Deutscher Mittelstand im freien Fall: Investitionsbereitschaft auf tiefstem Stand seit 1995

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Die Investitionsbereitschaft im deutschen Mittelstand ist auf den tiefsten Stand seit mehr als 30 Jahren gefallen. So planen nur noch 52 Prozent der Unternehmen, in den kommenden sechs Monaten in ihren eigenen Betrieb zu investieren. Das hat eine Umfrage der DZ Bank und des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) ergeben.

Seit 1995 befragen DZ Bank und BVR mehr als 1.000 Unternehmen. So gering wie aktuell sei die Investitionsbereitschaft seit dem Start der Umfrage noch nie ausgefallen, berichtet das Handelsblatt am Montag.

Die Investitionsbereitschaft ist demnach momentan sogar geringer als während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009, der „Corona-Krise“ 2020 oder der hausgemachten Energiekrise nach Beginn des Ukraine-Krieges im Jahr 2022.

Die Umfrage fällt noch deutlicher aus als die Befragung der Förderbank KfW, die Anfang des Monats veröffentlicht wurde. Demnach planen 61 Prozent der Unternehmen, in den kommenden zwölf Monaten Investitionsprojekte durchzuführen. Lediglich 57 Prozent der Firmen haben in den vergangenen zwölf Monaten Investments getätigt und damit noch weniger als im Krisenjahr 2009.

Als Hauptgründe nennen die Mittelständler in der Umfrage von BVR und DZ Bank eine schwache Nachfrage, steigende Kosten und hohe geopolitische Unsicherheiten. Vor allem bei der Energie klagen zwei Drittel über zu hohe Ausgaben – noch im Herbst waren es nur etwas mehr als die Hälfte. Besorgt wegen Lieferengpässen zeigt sich inzwischen wieder rund ein Drittel der Firmenchefs. Die Sorge sei auch durch den Krieg im Iran zurückgekehrt. Im vergangenen Herbst war nicht mal jeder fünfte Befragte derart verunsichert.

Laut DZ-Bank-Firmenkundenvorstand Stefan Beismann zeigt die historisch geringe Investitionsbereitschaft, „wie tief die Verunsicherung im Mittelstand inzwischen reicht.“ Unternehmen investierten derzeit vor allem in die Sicherung und Weiterentwicklung ihres bestehenden Geschäfts – Investitionen in den Ausbau von Kapazitäten oder neue Wachstumsprojekte würden zurückgestellt. Das Ergebnis: Die Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland sinke. Die Politik tut nichts dagegen bzw. befördert diese Situation durch noch mehr Bürokratie und höhere Abgaben für Leistungsträger.

Die anhaltende Konjunkturschwäche schlägt sich offenbar bereits in den Bilanzen nieder. Halbjährlich werden seit 2001 die Jahresabschlussdaten mittelständischer Firmenkunden der Volks- und Raiffeisenbanken im sogenannten Bilanzqualitätsindex ermittelt. Er misst Stabilität und Belastbarkeit des Mittelstands.

Für das Jahr 2025 flossen bereits rund 500 Abschlüsse in die Bewertung ein. Der Bilanzqualitätsindex sank 2025 um 10,4 Punkte auf 114,3 Punkte – der niedrigste Stand seit 2012.

Weiterhin fiel die durchschnittliche Eigenkapitalquote von 30,7 Prozent im Jahr 2024, dem bisherigen Rekordwert, auf 26,5 Prozent im Jahr 2025. Gleichzeitig stieg der dynamische Verschuldungsgrad auf 364,5 Prozent – Unternehmen nehmen mehr Fremdkapital auf, während der Cashflow stagniert. Die Betriebe zehren damit von ihren Reserven, heißt es in der Auswertung. Zum Vergleich: Beide Kennziffern waren im Jahr 2024 noch stabil geblieben oder gestiegen.

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