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Der Neobroker Scalable Capital startet einen gehebelten ETF auf den Weltaktienindex MSCI ACWI, im Netz zeigen sich Privatanleger begeistert. Doch die Risiken sind groß
Sie sparen gerne mit ETFs und Ihnen sind Aktien aus möglichst vielen Ländern wichtig, wollen aber trotzdem mal so richtig was riskieren? Dann können Sie sich ab sofort ein neues Fondsprodukt mit eingebautem Renditeturbo ins Depot legen.
Der Neobroker Scalable Capital hat nach eigenen Angaben Europas ersten zweifach gehebelten ETF auf den weltweiten Aktienindex MSCI ACWI aufgelegt. Als Partner fungiert die DWS-Tochter Xtrackers. Der ETF investiert in Aktien von rund 2460 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern und verstärkt deren tägliche Kursentwicklung um den Faktor zwei.
Mit anderen Worten: Legt der zugrunde liegende Weltaktienindex an einem Tag um ein Prozent zu, gewinnt der ETF etwa zwei Prozent. Fällt der Index um ein Prozent, verliert der Fonds ebenfalls rund zwei Prozent. Der Hebel gilt allerdings immer nur für einen einzelnen Börsentag. Das birgt große Risiken und heißt mitnichten, dass Anleger in guten Börsenphasen immer die doppelte Rendite einstreichen. Dazu gleich mehr.
Im Netz sorgt der neue Scalable-Fonds zunächst für Aufmerksamkeit. Im unter vielen Anlegern beliebten Onlineforum Reddit hatten Nutzer schon vor dem Start die Zulassungsunterlagen des ETFs (WKN: DBX2SC) entdeckt und über Spitznamen diskutiert. Die Bezeichnung „Scalumbo“ zählte zu den beliebtesten Vorschlägen.
Der Name spielt auf den sogenannten „Heiligen Amumbo“ an. So bezeichnet die Reddit-Gemeinde einen ETF von Amundi, der die tägliche Rendite des MSCI USA ebenfalls zweifach hebelt. Dieser Index enthält nur amerikanische Aktien. Seit 2010 hat der Amumbo eine Rendite von mehr als 7700 Prozent erzielt und in sozialen Medien eine Art Kultstatus erlangt. Auf einen ähnlich großen Erfolg hofft man nun offenbar auch bei Scalable Capital, zumal es bisher erst wenige Hebel-ETFs auf breite Weltindizes gibt.
Bei aller Euphorie sollten Anleger jedoch die hohen Risiken solcher Fondskonstruktionen bedenken. Zum einen verstärkt der Hebel nicht nur Kursgewinne, sondern auch Verluste. Weil der Hebel jeden Börsentag neu berechnet wird, braucht es anschließend umso höhere Kursgewinne, um wieder aus der Verlustzone zu kommen. Der ETF verliert damit in Phasen länger anhaltender Marktschwankungen schleichend an Rendite. Das Phänomen nennt sich Volatility-Drag.
Zum anderen verursacht der Hebel laufende Kosten. Um die doppelte Marktrendite abzubilden, leiht sich der Fondsanbieter zusätzliches Kapital von einer Bank. Die dafür anfallenden Finanzierungskosten werden an die Anleger weitergegeben und mindern die Rendite, sind jedoch in der ausgewiesenen Gesamtkostenquote des ETFs oft nicht vollständig enthalten. Dazu ist der Scalable-ETF ohnehin nicht günstig: Die jährlichen Kosten (TER) sind mit 0,45 Prozent ausgewiesen. Ungehebelte Vergleichsprodukte kosten inzwischen weit weniger als die Hälfte und sind deutlich risikoärmer.
Und noch etwas könnten Privatanleger übersehen: Der gehebelte Scalable-ETF ist laut Basisinformationsblatt zum Start der Risikostufe 5 zugeordnet. „Damit dürfte er für ein Altersvorsorgedepot gekauft werden“, kommentiert Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg den Beitrag eines Scalable-Managers auf Linkedin. Ab Januar 2027 fördert der Staat entsprechende Sparpläne mit großzügigen Zuschüssen. Für Nauhauser besteht das Risiko darin, „dass er ausgetauscht wird, sobald er in Stufe 6 rutscht“ – was bei entsprechenden Kursschwankungen als wahrscheinlich gilt.