Kolumne: Neue Sorgenkinder bei Thyssenkrupp

Die Töchter des Industriekonzerns Thyssenkrupp schwanken zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Jüngstes Beispiel ist Nucera

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Die Töchter des Industriekonzerns Thyssenkrupp schwanken zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Jüngstes Beispiel ist Nucera

Nun also Nucera. Beim Börsengang im Juli 2023 galt die Tochter von Thyssenkrupp als großer Hoffnungsträger des Konzerns. Relativ klein, aber perfekt positioniert, um mit ihren Produkten die grüne Welle der Wasserstoffwirtschaft zu reiten. Doch die neuen Zahlen liefern ein Bild des Grauens: In den erstem Monaten des gegenwärtig laufenden Geschäftsjahrs brach der Umsatz mit grüner Wasserstofftechnik von 377 Mio. Euro im Vorjahr auf nur noch 80 Mio. Euro ein.

Die schlimme Lage zwingt das Unternehmen, sich aus einem Zukunftsgeschäftsfeld zu verabschieden: Nucera gibt seine Pläne für die Produktion von Hochtemperatur-Elektrolyseuren auf und schreibt 30 Mrd. Euro auf die sogenannte SOEC-Modul-Technik ab.

Nur wenige Thyssenkrupp-Sparten berappeln sich

Irgendwie bestätigt sich in diesen Wochen wieder einmal das eherne Gesetz des wackligen Traditionskonzerns: Irgendeine Sparte hinkt immer gefährlich hinterher, wenn sich andere Sparten gerade einmal berappeln. Momentan blickt man in Essen mit Wohlgefallen auf den U-Boot-Bauer TKMS, der zwar selbstständig an der Börse notiert ist, aber immer noch mehrheitlich in den Händen des Mutterkonzerns liegt. Dort laufen Auftragseingänge und Umsätze gerade prächtig.

Auch im Werkstoffhandel, der demnächst unter den Namen Accelis an die Börse geht, erwartet man deutlich höhere Umsätze und Gewinnmargen als noch vor einigen Monaten prognostiziert. Selbst das ewige Sorgenkind Stahl (TKSE) schlägt sich momentan etwas besser als letztes Jahr, vernichtet allerdings immer noch erhebliche Mengen an Kapital.

Stattdessen geht es aber nicht nur Nucera schlecht, sondern auch der Autosparte AT. Umsätze und Gewinne stagnieren dort auf niedrigem Niveau, die Marge lag zuletzt bei lausigen 1,9 Prozent und in den ersten neun Monaten dieses Geschäftsjahrs verharrte der operative Cashflow des wichtigen Bereichs trotz eines harten Sparregimes und sinkender Investitionen im Negativen.

Zusammengefasst muss man festhalten: Kein einziger Bereich des Konzerns mit der Ausnahme von TKMS schwimmt sich wirklich frei. Alle lasten mal schwächer, mal stärker auf den Finanzen des Konzerns. Deshalb kommt Thyssenkrupp-Chef Miguel López offenbar auch auf Lösungen, die man je nach Sichtweise als kreativ oder aber auch als höchst riskant bezeichnen kann.

Thyssenkrupp-Chef López sucht nach „kreativen“ Lösungen

Das „Handelsblatt“ enthüllte in der vergangenen Woche, die selbstständigen Töchter des Konzerns sollten sich künftig aus dem gemeinsamen großen Kreditpool verabschieden und bei den Banken ihre Vorräte und Forderungen verpfänden. Eine Konstruktion, die nicht nur zu höheren Zinsbelastungen führen dürfte, sondern im Krisenfall auch zu Liquiditätsengpässen.

Ein wenig erinnern solche (im Detail noch nicht bekannten oder gar bestätigten) Denkfiguren an den britisch-indischen Stahlmagnaten Sanjeev Gupta, der sein Imperium mit „Lieferkettenfinanzierungen“ hochgezogen hatte bis sein Freund Lex Greensill als Hauptfinancier des ganzen Konstrukts mit seiner gleichnamigen Bank Pleite anmelden musste. In Essen ist Gupta kein Unbekannter: Der Milliardär war kurz vor dem großen Kladderadatsch mit Greensill in Essen als Interessent für den Kauf der Stahlsparte aufgelaufen.

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