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In einem Bericht der FAZ am Sonntag wird ein deutscher Automanager, der anonym bleiben will, zitiert. Demnach hätten die Europäer keine Chance, mit den extrem niedrigen Kosten der Konkurrenten aus Fernost mitzuhalten. Es werde in Deutschland immer noch nicht verstanden, was die Chinesen in Wahrheit vorhätten, nämlich – angeblich – die Welt zu beherrschen, meint der Topmanager und fügt hinzu: „Die fressen uns zum Frühstück.“
Das hat neben den technologischen Entwicklungen der letzten Jahre – vor allem mit Blick auf E-Autos –, die die Europäer zum großen Teil verschlafen haben, besonders mit dem jüngsten Wirtschaftsgeschehen in Fernost zu tun. So ist im ersten Halbjahr der Automarkt in China, der größte der Welt, abrupt um 20 Prozent eingebrochen. Die deutschen Autobauer trifft das gleich doppelt: Einerseits gerät dadurch ihr ohnehin rückläufiges Geschäft mit E-Autos in China noch stärker unter Druck. Andererseits versuchen chinesische Autobauer wie BYD, SAIC, Geely und Leapmotor nun umso energischer, ihre Verkaufszahlen in Europa zu steigern, um die Einbußen daheim zumindest teilweise auszugleichen.
Nun schreit die deutsche Autoindustrie – wenig kreativ – nach Zöllen gegenüber den Mitbewerbern. Anfang August forderte VW-Chef Oliver Blume als einer der ersten Spitzenmanager der deutschen Autobranche die Politiker in Brüssel und Berlin auf, rasch für „faire Wettbewerbsbedingungen“ mit den Chinesen in Europa zu sorgen. Explizit nannte Blume importierte chinesische Plug-in-Hybridautos als Problem, die sich in Europa gut verkaufen – und die anders als batterieelektrische Autos aus China bisher von der EU nicht mit Sonderzöllen belegt worden sind. Ob man damit das Problem dauerhaft löst?
Denn die Chinesen sind viel schneller, als es den Europäern lieb ist. Das meistverkaufte Plug-in-Hybridauto in Europa ist derzeit ein BYD-Modell. Auch auf den beiden weiteren Plätzen folgen nach Zahlen des Marktforschers Dataforce chinesische Fahrzeuge. In Großbritannien verkauft Omoda-Jaecoo mehr Autos als Mercedes. Hinter der hierzulande bislang noch kaum bekannten Zwillingsmarke steht der chinesische Autoriese Chery.
Die Strategie seines Unternehmens sei sehr einfach, sagt Martin Resch, Deutschlandchef der chinesischen Marke Leapmotor, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Viel Auto für wenig Geld“. Moderne und zugleich preisgünstige E-Autos, das sei etwas, „was in Europa in den vergangenen Jahren vielen Kunden gefehlt hat“. Teilweise sind vergleichbare Modelle der Chinesen 25 bis 50 Prozent günstiger als die der Europäer.
Binnen eines Jahres hat sich der lange Zeit dahindümpelnde Marktanteil chinesischer Hersteller im europäischen Automarkt auf knapp 11 Prozent annähernd verdoppelt, bei vollelektrischen Autos erreichen sie bereits 16 Prozent. Damit expandieren sie viel schneller als in früheren Jahrzehnten Automarken aus Japan und Korea bei deren Marktstart in Europa.
China ist mittlerweile der größte Autobauer der Welt – das liegt insbesondere an den hohen staatlichen Subventionen, günstigen Energiepreisen und findigen Entwicklern – alles Aspekte, denen die Europäer und vor allem die Deutschen kaum noch etwas entgegenzusetzen haben. Volkswagen will weitere 50.000 Arbeitsplätze streichen, die Zukunft von vier großen deutschen VW-Werken steht auf der Kippe. Aber selbst ein solcher bislang beispielloser Kahlschlag würde womöglich nicht ausreichen, um das chinesische Niedrigpreis-Powerplay zu kontern. 50.000 Jobs weniger bei VW ‒ das reiche allenfalls, um Preissenkungen im niedrigen einstelligen Prozentbereich zu finanzieren, schätzt ein erfahrener Autoanalyst einer europäischen Großbank.
Zu erwarten ist, dass die EU schon bald weitere Handelshürden aufbaut, falls die Chinesen nicht zu freiwilligen Zugeständnissen bereit sein sollten. Seit 2024 gibt es bereits die Sonderzölle auf batterieelektrische E-Autos aus China. Nun könnten auch Plug-in-Hybridautos mit Sonderzöllen belegt werden, wie von VW-Chef Blume nahegelegt.
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