Vom Blitzkrieg zum Albtraum: Wie der Irankrieg zur größten strategischen Belastungsprobe für die USA wurde

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Der von den Vereinigten Staaten begonnene Krieg gegen den Iran entwickelt sich nach Darstellung des Journalisten Ben Norton zunehmend zu einem strategischen, militärischen und wirtschaftlichen Albtraum für Washington. Was offenbar als kurze Operation zur Schwächung oder sogar Beseitigung der iranischen Führung geplant war, zieht sich immer weiter hin, erfasst zusätzliche Staaten und bringt die amerikanischen Streitkräfte an die Grenzen ihrer verfügbaren Waffenbestände.

Gleichzeitig steigen die Verluste unter US-Soldaten, während das Pentagon beschuldigt wird, das tatsächliche Ausmaß der Gefallenen und Verwundeten herunterzuspielen. Hinzu kommt eine sich verschärfende Energiekrise, weil sowohl die Straße von Hormus als auch der Schiffsverkehr im Roten Meer zunehmend unter Druck geraten.

Aus einem vermeintlich begrenzten Krieg wird damit ein regionaler Flächenbrand, dessen wirtschaftliche Folgen längst über den Nahen Osten hinausreichen.

Ein Krieg ohne erkennbare Ausstiegsstrategie

Nach Nortons Darstellung wird innerhalb der Trump-Regierung inzwischen offen darüber gestritten, wie der Krieg überhaupt beendet werden kann. Er verweist auf einen Bericht von NBC News, wonach Präsident Donald Trump bei internen Sitzungen zunehmend verärgert reagiere, weil sich seine führenden Regierungsvertreter nicht auf eine klare Strategie einigen könnten.

Aus dem Umfeld des Präsidenten sei zu hören, Trump habe nicht erwartet, dass es derart schwierig werden würde, den Iran zu einem Abkommen zu zwingen. Es habe weder einen wirklichen Plan für die Dauer des Krieges noch eine klare Vorstellung davon gegeben, wie ein politischer Endpunkt erreicht werden solle.

Besonders schwer wiegt eine im Video wiedergegebene Äußerung eines Regierungsvertreters. Demnach stehe Washington vor einer „strategischen Niederlage“, ohne über klare politische Vorgaben oder eine Entscheidung über den weiteren Kurs zu verfügen.

Norton interpretiert dies als Eingeständnis, dass der Krieg für die USA nicht nach Plan verläuft. Die Regierung suche verzweifelt nach einem Ausweg, wolle sich gleichzeitig aber nicht eingestehen, dass sie ihre ursprünglichen Ziele nicht erreicht habe.

Trump stehe damit vor einem politischen Dilemma: Er wolle den Krieg beenden, müsse dies innenpolitisch jedoch als Sieg verkaufen. Genau das werde immer schwieriger, weil der Iran weder militärisch zusammengebrochen noch politisch isoliert worden sei.

Die viertägige „Pause“ und das Scheitern der Gespräche

Am 25. Juli verkündete die Trump-Regierung nach Darstellung des Videos eine Pause der amerikanischen Angriffe. Gleichzeitig erklärte Trump, Washington und Teheran würden erneut über eine Beendigung des Krieges sprechen.

Doch bereits vier Tage später, am 29. Juli, nahmen die USA ihre Luftangriffe auf den Iran wieder auf. Trump kündigte dabei an, die iranische Regierung „sehr hart“ zu treffen.

Für Norton zeigt dieser kurze Zeitraum, dass die angekündigte Pause weder eine tragfähige Waffenruhe noch der Beginn ernsthafter Friedensverhandlungen war. Vielmehr habe Washington offenbar versucht, Zeit zu gewinnen, ohne seine militärischen und politischen Forderungen grundlegend zu verändern.

Die iranische Seite begegne neuen amerikanischen Verhandlungsangeboten deshalb mit erheblichem Misstrauen. Norton verweist auf eine lange Reihe gebrochener oder gescheiterter Vereinbarungen.

Bereits 2018 hatte Trump während seiner ersten Amtszeit das internationale Atomabkommen mit dem Iran einseitig verlassen. Nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus seien erneut Verhandlungen geführt worden, bevor die USA und Israel überraschend militärisch gegen den Iran vorgingen. Auch ein im Juni geschlossenes Memorandum of Understanding sei später von Washington verletzt worden.

Aus iranischer Sicht erscheinen neue Gespräche daher nicht automatisch als Friedensangebot, sondern möglicherweise als taktische Pause zur militärischen Neuordnung.

Drei Krisen zwingen Washington zur Suche nach einem Ausweg

Norton nennt drei zentrale Gründe dafür, dass die USA den Krieg wiederholt unterbrechen und nach einem politischen Ausweg suchen:

Erstens gehen den amerikanischen Streitkräften wichtige Flugabwehrraketen aus.

Zweitens steigen die Verluste unter US-Soldaten, während das Pentagon das tatsächliche Ausmaß der Opfer möglicherweise verschleiert.

Drittens hat der Krieg eine globale Energiekrise ausgelöst, die durch die Beteiligung des Jemen und die Unterbrechung zentraler Schifffahrtswege weiter verschärft wird.

Diese drei Faktoren greifen ineinander. Je länger der Krieg dauert, desto mehr Raketen muss Washington zur Verteidigung seiner Stützpunkte einsetzen. Je geringer die Vorräte werden, desto häufiger können iranische Raketen und Drohnen die Luftabwehr durchdringen. Dadurch steigen wiederum die Verluste, während gleichzeitig Angriffe auf Energieanlagen und Transportwege die wirtschaftlichen Kosten des Krieges erhöhen.

Die Patriot-Vorräte werden zum strategischen Problem

Der möglicherweise entscheidende militärische Engpass betrifft laut dem Video die Patriot-Abfangraketen. Sie werden benötigt, um US-Stützpunkte, verbündete Golfstaaten und wichtige Infrastruktur gegen iranische Raketen und Drohnen zu schützen.

Norton beruft sich auf Berichte der New York Times und des Wall Street Journal. Demnach wächst im Pentagon die Sorge, dass eine weitere Intensivierung des Krieges die bereits geschrumpften Bestände an Patriot-Raketen und anderen Luftabwehrsystemen gefährlich erschöpfen könnte.

Amerikanische Regierungsvertreter hätten eine Rückkehr zu umfassenden Kampfhandlungen als „enorm riskantes Unterfangen“ bezeichnet. Die Trump-Regierung fürchte demnach nicht nur einen größeren Krieg, sondern auch die Entfremdung wichtiger Golfstaaten, eine globale Wirtschaftskrise sowie eine wachsende Energie- und Flüchtlingskrise.

Nach den im Video genannten Schätzungen verfügten die Vereinigten Staaten zu Beginn des Krieges über etwa 2.500 Patriot-Abfangraketen. Seit dem Beginn der Kampfhandlungen am 28. Februar sollen mindestens 1.500 davon eingesetzt worden sein.

Sollten diese Angaben zutreffen, hätte das Pentagon bereits rund 60 Prozent seines ursprünglichen Bestands verbraucht. Weniger als 40 Prozent wären noch verfügbar.

Dabei kostet eine einzelne Patriot-Rakete laut den zitierten Berichten zwischen vier und fünf Millionen Dollar. Allein der Einsatz von 1.500 Abfangraketen würde damit Kosten von ungefähr sechs bis 7,5 Milliarden Dollar verursachen – ohne die Kosten der amerikanischen Luftangriffe, der eingesetzten Kampfflugzeuge, der Logistik, der Marineoperationen und sämtlicher anderer Waffensysteme einzurechnen.

Norton spricht von einem Krieg, dessen Gesamtkosten längst in die Hunderte Milliarden Dollar gehen könnten. Eine genaue, unabhängig bestätigte Gesamtsumme wird im Video jedoch nicht genannt.

Die US-Rüstungsindustrie kann den Verbrauch nicht ausgleichen

Das grundlegende Problem besteht nicht allein darin, dass die vorhandenen Vorräte schrumpfen. Die amerikanische Rüstungsindustrie kann neue Raketen offenbar nicht schnell genug produzieren, um den Verbrauch auszugleichen.

Der Hersteller RTX, früher Raytheon, könne nach den im Video wiedergegebenen Angaben jährlich ungefähr 600 moderne PAC-3-Abfangraketen herstellen.

Dem steht ein Verbrauch von mindestens 1.500 Raketen innerhalb weniger Monate gegenüber.

Selbst bei voller Produktion würde es somit mehrere Jahre dauern, die bereits verschossenen Bestände zu ersetzen. Voraussetzung wäre zudem, dass sämtliche neuen Raketen ausschließlich für die US-Streitkräfte vorgesehen wären. Tatsächlich müssen die Vereinigten Staaten jedoch auch Verbündete beliefern und bestehende Exportverträge erfüllen.

Die Knappheit soll inzwischen so groß sein, dass die US-Armee erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten wieder ältere Patriot-Varianten für den eigenen Bedarf bestellt habe.

Im März habe Washington sogar NATO-Verbündete um zusätzliche Patriot-Raketen gebeten. Polen sei laut dem im Video erwähnten Bericht das einzige Land gewesen, das zumindest teilweise helfen konnte.

Damit tritt ein strukturelles Problem zutage: Die amerikanische Militärindustrie kann zwar extrem teure Waffensysteme produzieren, ist aber nicht auf einen langen, hochintensiven Krieg gegen einen Gegner vorbereitet, der täglich große Mengen vergleichsweise günstiger Raketen und Drohnen einsetzen kann.

Iran zwingt die USA in einen kostspieligen Abnutzungskrieg

Die militärische Logik ist für Washington ungünstig.

Der Iran muss nicht jede amerikanische Stellung zerstören. Es reicht, regelmäßig Raketen und Drohnen abzufeuern, um die USA und ihre Verbündeten zum Einsatz ihrer knappen und teuren Abfangsysteme zu zwingen.

Selbst wenn ein iranischer Flugkörper abgeschossen wird, hat er seinen Zweck teilweise erfüllt: Die Gegenseite musste eine mehrere Millionen Dollar teure Abfangrakete einsetzen und verliert damit einen Teil ihrer begrenzten Verteidigungsfähigkeit.

Je länger dieses Verhältnis anhält, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne iranische Raketen die Abwehr überwinden.

Norton führt die steigende Zahl getroffener US-Ziele und amerikanischer Opfer teilweise darauf zurück, dass die Luftverteidigung zunehmend überlastet werde. Ob sämtliche genannten Treffer tatsächlich unmittelbar mit einem Mangel an Patriot-Raketen zusammenhängen, lässt sich allein anhand des Videos jedoch nicht abschließend überprüfen.

Strategisch ist der beschriebene Mechanismus dennoch nachvollziehbar: Ein Verteidiger, dessen Abfangraketen schneller verbraucht als produziert werden, verliert mit der Zeit seine Fähigkeit, alle bedrohten Ziele gleichzeitig zu schützen.

Die Golfstaaten fürchten die Folgen amerikanischer Eskalation

Besonders verwundbar sind die mit Washington verbündeten Golfmonarchien. Dazu gehören Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Bahrain und Katar.

Viele dieser Staaten beherbergen amerikanische Militärstützpunkte. Dadurch werden sie im Fall einer direkten Konfrontation zwischen den USA und dem Iran automatisch zu potenziellen Zielen iranischer Vergeltungsschläge.

Gleichzeitig sind ihre wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systeme von hoch konzentrierter Infrastruktur abhängig. Ölterminals, Raffinerien, Gasfelder, Flughäfen, Häfen, Stromnetze und Entsalzungsanlagen befinden sich an wenigen strategisch wichtigen Standorten.

Norton hebt insbesondere die Abhängigkeit von Meerwasserentsalzungsanlagen hervor. Die Golfstaaten verfügen nur über geringe natürliche Süßwasserreserven und beziehen einen großen Teil ihres Trinkwassers aus Entsalzungsanlagen an den Küsten.

Bislang habe der Iran diese Anlagen nicht angegriffen. Doch allein die Möglichkeit eines solchen Angriffs verdeutlicht, wie groß die Verwundbarkeit der Golfstaaten ist.

Die Regierungen der Region hätten deshalb ein starkes Interesse daran, Washington von einer völlig unkontrollierten Eskalation abzuhalten. Sie unterstützen die USA militärisch und politisch, müssen aber zugleich befürchten, selbst die unmittelbarsten Konsequenzen amerikanischer Angriffe zu tragen.

Die Zahl der US-Verluste bleibt umstritten

Der zweite große Belastungsfaktor sind die steigenden Verluste unter amerikanischen Soldaten.

Norton wirft dem Pentagon vor, die tatsächliche Zahl der Toten und Verwundeten nicht vollständig offenzulegen. Dabei beruft er sich unter anderem auf den ehemaligen US-Verteidigungsminister und CIA-Direktor Leon Panetta.

Panetta habe die Informationspolitik des Pentagons als beschämend bezeichnet und von einem bewussten Versuch gesprochen, Informationen vor der amerikanischen Öffentlichkeit zurückzuhalten.

Besonders auffällig sei, dass das Pentagon über einen Zeitraum von zweieinhalb Monaten keine reguläre Pressekonferenz abgehalten habe. Kritiker vermuteten dahinter den Versuch, das wahre Ausmaß der Kriegskosten vor den amerikanischen Zwischenwahlen im November zu verbergen.

Die New York Times habe zunächst von 18 getöteten US-Soldaten berichtet. Später sei diese Zahl auf 14 reduziert worden.

Die Begründung des Pentagons habe demnach gelautet, vier Soldaten seien erst nach der Verkündung einer Waffenruhe gestorben und würden daher nicht in der ursprünglichen Statistik berücksichtigt.

Norton hält dieses Vorgehen für eine statistische Manipulation. Die Soldaten seien infolge des Krieges gestorben, unabhängig davon, ob ihr Tod vor oder nach einem offiziell verkündeten Zeitpunkt eingetreten sei.

Darüber hinaus sollen Dutzende Verwundete zunächst nicht in den veröffentlichten Zahlen aufgetaucht sein. Die Zahl der Verletzten liege laut dem Video bereits bei mehreren Hundert, könnte tatsächlich aber deutlich höher sein.

Eine unabhängige Bestätigung der von Norton vermuteten höheren Opferzahlen enthält das Video nicht. Belegt wird vor allem, dass es Streit über die Zählweise, verspätete Meldungen und eine ungewöhnlich zurückhaltende Informationspolitik des Pentagons gibt.

Der Krieg breitet sich auf immer mehr Länder aus

Parallel zur militärischen Erschöpfung der USA erweitert sich der Krieg geografisch.

Norton zufolge drängte die Trump-Regierung Saudi-Arabien dazu, seine Angriffe auf den Jemen wieder aufzunehmen. Saudi-arabische Streitkräfte hätten daraufhin Ziele im Norden des Landes bombardiert.

Ansarallah, im Westen meist als Huthi-Bewegung bezeichnet, reagierte mit Angriffen auf saudische Ziele, insbesondere auf Energieanlagen und die Infrastruktur des Öltransports.

Saudi-Arabien sei darüber hinaus gemeinsam mit dem US-Militär gegen proiranische Milizen im Irak vorgegangen. Damit werde das Königreich gleichzeitig in mehreren Kriegsschauplätzen zur direkten Konfliktpartei.

Auch den Vereinigten Arabischen Emiraten wird im Video eine wachsende militärische Rolle zugeschrieben. Sie sollen amerikanische und israelische Geheimdienstinformationen genutzt haben, um iranische Ziele anzugreifen.

Zusätzlich sei Ägypten getroffen worden. Sollte Kairo militärisch reagieren, könnte ein weiterer wichtiger Staat in den regionalen Krieg hineingezogen werden.

Der Konflikt ist damit nach Nortons Einschätzung längst kein isolierter Krieg zwischen den USA und dem Iran mehr. Er erfasst den Jemen, Saudi-Arabien, den Irak, die Emirate, Kuwait, Bahrain und möglicherweise Ägypten.

Der Jemen eröffnet eine zweite Energiefront

Besonders weitreichend ist der Eintritt Ansarallahs in den Konflikt.

Die Bewegung kontrolliert den dicht besiedelten Norden des Jemen und ist politisch mit dem Iran verbündet. Seit dem Beginn der saudischen Intervention im Jahr 2015 hat sie jahrelange Kriegserfahrung gesammelt und trotz massiver Luftangriffe ihre Machtposition behauptet.

Nachdem Saudi-Arabien seine Angriffe auf den Jemen wieder aufgenommen hatte, kündigte Ansarallah nach Darstellung des Videos eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien an.

Dies trifft Riad in einem äußerst empfindlichen Moment.

Nach der iranischen Sperrung oder weitgehenden Blockierung der Straße von Hormus hatte Saudi-Arabien versucht, einen größeren Teil seiner Ölexporte über die Ost-West-Pipeline an die Küste des Roten Meeres zu verlagern. Das Öl wird dabei aus den Fördergebieten am Persischen Golf quer durch das Land nach Yanbu transportiert und dort auf Tanker verladen.

Ansarallah droht nun, auch diesen Ausweichweg zu blockieren.

Damit könnte Saudi-Arabien gleichzeitig an beiden Küsten unter Druck geraten: im Osten durch die Lage in Hormus und im Westen durch die jemenitischen Operationen im Roten Meer.

Angriffe auf Yanbu und saudische Ölinfrastruktur

Seit der Verkündung der Blockade habe sich die Lage weiter verschärft.

Ansarallah soll nach Nortons Darstellung Einrichtungen angegriffen haben, die für den Transport des saudischen Öls von der Ost- an die Westküste erforderlich sind. Außerdem habe die Bewegung Angriffe auf Raffinerien und Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco für sich beansprucht.

Reuters habe unter Berufung auf Satellitenaufnahmen berichtet, dass sich der Schiffsverkehr im Roten Meer deutlich verlangsamt habe. Anlagen in der Hafenstadt Yanbu seien getroffen worden.

Diese Angriffe besitzen eine Bedeutung, die weit über die unmittelbaren Schäden hinausgeht.

Saudi-Arabien finanziert einen großen Teil seines Staatshaushalts, seiner Sozialprogramme und seiner wirtschaftlichen Entwicklungsprojekte durch Einnahmen aus dem Ölverkauf. Ein längerer Rückgang der Exporte würde die bereits bestehenden Haushaltsdefizite verschärfen und könnte innenpolitischen Druck erzeugen.

Dasselbe gilt für andere Golfmonarchien. Ihre politische Stabilität beruht zu einem erheblichen Teil darauf, dass die Einnahmen aus Öl und Gas zur Finanzierung von Subventionen, Arbeitsplätzen und staatlichen Leistungen eingesetzt werden.

Ein Krieg, der diese Einnahmen dauerhaft unterbricht, bedroht daher nicht nur einzelne Raffinerien, sondern das politische und wirtschaftliche Modell der gesamten Region.

Hormus und Bab al-Mandab geraten gleichzeitig unter Druck

Die strategische Dimension wird besonders deutlich, wenn die beiden zentralen Seewege gemeinsam betrachtet werden.

Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Indischen Ozean. Durch sie werden große Mengen Öl und Flüssiggas aus Saudi-Arabien, den Emiraten, Katar, Kuwait, Bahrain, Irak und Iran transportiert.

Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean. Die Meerenge ist entscheidend für den Verkehr zwischen Europa, dem Suezkanal und Asien.

Wenn beide Routen gleichzeitig eingeschränkt werden, verliert die Weltwirtschaft einen erheblichen Teil ihrer kurzfristigen Möglichkeiten, Energie zwischen dem Nahen Osten, Asien und Europa zu transportieren.

Saudi-Arabien hatte die Ost-West-Pipeline gerade deshalb ausgebaut, um im Fall einer Krise in Hormus weiterhin Öl über das Rote Meer exportieren zu können. Wird nun auch dieser Weg angegriffen, verliert Riad seine wichtigste strategische Alternative.

Der Konflikt verwandelt sich dadurch von einem militärischen Krieg in einen Krieg um die globalen Energieadern.

Die Energiekrise trifft zuerst Asien

Die wirtschaftlichen Folgen sind laut Norton bereits sichtbar.

Besonders stark betroffen seien asiatische Staaten wie Japan, Südkorea, die Philippinen und Thailand. Einige dieser Länder beziehen bis zu 90 Prozent ihres Ölbedarfs aus dem Nahen Osten.

Japan und Südkorea sind enge Verbündete der Vereinigten Staaten und beherbergen große amerikanische Militärkontingente. Dennoch gehören sie zu den Staaten, die wirtschaftlich am stärksten unter einer Unterbrechung der Energieversorgung aus dem Persischen Golf leiden würden.

Im Video wird ein vom Guardian zitierter Analyst angeführt, wonach die weltweiten Reservekapazitäten praktisch ausgeschöpft seien. Es gebe kaum noch zusätzliche Lagerbestände oder kurzfristig aktivierbare Fördermengen.

Steigende Ölpreise wirken sich nicht nur auf Benzin und Heizenergie aus. Öl wird für den Transport nahezu aller Waren benötigt. Höhere Treibstoffkosten verteuern Schifffahrt, Luftverkehr, Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion, Industrie und Logistik.

Damit wird ein militärischer Konflikt im Nahen Osten unmittelbar zu einem Inflationsproblem für Verbraucher auf der ganzen Welt.

Nur noch wenige Wochen Ölreserven?

Besonders alarmierend ist eine im Video Trump zugeschriebene Aussage, wonach die internationalen Ölreserven nur noch für ungefähr vier Wochen ausreichen würden.

Diese Aussage soll aus einer Rede im Juni stammen, als ein Ende des Krieges und neue Gespräche mit dem Iran möglich erschienen.

Das Video liefert allerdings keine genaue Definition, welche Reserven Trump damit meinte. Es bleibt offen, ob von strategischen Staatsreserven, kommerziellen Lagerbeständen bestimmter Länder oder den global verfügbaren Notfallreserven die Rede war.

Unabhängig davon zeigt die Aussage, wie angespannt die Versorgungslage innerhalb der amerikanischen Regierung offenbar eingeschätzt wurde.

Sollten die Kämpfe weiter eskalieren und gleichzeitig Hormus, das Rote Meer sowie wichtige Öl- und Gasanlagen betroffen sein, könnte die Weltwirtschaft mit einem Angebotsschock konfrontiert werden, der weit über gewöhnliche Preisschwankungen hinausgeht.

Der Krieg gegen Iran schwächt Washington auch gegenüber China

Die rapide sinkenden Munitionsbestände haben noch eine weitere strategische Konsequenz.

In Washington wird seit Jahren über einen möglichen Krieg gegen China diskutiert. Das Pentagon verlagert Streitkräfte in den asiatisch-pazifischen Raum und begründet den Ausbau seiner Waffenbestände mit der Vorbereitung auf einen Konflikt mit einem ebenbürtigen Gegner.

Doch wenn die Vereinigten Staaten bereits in einem Krieg gegen den Iran einen großen Teil ihrer modernen Abfangraketen verbrauchen, stellt sich die Frage, wie sie gleichzeitig einen noch erheblich größeren Krieg im Westpazifik führen wollen.

Norton zitiert eine Analyse des Autors Arnaud Bertrand beziehungsweise des im Video genannten Analysten, wonach ein Krieg gegen China ein Vielfaches der heute vorhandenen Waffenbestände erfordern würde.

Das Problem sei nicht nur, dass die USA ihre Lagerbestände im Irankrieg leerten. Selbst vor Beginn des Krieges hätten sie nicht annähernd über die Mengen verfügt, die für einen langen Konflikt mit China notwendig wären.

China besitzt eine wesentlich größere industrielle Produktionsbasis als der Iran. Das Land verfügt über enorme Kapazitäten in der Stahl-, Elektronik-, Maschinenbau-, Schiffbau- und Energieproduktion.

Ein längerer Krieg wäre daher nicht allein eine Frage technologisch überlegener Einzelwaffen, sondern der Fähigkeit, Raketen, Drohnen, Schiffe, Ersatzteile und Munition in großen Mengen kontinuierlich herzustellen.

Genau hier sehen Kritiker eine zentrale Schwäche der USA: Der militärisch-industrielle Komplex produziert extrem teure und komplexe Systeme, kann sie aber nicht schnell genug in den für einen Abnutzungskrieg erforderlichen Stückzahlen liefern.

Hat Iran bereits gewonnen?

Norton zieht aus all diesen Entwicklungen eine eindeutige und bewusst zugespitzte Schlussfolgerung: Die Vereinigten Staaten hätten den Krieg bereits strategisch verloren, während der Iran gewonnen habe.

Diese Bewertung ist die politische Interpretation des Autors und keine neutral bestätigte militärische Feststellung.

Seine Argumentation lautet jedoch: Die USA konnten die iranische Führung nicht beseitigen, keinen Regimewechsel erzwingen und den iranischen Staat nicht zum Zusammenbruch bringen. Stattdessen weitete sich der Krieg aus, amerikanische Verluste stiegen, die Munitionsvorräte schrumpften und die globale Energieversorgung geriet unter Druck.

Der Iran habe dagegen gezeigt, dass er trotz amerikanischer und israelischer Angriffe weiterkämpfen, US-Stützpunkte treffen und durch seine geografische Lage erheblichen Einfluss auf die wichtigsten Energie- und Schifffahrtswege ausüben könne.

Damit liege der größere strategische Hebel zunehmend bei Teheran.

Washington könne den Krieg zwar fortsetzen und weitere Zerstörungen anrichten. Doch jede neue Angriffswelle erhöhe zugleich die Kosten für die USA, ihre regionalen Verbündeten und die Weltwirtschaft.

Washington steht vor einer unmöglichen Entscheidung

Die Trump-Regierung befindet sich damit in einer strategischen Falle.

Setzt sie den Krieg fort, drohen weitere Verluste, sinkende Munitionsbestände, steigende Ölpreise und eine Ausweitung des Konflikts auf zusätzliche Staaten.

Beendet sie den Krieg ohne die Kapitulation des Iran, müsste Trump erklären, warum die ursprünglichen Ziele nicht erreicht wurden.

Ein politisches Abkommen dürfte zudem amerikanische Zugeständnisse erfordern. Genau diese Zugeständnisse wären jedoch schwer mit der Behauptung zu vereinbaren, die USA hätten den Iran besiegt.

Deshalb versucht Trump nach Nortons Einschätzung, das Unvereinbare miteinander zu verbinden: Er will einen Ausweg aus dem Krieg, ohne eine Niederlage einzugestehen. Er will Verhandlungen, ohne seine Forderungen aufzugeben. Und er will einen Sieg verkünden, obwohl der Iran militärisch und politisch weiterhin handlungsfähig ist.

Die nur vier Tage dauernde Pause Ende Juli zeigt, wie wenig stabil dieser Kurs ist.

Ein regionaler Krieg droht zum globalen Wirtschaftskrieg zu werden

Die gefährlichste Entwicklung liegt jedoch nicht allein in den amerikanischen Raketenbeständen oder der Zahl der gefallenen Soldaten.

Entscheidend ist, dass sich der Krieg zunehmend auf die Energieinfrastruktur und die globalen Transportwege verlagert.

Iran übt Druck auf die Straße von Hormus aus. Ansarallah bedroht saudische Exporte im Roten Meer. Saudi-Arabien greift erneut im Jemen ein. Amerikanische Stützpunkte in den Golfstaaten werden zu Zielen. Raffinerien, Pipelines und Hafenanlagen geraten in die Frontlinie.

Damit entsteht eine Eskalationsspirale, in der jeder militärische Angriff wirtschaftliche Gegenmaßnahmen auslösen kann.

Ein Angriff auf iranische Energieanlagen könnte Vergeltung gegen saudische, emiratische, katarische oder israelische Infrastruktur nach sich ziehen. Darauf könnten neue amerikanische und israelische Angriffe folgen. Gleichzeitig könnten weitere Tanker beschädigt und noch mehr Schifffahrtsunternehmen zum Rückzug aus der Region gezwungen werden.

Was als Krieg gegen den Iran begann, droht damit zu einem Krieg gegen die Energieversorgung der Welt zu werden.

Fazit

Das Video zeichnet das Bild einer US-Regierung, die sich militärisch überschätzt und politisch festgefahren hat.

Die Strategie eines kurzen Krieges ist gescheitert. Die iranische Führung wurde nicht beseitigt. Der Konflikt hat sich ausgeweitet. Die Patriot-Vorräte schrumpfen schneller, als die amerikanische Industrie sie ersetzen kann. Die Verluste unter US-Soldaten steigen, während das Pentagon wegen seiner Informationspolitik unter Druck gerät.

Gleichzeitig geraten die Straße von Hormus und das Rote Meer unter Druck. Saudi-Arabiens wichtigste Exportwege werden bedroht, während asiatische Staaten bereits mit steigenden Energiepreisen und wachsender Inflation kämpfen.

Ob man Nortons Schlussfolgerung teilt, dass der Iran den Krieg bereits gewonnen habe, hängt davon ab, wie ein militärischer Sieg definiert wird. Sicher ist jedoch: Washington hat seine entscheidenden politischen Ziele bislang nicht erreicht, während die Kosten des Krieges täglich wachsen.

Die Vereinigten Staaten stehen vor einer Wahl, bei der es keinen einfachen Sieg mehr gibt.

Ein Rückzug würde das Scheitern der ursprünglichen Strategie offenlegen. Eine Fortsetzung des Krieges könnte dagegen die eigenen Waffenbestände erschöpfen, weitere amerikanische Soldaten das Leben kosten und die Welt in eine schwere Energie- und Wirtschaftskrise stürzen.

Der Irankrieg gerät damit nicht nur außer Kontrolle. Er zeigt zugleich die Grenzen einer Militärmacht, die zwar über die teuersten Waffensysteme der Welt verfügt, aber offenbar nicht über genügend Raketen, industrielle Kapazitäten und politische Ausdauer für den Krieg, den sie selbst begonnen hat.

Das Video führt als zentrale Erklärung drei zusammenwirkende Krisen an: schrumpfende US-Raketenbestände, wachsende amerikanische Verluste und eine durch Hormus sowie den Jemen verschärfte Energiekrise.

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