Meinung: Bilgers billige Bahn-Boni-Nummer

Der neue Verkehrsminister will an die Erfolgsboni der Bahn-Vorstände ran. Wie schon sein Vorgänger. Das ist nicht falsch, doch nicht genug. Pünktlicher werden die Züge deshalb nicht 

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Der neue Verkehrsminister will an die Erfolgsboni der Bahn-Vorstände ran. Wie schon sein Vorgänger. Das ist nicht falsch, doch nicht genug. Pünktlicher werden die Züge deshalb nicht 

Deutschland hat einen neuen Verkehrsminister. Steffen Bilger heißt der. Und er will sich die Boni der DB-Vorstände vorknöpfen. Es müsse sich auf die Bonuszahlungen von Bahn-Managern auswirken, „wenn die Ziele, die der Bund vorgibt, nicht eingehalten werden“. Gut gebrüllt, Herr Minister – jetzt dürfte vielleicht auch beim Bahnkunden angekommen sein, dass es da einen neuen Verkehrsminister gibt. 

Und recht hat er, der Neue. Denn wie soll man Bahnfahrern und Steuerzahlern verständlich machen, dass Bahnvorstände Erfolgsprämien erhalten, während Züge Stunden zu spät kommen oder gar nicht fahren. Der Zustand der Bahn liefert wenig Anlass, das verantwortliche Management zu belohnen. Zuletzt kassierten die DB-Vorstände dennoch rund 2,5 Mio. Euro an kurz- und langfristiger flexibler Vergütung. 

Allerdings, Bilgers Vorstoß hat einen Haken. Denn die Vorstandsboni sind bereits an die Pünktlichkeit gekoppelt. Das Ziel allerdings liegt hier bei schlappen 60 Prozent für den Fernverkehr. Das ist zu unambitioniert, war aber gerade so machbar für die Bahn, die den Wert 2025 mit 0,1 Prozentpunkten übertraf. Für 2026 heißt es wieder: Wenn 60 Prozent aller ICE und IC nicht mehr als 6 Minuten über der Zeit einlaufen, ist den DB-Vorständen ihre Erfolgsprämie sicher. Weitere Kriterien für die Zusatzvergütung sind die Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, die Frauenquote, Ertragslage und der Anteil an erneuerbaren Energien am Bahnstrommix, jeweils ähnlich gewichtet. 

Wenn der Verkehrsminister jetzt also eine stärkere Kopplung der Vergütung des Bahnmanagements fordert, hat es selbst in der Hand: Er muss nur konkrete, ehrgeizigere Vorgaben setzen. Als Eigentümer könnte er beispielsweise vorschreiben, dass die Bahnboni ganz entfallen, wenn bestimmte Pünktlichkeitswerte unterschritten werden. Allerdings könnte diese Maßnahme auch nach hinten losgehen und die Bahn den Bund austricksen. Sie hätte einen Anreiz, mehr Züge ausfallen zu lassen oder Halte einzusparen, um ihre Pünktlichkeit nach oben zu treiben. 

Bahn-Chefin Palla will die Boni-Regeln auch ändern

Zugutehalten muss man der Bahn, dass sie selbst die Berechnung für ihre Erfolgsprämien ändern will. So hat Bahnchefin Evelyn Palla schon vor einiger Zeit angekündigt, dass künftig nur noch zwei Kennziffern relevant sein sollen: die Pünktlichkeit und das operative Ergebnis. Eine dritte Kennziffer werde es ausschließlich für die Spitzenkräfte der Infrastrukturgesellschaft InfraGo geben, wo zusätzlich der bauliche Zustand des Schienennetzes berücksichtigt werden soll.

Bilgers Job wäre es, dafür zu sorgen, dass im DB-Aufsichtsrat Vertreter des Bundes sitzen, die bei der nächsten Boni-Vergabe genauer hingucken und Pallas eigenen Plan zum Maßstab machen. Und nicht einfach durchwinken, was die Bahn sich wünscht, weil sie das schlechte Gewissen plagt. Denn letztlich tragen Bund und Verkehrsministerium Mitschuld an der miserablen Pünktlichkeit, weil sie die Schienen-Infrastruktur über Jahrzehnte vernachlässigt haben. 

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