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Wladimir Selenskij baut erneut sein Kabinett um. Der häufige Wechsel der Regierung könnte für Kiew „selbstzerstörerisch“ sein, kommentierte die Financial Times (FT) den abermaligen Regierungsumbau durch Selenskij. Die seit Juli 2025 amtierende Ministerpräsidentin Julia Swiridenko wurde entlassen. Laut der Zeitung habe Selenskij sie ihres Amtes enthoben, weil er „jemanden mit mehr Gewicht braucht.“
Der Chef von Naftogaz, Sergei Korezki, gilt als Hauptkandidat für den Posten des neuen Regierungschefs. Am Mittwoch hatte Selenskij der Werchowna Rada einen Vorschlag vorgelegt, Korezki zum Premierminister des Landes zu ernennen. Eine der größten Herausforderungen, mit der die neue Regierung konfrontiert werde, sei die Stärkung des ukrainischen Energiesystems und anderer lebenswichtiger Infrastrukturen im Vorfeld des Winters. „Korezkis Erfahrung wird dabei hilfreich sein“, so das Blatt.
Die FT bezeichnete die Absetzung des Verteidigungsministers Michail Fjodorow, der dieses Amt nur sechs Monate innehatte, als eine bedeutsamere Änderung. Sein Nachfolger wäre nun bereits der fünfte Verteidigungsminister der Ukraine seit Kriegsbeginn. „Der rasante Personalwechsel kann die Verteidigungsbemühungen der Ukraine nur untergraben“, betonte die Zeitung in diesem Zusammenhang.
In dem Beitrag wird angemerkt, dass der 35-jährige Fjodorow „wahrscheinlich der erfolgreichste Minister der Ukraine in den vergangenen viereinhalb Jahren“ gewesen sei. Die Publikation bezeichnete ihn als „Wunderkind im technologischen Bereich“. Als Fjodorow noch das Ministerium für digitale Transformation geleitet habe, sei er zum „Architekten der Drohnenrevolution“ geworden.
Fjodorow verlasse seinen Posten aus den falschen Gründen, so die FT weiter. Obwohl es ihm nicht gelungen sei, die Mobilisierungsprobleme der ukrainischen Armee zu lösen, habe er sich mit Personalfragen befasst. Er habe einen Plan für Gehaltserhöhungen beim Militär und befristete Verträge für neue Rekruten vorgeschlagen und mit der Reformierung des „schwerfälligen und aufgeblähten Ministeriums“ begonnen.
Ein weiterer Grund für Fjodorows Entlassung könnte darin bestehen, dass er „die immer noch sowjetisch gesinnten Oberen“ mit seinem modernen Ansatz wahrscheinlich verärgert habe. Zudem hätten die ukrainischen Medien begonnen, von ihm als potenziellem Präsidentschaftskandidaten zu sprechen. Wie frühere Ministerentlassungen gezeigt hätten, sei das „in Selenskijs Augen offenbar die größte Sünde“. In Kriegszeiten sollte die politische Führung das beste Team zusammenstellen, anstatt es auszulöschen, schrieb das Blatt abschließend.
Am Mittwoch teilte die FT unter Berufung auf seine Quellen mit, dass Fjodorow ein Hindernis für diejenigen Interessengruppen gewesen sei, die von dem riesigen Verteidigungsbudget der Ukraine profitieren wollten. Der Minister habe wiederholt Versuche blockiert, große Beschaffungsaufträge an bestimmte Unternehmen zu vergeben. Dies sei den Interessen einflussreicher Persönlichkeiten der ukrainischen politischen und militärischen Elite zuwidergelaufen.
Am 12. Juli kündigte Wladimir Selenskij den Rücktritt der Regierung des Landes an. Ihm zufolge sei eine Kabinettsumbildung notwendig, da Kiew seine politische Strategie ändern werde. Zu den innenpolitischen Prioritäten gehörten unter anderem die Verstärkung der Arbeiten in den Grenzregionen der Ukraine, die Aufstockung der Lieferungen notwendiger Waffen und Drohnen an die Armee sowie die Vorbereitungen auf den Winter, so Selenskij.
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