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Kann der deutsche Bayer-Konzern nach dem Sieg vor dem Obersten Gericht nun mit seinem Unkrautvernichter durchstarten? Die Antwort lautet: eher nein.
Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass die deutsche Bayer AG mit ihrem umstrittenen Unkrautvernichter Roundup nun auf höhere Umsätze hoffen kann. Nach dem Sieg vor dem Obersten Gericht steht der Wirkstoff Glyphosat nicht mehr unter Druck – jedenfalls nicht mehr in dem Maße wie bisher. Doch die ersten Schritte in den USA sprechen eher eine andere Sprache: Bayer gliedert das gesamte Glyphosat-Geschäft in eine neue separate Einheit mit dem Namen Ruveon aus und fordert von der amerikanischen Regierung Hilfe. Nicht gegen die verbliebenen 60.000 Kläger, die Roundup für ihren Krebs verantwortlich machen, sondern gegen die Konkurrenz. Die Behörden sollen Bayer vor dem „räuberischen“ Vorgehen ihrer Wettbewerber schützen, die angeblich an der vollständigen Verdrängung des letzten Glyphosatherstellers in den USA arbeiten.
Es geht, wie könnte es anders sein, um die Volksrepublik China. Mehr als 70 Prozent des weltweiten Angebots an Glyphosat stammen von chinesischen Unternehmen. China betreibt den Abbau von Phosphat in allergrößtem Stil – dem Grundstoff für die Produktion von Glyphosat. In den letzten Jahren legte die Regierung neue Minen in den Provinzen Sichuan, Hubei und der Inneren Mongolei auf. Seit der Übernahme von Monsanto baut Bayer das Phosphat für die Herstellung von Glyphosat in einem großen Tagebau im Bundesstaat Ohio ab und verarbeitet es vor Ort gleich weiter. Gleichzeitig produziert der Konzern auch Weißen Phosphor – ein wichtiger Rohstoff für militärische Anwendungen.
Wie konnten die Chinesen den Weltmarkt für Glyphosat erobern? Mit der gleichen Mischung wie viele andere Rohstoffmärkte auch, vor allem für Seltene Erden. Erstens setzt sich der Staat über alle ökologischen Bedenken hinweg, die überaus giftige und schmutzige Produktionsstätten im Westen verhindern. Zweitens unterstützt der Staat die Eroberung von Exportmärkten mit billigen Krediten. Und drittens sorgt der Staat mit Subventionen dafür, dass man die Konkurrenz mit Dumpingpreisen Schritt für Schritt in die Pleite treiben kann.
In den USA kann Bayer womöglich ein weiteres Vordringen der chinesischen Konzerne bremsen. Donald Trump sieht die heimische Produktion von Glyphosat als Garanten für die „nationale Sicherheit“, wie seine Administration bereits vor Gericht erklärte. Anders sieht es dagegen auf anderen wichtigen Märkte aus – zum Beispiel in Brasilien. Dort wächst der Anteil der Chinesen am Glyphosatabsatz stetig. Und weil die Chinesen faktisch die Preise auf dem Weltmarkt setzen, gerät Bayer auch dann in den USA unter Druck, wenn man Hürden gegen die chinesischen Wettbewerber errichtet. Auf die Dauer können sich die amerikanischen Farmer zum Beispiel im Geschäft mit Sojabohnen keine höheren Preise für Glyphosat leisten, weil sie sonst im globalen Wettbewerb mit ihren brasilianischen Hauptkonkurrenten zurückfallen.
Man kann deshalb die These wagen: Das große Geschäft mit Glyphosat wird Bayer in den nächsten Jahren nicht mehr machen. Es gibt kein Zurück in die schöne Zeit, als Monsanto Milliardenprofite mit dem Unkrautvernichter machte – und deshalb bei der Übernahme durch Bayer eine so hohe Bewertung durchsetzen konnte. Die über 20 Mrd. Dollar, die Bayer für die Rechtsstreitigkeiten in den USA ausgeben musste, kommen nie wieder rein.