfiehlt als politische Zielgröße eine Nettoersatzquote von mindestens 70 Prozent nach Steuern. (3) Derzeit liegt die tatsächliche Nettoersatzquote bei etwa 48 Prozent. Um das Ziel zu erreichen, soll eine verpflichtende kapitalmarktgedeckte Zusatzrente nach schwedischem Vorbild eingeführt werden. Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollen nach stufenweiser Einführung jeweils ein Prozent des Bruttolohns zusätzlich einzahlen. Die Gelder fließen in einen staatlich gelenkten Fonds. Bis Erträge fließen, soll ein staatlicher Steuerzuschuss das Rentenniveau künftiger Generationen über dem heutigen Wert halten. Die Kommission legt damit ein Maßnahmenpaket vor, das tief in das bestehende Rentensystem eingreift und neue finanzielle Verpflichtungen für Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Steuerzahler schafft. Für Bärbel Bas steht hingegen weniger die Diskussion einzelner Maßnahmen als die Zustimmung zum Gesamtpaket im Vordergrund (2):

„Aber es ist so: Es gibt jetzt kein Rosinenpicken, sondern das ist ein Gesamtkunstwerk, wie ich bereits gesagt habe. Ich betrachte das auch so, weil alles ineinandergreift und man jetzt nicht das eine oder andere weglassen kann, sondern es ist schon so, dass man jetzt den Mut aufbringen muss, das in der Gesamtheit auch umsetzen zu wollen oder es nicht zu wollen. Das ist jetzt unsere Verantwortung. Ich will hier deutlich sagen: Ich möchte dieses Paket umsetzen.“

Was wie eine sinnvolle Ergänzung klingt, entpuppt sich bei genauer Betrachtung als zusätzliche Belastung. Der reguläre Rentenbeitrag von derzeit rund 18,6 Prozent bleibt bestehen oder steigt weiter. Die neue Säule kommt oben drauf. Eine Senkung des bestehenden Beitrags um die zwei Prozentpunkte, um Spielraum für die Kapitalrente zu schaffen, schlägt die Kommission nicht vor. Unternehmen tragen höhere Lohnnebenkosten, was die Wettbewerbsfähigkeit weiter verschlechtert. Mittelständische Betriebe, die bereits unter hohen Energiekosten und Bürokratie leiden, werden zusätzlich bedrückt. Insolvenzen drohen zu steigen.

Die Kommission empfiehlt zudem (3), die betriebliche Altersversorgung flächendeckend auszubauen. Auch hier entstehen zusätzliche Kosten für Arbeitgeber, ohne dass die gesetzliche Rente entlastet wird. Die Lebensarbeitszeit soll auf 67 bis 67,5 Jahre steigen. Ab 2031 gilt die Rente mit 67, später koppelt die Kommission das Eintrittsalter an die Lebenserwartung. Zwischen 2031 und 2041 soll die Regelaltersgrenze schrittweise um etwa sechs Monate auf 67,5 Jahre angehoben werden. Danach folgen weitere Schritte bis hin zur Rente mit 70 in den 2090er-Jahren (4).

Der Angriff auf die Frührente und die Aushebelung des Umlageversprechens

Besonders brisant ist die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren (3). Wer jahrzehntelang gearbeitet und eingezahlt hat, soll künftig trotzdem länger durchhalten. Die Altersgrenze für langjährig Versicherte soll zunächst von 63 auf 64 Jahre steigen und anschließend Schritt für Schritt der regulären Altersgrenze folgen. Die Botschaft ist eindeutig: Mehr Arbeitsjahre, weniger Verlässlichkeit.

Dabei enthält der Bericht durchaus einige längst überfällige Ansätze (3). So wird eine Nettoersatzquote von mindestens 70 Prozent als Maßstab für eine lebensstandardsichernde Rente genannt. Auch die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen aus dem Bundeshaushalt, die Einbeziehung von Abgeordneten in die gesetzliche Rentenversicherung sowie ein Freibetrag für selbst erarbeitete Rentenansprüche in der Grundsicherung stehen auf der Liste. Doch diese Korrekturen werden mit Maßnahmen verknüpft, die Millionen Beschäftigte direkt belasten.

Besonders bitter wirkt das vor dem Hintergrund der vergangenen Jahrzehnte. Die Babyboomer-Generation hat über ihr gesamtes Erwerbsleben hinweg enorme Summen in die Rentenkasse eingezahlt. Gleichzeitig wurden Milliarden aus dem System für politische Projekte und versicherungsfremde Leistungen verwendet, anstatt die langfristige Stabilität der Altersvorsorge zu sichern. Nun sollen die Jüngeren höhere Beiträge zahlen und länger arbeiten, während ihnen gleichzeitig ein Modell verkauft wird, dessen Erfolg auf optimistischen Renditeannahmen beruht.

Die Kommission rechnet dabei auffällig geradlinig mit der Zukunft: Vergangene Entwicklungen werden einfach fortgeschrieben, als wären Wirtschaftskrisen, Unternehmenspleiten oder steigende Arbeitslosigkeit bloße Randnotizen. Doch wenn die Wirtschaft schwächelt, sinken auch die Beitragseinnahmen. Weniger Beschäftigte, weniger Lohnsumme, weniger Geld im System. Dann geraten die schönen Rechenmodelle schnell ins Wanken. Am Ende droht genau das Szenario, über das man heute möglichst wenig sprechen möchte: immer längere Arbeitszeiten bei gleichzeitig sinkendem Rentenniveau.

Die Erweiterung des Beitragszahlerkreises: Neue Melkkühe für die Kasse

Nach Vorstellung der Kommission soll die Erwerbstätigenversicherung zum neuen Standard der Altersvorsorge werden. (3) Neben abhängig Beschäftigten sollen künftig Selbstständige ohne berufsständische Absicherung, Abgeordnete und Vorstände von Aktiengesellschaften verpflichtend in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Für Beamte wird langfristig eine Integration vorgeschlagen, akut soll die Verbeamtung auf hoheitliche Aufgaben begrenzt und reduziert werden.

Für Selbstständige sieht Empfehlung 22 vor: Künftige Selbstständige, die ihre Tätigkeit ab einem noch festzulegenden Stichtag neu aufnehmen und nicht in einem berufsständischen Versorgungswerk oder der Landwirtschaftlichen Alterskasse pflichtversichert sind, werden verpflichtend und ohne Opt-out in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen. Bereits bestehende Selbstständige sollen ebenfalls einbezogen werden, erhalten aber ein voraussetzungsloses Herausoptieren durch einfache Willenserklärung.

Die Verbeitragung soll sich am Regelbeitrag für Handwerker orientieren, derzeit 735,63 Euro monatlich. Wahlweise ist eine einkommensabhängige Bemessung möglich. Für Neugründungen gilt eine dreijährige Karenzzeit mit halbem Regelbeitrag. Eine Verkettung von Neugründungen erlaubt keine weitere Karenzzeit. Die Kommission verspricht sich kurzfristig Einführungsgewinne, die den Beitragssatz mittelfristig um 0,5 Prozentpunkte senken könnten. Langfristig relativieren sich diese Gewinne, weil neue Anwartschaften entstehen.

Friedrich Merz versuchte auf der Pressekonferenz, genau diese Ausweitung des Beitragszahlerkreises als Akt der Gerechtigkeit und fairen Lastenverteilung zu verkaufen. Er behauptete:

„Die Lasten werden gerecht verteilt, über alle gesellschaftlichen Gruppen, über alle Generationen hinweg.“

Diese Regelung belastet vor allem Gründer in den ersten Jahren nach der Karenzzeit massiv (5). Wer unter der Bezugsgröße verdient, muss bei einkommensabhängiger Bemessung den Steuerbescheid vorlegen und riskiert Nachforderungen. Die Bürokratie steigt. Viele Selbstständige werden nach drei Jahren aufgeben oder in Schwarzarbeit ausweichen. Gleichzeitig wird die Abgrenzung zwischen Selbstständigkeit und Scheinselbstständigkeit weiter verschärft, ohne dass die Kommission eine parallele Reform der Statusfeststellung fordert. Dass die Kommission trotz dieser Risiken an der verpflichtenden Einbeziehung neuer Selbstständiger festhält, hat einen einfachen Grund: Kurzfristig verbessert die Maßnahme die Finanzlage der Rentenkasse. Neue Beitragszahler liefern frisches Geld, ohne zunächst selbst Rentenansprüche geltend zu machen. Genau auf diesen Effekt verweist auch der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD) und offenbart damit den eigentlichen Zweck der Maßnahme (5): 

„Durch die Aufnahme künftiger Selbstständiger kommt zusätzliches Geld in die Rentenkasse, ohne dass dem gleichzeitig Ausgaben gegenüberstehen. Dieses Geld wird nicht angelegt, sondern entsprechend der Umlage-Logik direkt an die Bestandsrentner/innen ausgeschüttet oder zur Senkung bzw. nicht so starken Erhöhung der Beiträge genutzt.“

Die Minijob-Abschaffung: Ein weiterer Schlag gegen Flexibilität und Realität

Der Minijob in seiner bisherigen Form steht vor dem Aus. Künftig sollen nur noch Schülerinnen und Schüler von der Sozialabgabenfreiheit profitieren. Alle anderen Minijobber müssten Beiträge zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Damit gerät ein Beschäftigungsmodell unter Druck, das von Millionen Menschen genutzt wird, um Arbeit und private Verpflichtungen miteinander zu vereinbaren. Besonders betroffen wären Frauen, die den Minijob häufig als pragmatische Lösung zwischen Familie, Pflege und Beruf nutzen. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands HDE, erinnert (6):

„Es war eine der erfolgreichsten Aktionen. Die Schwarzarbeit sank 2003 zwischen 20 und 23 Milliarden Euro! Es war de facto eine Teillegalisierung von Schwarzarbeit in Deutschland.“

Ökonom Friedrich Schneider prognostizierte gegenüber BILD (7) einen massiven Anstieg der Schwarzarbeit um mindestens 25 Milliarden Euro im Jahr 2027. Minijobs hatten Anfang der 2000er-Jahre die Schwarzarbeit erfolgreich eingedämmt. Die Kommission ignoriert diese Realität und die betriebliche Notwendigkeit flexibler Aushilfen in Handel und Gastronomie. Minijobs bieten für Beschäftigte den Vorteil, dass der Lohn weitgehend brutto wie netto ankommt und sie sich gut mit Studium, Familie oder Rente kombinieren lassen. Für Arbeitgeber ermöglichen sie eine flexible Reaktion auf saisonale Schwankungen oder kurzfristige Ausfälle, ohne dass sie das ganze Jahr über Personal vorhalten müssen. Gerade im Einzelhandel und in der Gastronomie sind solche flexiblen Kräfte unverzichtbar. Wer diese Form der Beschäftigung nun für Erwachsene abschafft, nimmt den Betrieben eine wichtige Steuerungsmöglichkeit und den Arbeitnehmern eine praktikable Einkommensquelle. Schneider warnt (6):

„Das vernichtet hunderttausende Jobs im Einzelhandel. Denn viele Minijobber können beispielsweise wegen fehlender Möglichkeiten zur Kinderbetreuung gar nicht Vollzeit arbeiten. Und auch für viele Rentner und Studenten würde das ein wichtiges Standbein ihrer Alltagsfinanzierung wegschlagen.“

Die Folgen treffen vor allem Frauen, die Minijobs häufig nutzen, um trotz Kinderbetreuung oder Pflegeverpflichtungen am Arbeitsmarkt teilzuhaben. Viele können ihre Stunden nicht einfach verdoppeln oder verdreifachen. Gleichzeitig entstehen für die Unternehmen höhere Lohnnebenkosten, die in ohnehin schwierigen Zeiten zu Personalabbau oder Preiserhöhungen führen können. Die Prognose von Friedrich Schneider zu einem deutlichen Anstieg der Schwarzarbeit zeigt, dass die Maßnahme nicht nur Jobs vernichtet, sondern auch legale Beschäftigung in illegale Kanäle drängt.

Die Kommission und die Regierung stellen die Abschaffung als notwendigen Schritt gegen Altersarmut dar. In der Praxis belastet sie jedoch genau die Gruppen, die auf diese flexible Form der Arbeit angewiesen sind, während die betrieblichen Realitäten in Handel und Gastronomie weitgehend ausgeblendet bleiben.

Das schwedische Vorbild – ein Vergleich, der hinkt

Die Kommission verweist auf Schweden als Vorbild für eine nachhaltige Altersvorsorge. Dort beträgt der Gesamtbeitrag 18,5 Prozent des Bruttogehalts: 16 Prozent umlagefinanziert und 2,5 Prozent kapitalgedeckt in der sogenannten Prämienrente. Arbeitnehmer können zwischen rund 454 Fonds wählen oder den staatlichen AP7-Fonds nutzen. Dieser Fonds investiert in Aktien von rund 2.500 Unternehmen, erzielte im vergangenen Jahr eine Rendite von 18,4 Prozent und verwaltet umgerechnet knapp 85 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Rente liegt bei etwa 1.853 Euro vor Steuern.

In Deutschland fehlt jedoch die zentrale Voraussetzung für ein solches System: eine starke, wachsende Wirtschaft mit ausreichend Beitragszahlern und stabilen Lohnsummen (8).

Die deutsche Regierung überweist stattdessen Milliarden nach Kiew, in den Gazastreifen, nach Damaskus und in den Jemen, statt diese Mittel in die eigene Rentenkasse, in Wachstum oder in die Entlastung der Beitragszahler zu lenken. Frankreich hat das Renteneintrittsalter trotz hoher Staatsverschuldung wieder auf 62 Jahre gesenkt, weil französische Regierungen, gleich welcher Couleur, ihre eigenen Bürger und Rentner höher priorisieren als ausländische Empfänger (9). In Deutschland soll das Gegenteil gelten.

Während Friedrich Merz und Bärbel Bas von höheren Renten und einer gerechten Lastenverteilung sprechen, bleibt die entscheidende Frage unbeantwortet: Wie soll ein kapitalgedecktes System in einem Land funktionieren, das seit Jahren wirtschaftlich schrumpft und Beitragszahler verliert? Die schwedische Rendite von 18,4 Prozent im letzten Jahr ist beeindruckend, doch sie basiert auf einer völlig anderen wirtschaftlichen Ausgangslage. In Deutschland droht die neue Kapitalsäule vor allem zu einem weiteren Abzugsmechanismus zu werden, der die Beiträge nach oben treibt, ohne dass die versprochenen höheren Renten für die meisten Bürger tatsächlich realistisch werden. Die Regierung verkauft das schwedische Modell als Lösung, ignoriert aber bewusst, dass die Grundlage dafür, eine leistungsstarke und wachsende Volkswirtschaft, hierzulande systematisch zerstört wird.

Die Reaktionen und die wahre Absicht der Regierung

Merz bemühte sich derweil um Beruhigung. Denn selbst innerhalb der politischen Klasse ist längst klar, dass jede Rentendebatte sofort Nervosität auslöst, sobald Bürger den Verdacht schöpfen. Entsprechend betonte der Kanzler mehrfach, dass es keinen radikalen Umbau des Systems geben werde und die Menschen keine Einschnitte befürchten müssten. Die Botschaft lautete (2):

„Ihre Reformvorschläge enthalten einige zentrale Aussagen, die uns Mut machen. Die gesetzliche Rente bleibt die wichtigste Säule in unserem System. Es muss sich keine Bürgerin, kein Bürger Sorgen machen. Der soziale Ausgleich bleibt bestehen, das aktuelle Rentenniveau bleibt erhalten, einen fundamentalen Systembruch wird es nicht geben.“

Der soziale Ausgleich bleibt tatsächlich bestehen, auf Kosten derjenigen, die arbeiten und einzahlen. Genau darin liegt das zentrale Problem des deutschen Rentensystems. Die Politik versucht seit Jahren, die wachsende Finanzierungslücke mit immer neuen Zuschüssen, Umverteilungen und kosmetischen Korrekturen zu überdecken, ohne die strukturellen Ursachen anzugehen. Die Rechnung wird dabei regelmäßig an jene weitergereicht, die das System finanzieren müssen.

Auf dem Maßnahmenkatalog (3) stehen zudem Gesundheitschecks ab 45 Jahren, ein Reha-Budget, ein vereinfachter Zugang zur Erwerbsminderungsrente für bestimmte Gruppen sowie die Wiedereinführung des Nachhaltigkeitsfaktors. All diese Maßnahmen dienen der Dämpfung von Rentensteigerungen und der Verschiebung von Kosten. Die Regierung betreibt keine echte Reform, sondern Flickschusterei, während die Grundprobleme, demografischer Wandel ohne ausreichende Rücklagen, wirtschaftlicher Niedergang durch falsche Energie- und Steuerpolitik, Plünderung der Sozialkassen über Jahre und eine teure Migrationspolitik ungelöst bleiben. 

Warum dieses Paket scheitern muss und was wirklich nötig wäre

Deutschland braucht kein isoliertes Rentenpaket, sondern ein abgestimmtes Bündel an Reformen in zentralen Handlungsfeldern. Sozialstaatsreform mit Bürgergeld-, Gesundheits- und Rentenreform; Wirtschaftsreform mit Arbeitsmarkt- und vernunftbasierter Energiepolitik; umfassende Steuerreform und Entlastung; Bildungsreform mit Leistungsorientierung statt Ideologie; und radikaler Bürokratieabbau.

Gleichzeitig muss der Staat seine Ausgabenprioritäten grundlegend neu ordnen. Milliarden dürfen nicht länger in ideologisch motivierten Prestigeprojekten, fragwürdigen Förderprogrammen, einer ausufernden NGO-Landschaft oder kostspieligen internationalen Engagements versickern, während die Finanzierung der eigenen sozialen Sicherungssysteme zunehmend an ihre Grenzen stößt.

Solange Merz und Bas diese Mammutaufgabe nicht angehen, bleibt es beim Verschiebebahnhof und der weiteren Ausplünderung der Bürger. Die Kommission begeht bewusst den methodischen Fehler, vergangene Daten in eine Zukunft zu verlängern, in der die Regierungspolitik weiter Arbeitsplätze vernichtet und Beitragszahler vertreibt. Wer ein Leben lang arbeitet und einzahlt, verdient eine sichere Rente, ohne bis 70 schuften zu müssen und ohne neue Zwangsbeiträge. Die aktuelle Regierung liefert genau das Gegenteil. Sie präsentiert eine Mogelpackung mit großen Buchstaben „RENTENREFORM“, während die Realität für die meisten Bürger schlicht lautet:

„Zahlen Sie heute mehr, damit Sie morgen weniger haben.“

Die Bundesregierung hat damit bewiesen, dass sie nicht die Interessen der Bürger vertritt, sondern vor allem den Fortbestand eines Systems verwaltet, das die arbeitende Bevölkerung immer stärker belastet, um politische Altlasten und staatliche Prioritäten zu finanzieren. Die Zeit der leeren Versprechen ist vorbei. Die Bürger merken es längst.

Quellen und Anmerkungen

(1) https://www.tagesschau.de/inland/rentenreform-merz-bas-100.html

(2) https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/pressekonferenz-mit-kanzler-merz-bericht-rentenkommission-2444532

(3) https://www.focus.de/politik/deutschland/plaene-der-rentenkommission-durchgesickert-alle-33-empfehlungen-im-wortlaut-vorab-zum-lesen_81050757-99e6-49dc-b0bd-1ba92323b81a.html 

(4) https://www.fr.de/verbraucher/bringt-bisheriges-system-ins-wanken-rente-mit-70-kommt-aber-nicht-sofort-babyboomer-welle-zr-94361119.html

(5) https://www.vgsd.de/vorab-bekannt-geworden-was-die-33-empfehlungen-der-rentenkommission-fuer-selbststaendige-bedeuten/

(6) https://einzelhandel.de/presse/aktuellemeldungen/15229-abschaffung-der-minijobs-ist-ein-gefaehrlicher-irrweg-hde-warnt-vor-aktuellen-rentenreformplaenen 

(7) https://www.bild.de/politik/inland/top-experte-warnt-ohne-minijobs-explodiert-die-schwarzarbeit-6a37c2f9af14c0b5289619b8

(8) https://www.das-parlament.de/aussen/europa/schweden-setzt-bei-der-rente-auf-eine-eigene-mischung

(9) https://www.tagesschau.de/ausland/europa/frankreich-rentenreform-nationalversammlung-100.html

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Dank an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Oberingenieur Arbeiter müde erschöpften Schlaf bei der Arbeit in der Schwerindustrie Fabrik

Bildquelle: Quality Stock Arts / shutterstock

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