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Immer mehr Deutsche machen Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff – leider nicht immer die umweltschonendste Reise. Der Nabu hat untersucht, welche Reederei am klimafreundlichsten ist.
Die Kreuzfahrtbranche steht seit vielen Jahren unter dem Generalverdacht der Umweltverpestung. Immer mehr und immer größere Schiffe blasen immer größere Mengen Schadstoffe in die Luft. Den Reedereien gelingt es zwar, ihre CO₂-Bilanzen durch neue Antriebe und Brennstoffe zu verbessern, aber wirklich klima- und umweltfreundlich sind Kreuzfahrten nicht.
Die Naturschutzorganisation Nabu hat nun ihr jährliches Kreuzfahrt-Umweltranking veröffentlicht. Bewertet wurden dabei Faktoren wie der Verzicht auf Schweröl als Treibstoff, die Nutzung von Landstrom und Stickoxidkatalysatoren sowie Klima- und Effizienzmaßnahmen.
Die Ergebnisse setzen sich aus den freiwilligen Angaben der mehr als ein Dutzend befragten Reedereien zusammen – wie korrekt diese geantwortet haben, beantwortet die Studie nicht.
„Die Kreuzfahrtbranche verbessert ihre Energieeffizienz und investiert zunehmend in Landstromanschlüsse. Beim entscheidenden Schritt hin zur Dekarbonisierung – dem Umstieg auf klimaneutrale Kraftstoffe – bleibt sie jedoch deutlich hinter ihren Möglichkeiten zurück“, heißt es beim Nabu zu den Ergebnissen.
| Platz | Reederei | Punkte | Beste Kategorie(n) |
| 1 | Havila | 7,5 | Schweröl-Stopp, Luftreinhaltung, Landstrom |
| 2 | Hurtigruten | 7,25 | Schweröl-Stopp, Klima-Intensität, Landstrom |
| 3 | Ponant | 6 | Schweröl-Stopp |
| 4 | Mein Schiff | 6 | Landstrom |
| 5 | Aida Cruises | 6 | Landstrom |
| 6 | HX Expeditions | 5,5 | Schweröl-Stopp, Landstrom |
| 7 | MSC Cruises | 5,25 | – |
| 8 | Hapag-Lloyd Cruises | 4,75 | – |
| 9 | Carnival | 4,25 | Klima-Intensität |
| 10 | Royal Caribbean | 4 | – |
| 11 | Norwegian Cruise Line | 3,75 | – |
| 12 | Marella | 3,75 | Klima-Intensität |
(Vergeben wurden jeweils 17 Punkte in acht Kategorien. Laut Nabu haben Phoenix Reisen, Viking Ocean Cruises und Nicko Cruises nicht auf die Anfrage reagiert.)
Problematisch aus Sicht des Umweltbundes sei, dass die Kreuzfahrtunternehmen weiterhin auf Schweröl setzten. „Nur vier der zwölf untersuchten Reedereien schließen dessen Einsatz vollständig aus. Genutzt werden kann der schadstoffreiche Kraftstoff nur mithilfe von Abgaswäschern, die die Schadstoffe aber nicht beseitigten, sondern mit dem Waschwasser ins Meer einleiten.“
Die Reedereien selbst beklagen immer wieder fehlende Infrastruktur in den Häfen. Beim US-Unternehmen NCL etwa heißt es, dass man zwar umweltfreundlichere Brennstoffe wie Methanol oder Ammoniak einsetzen könne, diese müssten dann aber auch zuverlässig überall verfügbar sein. Was jedoch, anders als bei Schwerölen oder auch LNG, nicht der Fall sei.
Der Nabu sieht die wichtigste Aufgabe daher im Ausstieg aus fossilen Kraftstoffen. „Während viele Unternehmen weiterhin auf fossile Energieträger und vermeintliche Übergangslösungen wie LNG oder biogene Kraftstoffe setzen, bleiben Investitionen in tatsächlich klimaneutrale Antriebe und E-Fuel-fähige Schiffe die Ausnahme, obwohl sich die Branche zu Netto-null-Emissionen bis 2050 verpflichtet hat“, so die Organisation.
Kreuzfahrten gehören zu den Bereichen, die weiterhin kräftig wachsen. Die weltweite Passagierzahl kletterte zuletzt im Vergleich zu 2024 um 7,5 Prozent auf den bisherigen Höchstwert von 37,2 Millionen. In Deutschland betrug das Plus sogar zehn Prozent, die Zahl der Gäste stieg auf 2,8 Millionen. Weltweit sind rund 420 Kreuzfahrtschiffe unterwegs.
Wie klimaschädlich Kreuzfahrten tatsächlich sind, hängt von vielen Faktoren ab. Etwa, wie die Passagiere zum Abfahrtshafen kommen (Flugzeug, Bahn, Auto), ob es dort Landstrom gibt oder ob während der Liegezeit Diesel verfeuert wird. Auch der Schiffsan- und ‑betrieb spielt eine Rolle.
Laut dem Bundesumweltamt verursacht etwa ein Flug von Deutschland auf die Kanarischen Inseln und zurück pro Person 1,2 Tonnen klimaschädliche Gase (CO₂-Äquivalente). Bei einer siebentägigen Kanaren-Rundfahrt kommen noch pro Person rund 0,95 Tonnen CO₂-Äquivalente hinzu. Das entspricht etwa einem Fünftel der gesamten Treibhausgasemissionen eines durchschnittlichen Deutschen pro Jahr.
Dieser Artikel ist eine Übernahme des Stern, der wie Capital zu RTL Deutschland gehört. Auf Capital.de wird er sechs Monate hier aufrufbar sein. Danach finden Sie ihn auf www.stern.de.