Weitere NS-Mordopfer in Kursk aufgefunden

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Der Snamenskaja-Hain (Знаменская роща) in der Nähe von Kursk dürfte nur wenigen heutigen Deutschen ein Begriff sein. Es handelt sich um den Schauplatz von NS-Kriegsverbrechen, die während der deutschen Herrschaft über diesen Teil der Russischen Sowjetrepublik begangen wurden. Die Stadt Kursk war im Zweiten Weltkrieg von November 1941 bis Februar 1943 insgesamt 15 Monate unter der Besatzung der Wehrmacht.

Heute ist der Snamenskaja-Hain ein Massengrab. Doch damals war dieser Ort ein Kriegsgefangenenlager für gefangene Rotarmisten. In einer nahegelegenen medizinischen Einrichtung führten NS-Mediziner grausame Experimente an Menschen durch, wie aus russischen Archivunterlagen hervorgeht.

In den letzten 20 Jahren entdeckten Exhumierer dort die Gebeine von 3.200 Menschen ‒ von Kriegsgefangenen wie von Zivilisten. Letztere waren nach Auskunft der Suchmannschaft häufig lebendig begraben worden.

Auch in diesem Sommer fanden die Aktivisten der Suchaktion „Ohne Verjährungsfrist“ („Без срока давности„) die Überreste Dutzender Ermordeter, darunter auch von Kindern. Den Ausklang der diesjährigen Suchkampagne nutzte der Gouverneur des Gebiets Kursk, Alexander Chinstein, für einen Besuch an der Ausgrabungsstätte.

Auf seinem Telegram-Kanal schildert Chinstein die Spuren eines besonders grausamen Verbrechens der deutschen Besatzer und ihrer Helfershelfer: „Was wir gesehen haben, lässt das Herz zusammenziehen und einen Kloß im Hals entstehen. In jedem ‚Grab‘ liegen die Überreste von Kindern, Frauen und alten Menschen übereinander. Gerade heute wurde ein Skelett entdeckt, in dessen Händen, Füßen und im Beckenbereich Nägel in Form von Klammern steckten. Ein Schädel wies eine durchschlagende Schusswunde auf.“

Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti zitiert Erläuterungen einer Expertin des Suchteams zu dem Fund. Demnach zeigen die Nägel an den Händen und Füßen des Skeletts sowie die Metallhaken im Hüftbereich, dass das Opfer daran zu Folterzwecken aufgehängt werden sollte. Die Identität des Opfers steht nicht fest. Anhand der Knochenfunde weiß man lediglich, dass es sich um ein Mädchen im Teenageralter handelte.

Unter den an diesem Tag gefundenen 83 menschlichen Überresten waren 59 Gebeine von Kindern, darunter auch kleinere Kinder im Kindergartenalter. Auch die Ausgräber sind häufig Kinder und Jugendliche, die mit ihren Eltern und älteren Geschwistern an der Suchaktion teilnehmen. So wird die Erinnerung an den deutschen Völkermord an den Sowjetbürgern im Bewusstsein des russischen Volkes lebendig gehalten.

Die Suche wird im kommenden Jahr fortgesetzt. Denn noch werden im Erdreich des Snamenskaja-Hains weitere Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft im Kursker Gebiet vermutet. An die ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen und Zivilisten wird künftig ein Gedenkstein erinnern.

In den Jahren zuvor hatte bereits der damalige Gouverneur Roman Starowoit seinem Entsetzen über das Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen in seiner Region Ausdruck verliehen. Laut Без срока давности erklärte er während eines Besuchs im Jahr 2023, nachdem er von den Nägeln in den Gebeinen von Säuglingen erfahren hatte:

„Es fällt schwer, Worte zu finden, um zu beschreiben, was dort derzeit entdeckt wird. Das sind nicht einfach nur Gräueltaten, das haben irgendwelche Tiere begangen, entschuldigen Sie. Es wurden bereits mehr als 3.000 Leichen gefunden, die brutal erschossen und gefoltert wurden. Was wir dort derzeit sehen, lässt sich mit Worten nicht beschreiben.“

Für solche Verbrechen gebe es keine Verjährungsfrist. Man müsse sich zeitlebens daran erinnern, betonte Starowoit damals. An dieses Vermächtnis knüpft der jetzige Gouverneur Chinstein an.

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