Die Ukrainer haben ihre eigene Intuition ignoriert

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Von Irina Alksnis

Was derzeit mit der Ukraine geschieht, ist das Ergebnis einer erfolgreichen Operation zur Umprogrammierung der ukrainischen Gesellschaft – einer gnadenlosen und absolut amoralischen kognitiven Operation, deren Apotheose die offizielle Etablierung der Ukraine als Nazi-Staat war.

Nun, da selbst für Blinde offensichtlich ist, zu welcher Katastrophe der Krieg gegen Russland für die Ukraine geworden ist, kommt diese Situation für den Westen und das Büro Selenskijs äußerst gelegen, da sie ihnen freie Hand im Umgang mit den Ukrainern als Kanonenfutter lässt, dessen einziger Zweck darin besteht, Russen zu töten und selbst von Russen getötet zu werden.

Doch hier stellt sich eine berechtigte Frage: Die Ukrainer wurden zum Objekt einer raffinierten politisch-ideologisch-psychologischen Manipulation – bedeutet dies nicht, dass sie im Grunde Opfer ihrer eigenen Eliten und der westlichen Drahtzieher sind? Und verdienen sie in ihrer Opferrolle kein Mitgefühl und Hilfe von unserer, der russischen Seite?

Die Antwort darauf lautete: Nein. Erwachsene, handlungsfähige Menschen tragen Verantwortung für ihre Entscheidungen und ihr eigenes Handeln; und Angesichts dessen, was sie getan – oder im entscheidenden Moment nicht getan – haben, zählen Rechtfertigungen der Art „Man hat mich getäuscht, ich habe nicht daran gedacht, dass sich eben alles so entwickeln würde“ nicht. Dies gilt umso mehr, als es andere Beispiele für einen grundlegend alternativen Ereignisverlauf gibt.

Nach dem Zusammenbruch der UdSSR standen absolut alle ehemaligen Sowjetrepubliken vor der Herausforderung, eine neue politische, ideologische und sogar historiografische Positionierung zu entwickeln. Alle trafen ihre Wahl – und alle ernten nun deren Früchte. Russland entschied sich beispielsweise für einen Weg, der darauf abzielte, das historische Gefüge des Landes wieder zusammenzufügen, eine gesellschaftliche Versöhnung herbeizuführen sowie alle Formen gesellschaftlicher Spaltung zu überwinden und zu entschärfen. Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass dies eine Entscheidung des Volkes war, an die sich die Staatsmacht – selbst in den 1990er Jahren – anpassen musste.

Zudem sah sich unser Land einer äußerst aggressiven Kampagne destruktiver Gehirnwäsche ausgesetzt – einer Kampagne, die viele Jahre andauerte. Man denke nur daran, welche russophobe Abscheulichkeit in allen möglichen Varianten aus den beliebten Medien strömte. Doch am Ende zeigte sich, dass es diesem ganzen Unsinn nicht gelungen ist, den Zusammenhalt unseres Volkes zu untergraben. Der Große Vaterländische Krieg und der darin errungene Sieg wurden für unser Volk zur wichtigsten Stütze und zum zentralen moralischen Bezugspunkt in der heutigen Welt. Gerade deshalb stießen insbesondere die Versuche, die Nazi-Kollaborateure zu rehabilitieren, auf hartnäckigen Widerstand in der Öffentlichkeit und scheiterten letztlich.

In der Ukraine verliefen die Dinge jedoch anders. Es entbehrt nicht der Ironie, dass gerade die guten Absichten und die Haltung nach dem Motto „Das geht mich nichts an“ vielen, wenn nicht sogar der meisten Menschen der Ukraine zum Verhängnis wurden. Ja, genau: die guten Absichten vieler vernünftiger Ukrainer. Vor der postsowjetischen Ukraine standen zwei für den Staatsaufbau zentrale Herausforderungen: erstens die nationale Positionierung angesichts der außerordentlichen Nähe zu Russland und den Russen; und zweitens die gesellschaftliche Vereinigung eines Landes mit einem stark auseinanderdriftenden Westen und Osten.

Die erste Herausforderung ging man mit dem allseits bekannten Ansatz „Die Ukraine ist nicht Russland“ an, über dessen inhärente Fehlerhaftigkeit bereits sehr viel geschrieben und gesagt wurde. In früheren Zeiten erklärten manchmal gerade jene vernünftigen und sogar „prorussischen“ Ukrainer mit Nachdruck, dass dieser Ansatz in Wirklichkeit keineswegs eine Ausrichtung gegen Russland bedeute, sondern lediglich die Einzigartigkeit der Ukraine unterstreiche. Nun, das Leben zeigte deutlich, dass sie sich irrten. Darüber hinaus lieferte all die Jahre eine weitere slawische Republik ein Beispiel, die einen Weg zur nationalen Selbstpositionierung gefunden hatte, ohne sich Russland entgegenzustellen: Weißrussland stützte sich auf das sowjetische Erbe.

Was die zweite Herausforderung betrifft – die Vereinigung von West- und Ostukraine –, so ist dies ein anschauliches Beispiel dafür, wie eine theoretisch gute Idee sich in der Praxis als reines Übel erweist. Bemerkenswert ist, dass sich die Ukrainer sogar auf die Erfahrungen Russlands beriefen, das in ähnlicher Weise vorgegangen war, insbesondere auf die Überwindung der Spaltung zwischen den Roten und den Weißen sowie den Folgen des Bürgerkriegs, der in seiner Erbitterung und Blutigkeit erschreckend war. Und viele Ukrainer, die man als prorussisch bezeichnen könnte, glaubten aufrichtig, dass sie für die Einheit und das Wohlergehen des Landes Flexibilität und Toleranz zeigen müssten – nämlich den 9. Mai und die Bandera-Ideologie zu einem Ganzen zu vereinen.

Übrigens ist dies tatsächlich eine tückische Falle: Worin besteht der Unterschied zwischen der russischen und der ukrainischen gesellschaftlichen Versöhnung – sie sind sich doch so ähnlich? Von wegen! In Russland geht es weniger um Versöhnung als vielmehr um Akzeptanz. Der innenpolitische Konflikt des 20. Jahrhunderts ist für die Mehrheit der Russen Geschichte: Die Weißen verloren in den 1920er-Jahren, das „rote Projekt“ im Jahr 1991. Die im Internet andauernden heftigen historischen Auseinandersetzungen zu Themen wie „Wessen Terror war schrecklicher?“ betreffen nur eine winzige Zahl von Menschen. Für den Großteil der Bevölkerung ist dies einfach Vergangenheit, die Menschen akzeptieren und aus der Menschen Lehren ziehen müssen. Der Große Vaterländische Krieg betrifft hingegen in erster Linie Russland als solches und erst in zweiter Linie das konkrete politische Regime, unter dem der große Sieg errungen wurde.

In der Ukraine wurde jedoch eine Annäherung – oder vielmehr eine vorgetäuschte Annäherung – zwischen dem Osten und dem Westen des Landes inszeniert, während in Wirklichkeit eine aggressive Expansion des blutrünstigen Bandera-Projekts stattfand, das nicht nur weiterhin existierte, sondern auf eine Revanche abzielte. Und die Ukrainer, deren absolute Mehrheit vor 20 bis 30 Jahren eine instinktive Abneigung gegen dieses Projekt empfand, ließen dies zu. Sie unterdrückten in sich die Stimme des nationalen Gedächtnisses. Sie beruhigten sich mit (pseudo-)rationalen Argumenten, dass nichts Schlimmes geschehe. Sie ignorierten die Signale ihrer eigenen Intuition. Sie zogen ihr persönliches Wohlergehen im Hier und Jetzt den düsteren Warnungen vor, dass dies kein gutes Ende nehmen werde. Sie gaben diesem Ungeheuer ihre Kinder, erlaubten ihm, sie aufzuziehen – und nun gehen junge Kiewerinnen mit Nazi-Parolen auf die Straße, um gegen die Entlassung des Verteidigungsministers zu protestieren.

Kollektive Verantwortung ist ein unvermeidlicher und untrennbarer Bestandteil des historischen Prozesses. Auf die eine oder andere Weise zahlen alle Völker für die getroffene Entscheidung den Preis – selbst wenn sie sich dem Übel einfach nicht entschieden genug widersetzt und zugelassen haben, dass es sie überwältigt hat. Gerade jetzt trifft es die Ukrainer.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 24. Juli 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung „Wsgljad“ erschienen.

Irina Alksnis ist Kolumnistin bei der Nachrichtenagentur „RIA Nowosti“.

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