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Bayer verbucht vor dem Obersten Gerichtshof in den USA einen wichtigen Etappensieg im Kampf um den Unkrautvernichter Glyphosat. Doch noch gibt es keine Entwarnung für den Dax-Konzern
Ein sattes Plus von 19 Prozent – so einen Freudensprung gab es bei der Bayer-Aktie sei Jahren nicht. Am Donnerstag reagierten die Anleger geradezu euphorisch auf das Urteil des Obersten Gerichtshofs in den USA, dass erstmals seit langem die Hoffnung auf ein Ende der Klagewelle gegen den Unkrautvernichter Glyphosat schürt. Die Aktie notiert damit allerdings immer noch um mehr als die Hälfte niedriger als vor der Übernahme des amerikanischen Monsanto-Konzerns, mit der die ganze jahrelange Misere begann. 63 Mrd. Dollar flossen damals in die Taschen der Monsanto-Aktionäre – mehr als der gesamte Bayer-Konzern heute selbst nach dem Kurssprung an der Börse auf die Waage bringt.
Nach Berechnungen des „Handelsblatts“ liegen die Kosten des Rechtsstreits in den USA mittlerweile bei 24 Mrd. Euro, wenn man die 7,25 Mrd. Dollar mit einschließt, mit denen Bayer die 67.000 noch anhängenden Klagen bereinigen will. Man kann nach dem Urteil der Obersten Richter davon ausgehen, dass sich viele Betroffene nicht mehr einem Vergleich verweigern werden. Es ist jedoch auch jetzt nicht zu erwarten, dass sich alle Kläger auf eine Vereinbarung einlassen werden. Schließlich schafft das Urteil nur an einem Punkt Rechtssicherheit: Die Zulassungsvorschriften auf Bundesebene genießen Vorrang vor dem Recht einzelner Bundesstaaten. Die Klagen, die Bayer vor allem mangelnde Warnhinweise auf den gängigen Glyphosat-Produkten vorwerfen, sind damit weitgehend chancenlos.
Doch das hindert kein US-Gericht daran, den möglichen Zusammenhang zwischen Glyphosat und Krebserkrankungen von Klägern auch weiterhin auf eigene Faust zu untersuchen. Und gegebenenfalls auch weiterhin gegen Bayer zu entscheiden und Schadenersatz anzuordnen. Deshalb geht es jetzt vor allem um die Frage, wie die Klägeranwälte ihre juristischen Chancen bewerten. Sie verdienen kräftig mit, wenn es zu entsprechenden Urteilen kommen sollte. Deshalb haben sie ein Interesse daran, dass die Klagewelle weiter geht wie bisher.
Es wird noch Monate dauern, bevor man sagen kann, ob wirklich der Vorhang über dem Bayer-Drama fällt oder nicht. Der Konzern selbst spricht deshalb vorerst auch nur von „signifikanter Eindämmung“ der Rechtsstreitigkeiten und nicht von ihrem Ende. Bei aller Erleichterung über den Ausgang des jetzigen Verfahrens vor dem Obersten Gerichtshof muss sich die Konzernspitze wohl noch eine ganze Weile mit dem Thema Glyphosat befassen. Und jeder einzelne Prozess in den USA, der nicht mit einem Sieg von Bayer endet, könnte den Aktienkurs erneut nach unten drücken.
Wie es mit Bayer weitergeht, wenn wirklich einmal eine finale Lösung der Probleme in den USA kommt, steht ohnehin in den Sternen. Die vielen Belastungen aus der Übernahme von Monsanto, die sich ja keineswegs auf Glyphosat beschränken, haben Bayer ausgezehrt – finanziell wie personell. Viele notwendige Investitionen sind unterblieben, viele Umbauten in der Unternehmensstruktur auch. Man muss daher davon ausgehen, dass Bayer noch längst nicht in ruhigem Fahrwasser liegt. Die Risiken für Aktionäre bleiben hoch.