Anhaltende Dürre: „Ich musste bereits 15 Kühe schlachten“

Die Dürre zwingt Landwirte im Südwesten zu drastischen Schritten: Weil das Futter knapp wird, müssen sie ihre Viehherden verkleinern. Anruf bei einem Landwirt, der schon erste Kühe geschlachtet hat

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Die Dürre zwingt Landwirte im Südwesten zu drastischen Schritten: Weil das Futter knapp wird, müssen sie ihre Viehherden verkleinern. Anruf bei einem Landwirt, der schon erste Kühe geschlachtet hat

Harald Gronbach führt einen Bauernhof im baden-württembergischen Crailsheim bei Schwäbisch-Hall. Zu seinem Betrieb zählten bisher 130 Milchkühe – für die nun das Futter knapp wird. 

Herr Gronbach, Sie betreiben einen landwirtschaftlichen Betrieb in Baden-Württemberg. Dort stiegen die Temperaturen in den vergangenen Wochen deutlich über 30 Grad Celsius. Wie kühlen sich Ihre Tiere ab?
HARALD GRONBACH: In den Ställen haben wir Ventilatoren und Kuhduschen installiert, so können sie die Hitze gut überstehen. Wir tun alles dafür, dass es unseren Tieren auch bei diesen Temperaturen gut geht.

Haben Sie genug Futter?
Nein. Meine Vorräte sind vollständig aufgebraucht. Deshalb muss ich jetzt vorsorgen, damit das Futter auch über den Winter reicht. Erst heute war ich bei einem anderen Landwirt und habe Mais gekauft, der jetzt ins Silo kommt und später als Futter für meine Kühe dient.

Was ist mit dem Mais auf Ihren Feldern, ist der vertrocknet?
Ja, aber das ist nicht das Hauptproblem. Zum einen haben wir zwar wirklich deutlich weniger Mais: Die Pflanzen sind kleiner, die Kolben nicht so groß und auch die Qualität ist schlechter. Das wirklich große Problem ist aber, dass es seit Juni kaum geregnet hat und deshalb kein Gras mehr wächst. Normalerweise hätten wir das Gras in diesem Jahr noch mindestens zweimal mähen können. Im Moment sieht es allerdings nicht danach aus, dass wir noch einmal mähen können.

Was bedeutet das für Ihre Tiere?
Ich musste bereits 15 meiner 130 Kühe schlachten. Das sind rund zehn Prozent meines Bestands.

Das sind außergewöhnlich viele Tiere für diese Jahreszeit.
Das stimmt. Wir mussten in diesem Jahr mehr Tiere als in den Vorjahren schlachten, weil sie bereits jetzt vom Winterfutter fressen. Dadurch bleibt weniger Futter für die anderen Kühe übrig. Gras haben wir ja keines mehr. Bei den geschlachteten Tieren handelte es sich um ältere Kühe, die durchaus noch zwei bis drei Jahre hätten leben können. Weitere Tiere möchte und kann ich jetzt nicht schlachten. Deshalb muss ich dafür sorgen, dass die Tiere, die noch auf dem Hof sind, diesen Sommer und den kommenden Winter überleben.

Wie sehr belastet Sie die aktuelle Situation? 
Sorge macht mir das schon. Aber irgendwann wird es auch wieder regnen. Ich bin jetzt 59 Jahre alt und habe als Betriebsleiter schon mehrere Trockenperioden erlebt, etwa 2003 und 2013. Damals war es vielleicht nicht ganz so warm und nicht ganz so lange trocken. Aber irgendwann hat es im Spätsommer oder Herbst wieder geregnet, das Gras ist nachgewachsen und wir konnten noch einmal mähen. Darauf hoffe ich auch diesmal.

Was, wenn es nicht bald regnet?
Irgendwann muss es regnen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich kaufe jetzt so viel Futter zu, dass ich meine Kühe auch ohne Regen durchfüttern kann. Regnet es doch noch, kann ich das Futter aufbewahren und habe einen Vorrat für das nächste Jahr. Kommt dann wieder eine Trockenperiode, hilft mir dieser.

In der Schweiz sind die Futterhändler schon völlig überfordert, Landwirte können nicht mehr genug Futter zukaufen und müssen noch mehr Tiere schlachten. Wie ist das bei Ihnen?
Bei uns gibt es Landwirte, die Körnermais anbauen und ihn normalerweise dreschen. Ich konnte einige von ihnen inzwischen davon überzeugen, mir den Mais stattdessen als Silomais zu verkaufen. Den kann ich dann aufbewahren und als Futter für meine Kühe verwenden. Dafür muss ich zwar einen höheren Preis bezahlen, und auch die Transportwege sind etwas länger. Aber letztlich ist mir das egal. Hauptsache, ich bekomme irgendwo genügend Futter, damit ich über den Winter komme.

Kommt Ihr Betrieb trotz der zusätzlichen Ausgaben für das Futter noch über die Runden?
Ja, das tun wir. Was aber schwierig ist: Ich kann jetzt keine Investitionen tätigen, die ich sonst gemacht hätte. Irgendwann brauche ich zum Beispiel einen neuen Futtermischwagen oder eine Grünlandmaschine für die Heu- und Silageernte. Mein Geld fließt im Moment aber vollständig in den Futterzukauf. Wird es in den nächsten ein bis zwei Jahren wieder so heiß, können wir als Bauernhof nur schwer überleben. Ein landwirtschaftlicher Betrieb muss laufend investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wenn sich solche Investitionen über mehrere Jahre aufstauen, kommen schnell große Summen zusammen, die irgendwann nicht mehr finanzierbar sind. Deshalb hoffe ich, dass diese Trockenheit eine Ausnahme bleibt und nicht jedes Jahr wiederkommt.

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