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Viele ärgern sich über Tankstellen, weil Benzin so teuer ist. Zu Unrecht, denn die haben nichts von den hohen Preisen
Heute werden Tankstellenpächter wieder den Ärger der Autofahrer zu spüren bekommen. Denn Tanken wird wieder deutlich teurer. Dabei machen die meisten Pächter der rund 14.000 Tankstellen in Deutschland die Preise gar nicht selbst, sondern die Zentrale der jeweiligen Marke, zu der ihre Tankstelle gehört. Die Pächter sehen eigentlich genau wie die Autofahrer nur zu, wie sich draußen der Preis ändert.
Und sie sind selbst Opfer des Irankrieges und der daraus entstandenen neuen Preisregeln der Politik. Denn seit nur noch einmal am Tag, nämlich um 12 Uhr, der Preis erhöht werden darf, ist Tanken mittags besonders teuer. Die Kunden meiden also die Mittagszeit, kommen stattdessen häufiger vormittags.
Nur: Am Vormittag lässt sich „keine Bockwurst verkaufen“, wie Carsten Müller, Vorstand des Bundesverbands Freier Tankstellen (bft) feststellt. Nur ist der Shop viel wichtiger für die Tankstelle als die Zapfsäule.
Denn mit dem Shop machen Tankstellen mehr als die Hälfte ihres Verdienstes, nämlich im Schnitt 56 Prozent. Der Service, vor allem die Waschanlagen, trägt 29 Prozent zum Bruttoverdienst bei. Der Kraftstoff dagegen steht nur für 15 Prozent. Das zeigt eine neue Branchenstudie, die der bft in Auftrag gegeben hat. „Kippen, Kaffee, Karies“, wie es im Branchenjargon heißt, bestimme das Tankstellengeschäft, resümiert die Autorin der Studie, Hanna Schramm-Klein.
Allerdings variierten die Anteile, je nach Größe und Zugehörigkeit der Tankstellen. Bei freien Tankstellen mache Kraftstoff oft noch ein Drittel des Verdienstes aus. Das liegt an anderen Betriebsgrößen, aber auch daran, dass diese Tankstellen den Treibstoff auf eigene Rechnung und auf eigenes Risiko kaufen und verkaufen. Bei Pächtern von Markentankstellen bekommen die Betreiber einen festen, aber kleinen Anteil des Preises als Provision.
Diese Unterschiede spielen für den Endkunden keine große Rolle. Anders als die meisten Kunden denken, hat der Verdienst des Tankstellenpächters für den Endpreis an der Zapfsäule praktisch keine Bedeutung. Denn im Schnitt verdiente eine Tankstelle im vergangenen Jahr pro Liter verkauftes Benzin nur etwa 1,62 Cent – also nicht einmal einen Euro für eine typische Tankfüllung von fünfzig Litern. Da verdient der Tankwart deutlich mehr, wenn er nach dem Tanken einen Cappuccino oder eben eine Bockwurst verkaufen kann.
Denn anders als beim Sprit, sind im Shop noch große Margen möglich: 64 Prozent vom Umsatz sind es bei Heißgetränken, 53 Prozent bei Fast-Food sowie rund 40 Prozent bei kalten Getränken und Süßwaren. So hat sich die Tankstelle gerade in guten Lagen mehr und mehr zur Versorgungsstation entwickelt. Bei einigen kann man sogar Pakete abgeben und abholen. Das Tanken ist also eher das Lockmittel, das die Kunden in den Shop holt.
Dieser Artikel ist eine Übernahme des Stern, der wie Capital zu RTL Deutschland gehört. Auf Capital.de wird er sechs Monate hier aufrufbar sein. Danach finden Sie ihn auf www.stern.de.