Arbeitslos und keine Ausbildung – Anzahl junger Erwachsener ohne Perspektive steigt

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Wie das Statistische Bundesamt gestern in einer Pressemitteilung bekannt gab, ist in Deutschland die Anzahl der sogenannten NEETs weiter gestiegen. Das Kürzel steht für „Not in Employment, Education or Training“ (Nicht in Ausbildung, Weiterbildung oder Beschäftigung). Demnach lag der Anteil der jungen Erwachsenen, die unter diese Rubrik fallen, in der Altersgruppe von 20 bis 24 Jahren bei 10 Prozent.

Damit befindet sich Deutschland zwar immer noch unter dem EU-weiten Durchschnitt von 12,9 Prozent im Jahr 2025. Der Anteil von jungen Erwachsenen ohne Beschäftigung, die sich auch nicht in einer Ausbildung oder einem Studium befinden, ist jedoch in der BRD seit 2022 weiter angestiegen. Damals lag er noch bei 8,8 Prozent.

Zum Vergleich: Die niedrigsten NEET-Quoten unter den EU-Staaten hatten im Vergleichsjahr 2025 die Niederlande (5,6 Prozent), Schweden (7,3 Prozent) und Tschechien (7,6 Prozent). Spitzenreiter waren dagegen Frankreich (16,2 Prozent), Bulgarien (17,3 Prozent) und Rumänien (22,8 Prozent).

Der Anteil junger Frauen ohne berufliche Perspektive oder eine Bildungsmaßnahme war 2025 mit 10,5 Prozent gegenüber der Quote junger Männer (9,6 Prozent) leicht erhöht. Diese Diskrepanz entspricht auch der EU-weiten NEET-Relation bezüglich der Geschlechter (13,2 Prozent bei den jungen Frauen, 12,5 Prozent bei den jungen Männern) und lässt sich womöglich mit Mutterpflichten erklären, die eine Berufstätigkeit oder Ausbildung erschweren.

Auffällig ist hingegen die Verteilung zwischen Stadt und Land. In Deutschland sind junge Stadtbewohner stärker vom NEET-Phänomen betroffen als junge Menschen auf dem flachen Land (10,6 Prozent gegenüber 7,9 Prozent). In der gesamten EU verhält es sich genau umgekehrt: Die ländlichen Gebiete wiesen eine NEET-Quote von 15,4 Prozent auf, die Städte nur von 11,5 Prozent.

Auch die Ursachen für die Beschäftigungslosigkeit der jungen Leute nimmt das Statistische Bundesamt in den Blick. Für Deutschland bezieht es sich dabei auf die Daten des Nationalen Bildungsberichts von 2024. Demnach war nur eine Minderheit von 25 Prozent arbeitssuchend. 66 Prozent der 20- bis 24-Jährigen standen hingegen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung und fielen unter die Rubrik der Nichterwerbspersonen. Der Rest stand kurz vor der Aufnahme einer Ausbildung oder eines Studiums oder hatte eine Arbeitsstelle in Aussicht.

Bei den nicht arbeitslos Gemeldeten spielten zu 20 Prozent Betreuungspflichten eine Rolle, also die Sorge für eigene Kinder oder die Pflege der Eltern. 18 Prozent waren aus gesundheitlichen Einschränkungen nicht in der Lage, eine Ausbildung aufzunehmen oder einen Beruf zu ergreifen. Bei 17 Prozent waren bildungsbezogene Gründe die Ursache, worunter das Statistische Bundesamt etwa das Warten auf einen Studienplatz versteht.

Arbeitsmarkt-Experten sind aufgrund der Entwicklung in der BRD besorgt. Die Deutsche Presse-Agentur zitiert Bettina Kohlrausch von der Hans-Böckler-Stiftung. Ihr zufolge zeigten die Daten, dass ein wachsender Teil von Jugendlichen beim Übergang von der Schule in die Ausbildung oder den Beruf scheitere.

Mit gravierenden Folgen für die Zukunft sowohl des Einzelnen als auch der Gesellschaft, erklärte Kohlrausch: „Für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen bedeutet dies eine unsichere Zukunftsperspektive und eine höchstwahrscheinlich sehr holprige Erwerbskarriere. Für den deutschen Arbeitsmarkt bedeutet es, dass wichtige Fachkräfte verloren gehen.“ Nötig sei eine Ausbildungsgarantie.

Auch Michaela Engelmeier, die Vorsitzende des Sozialverbands Deutschland, erkannte eine von der Politik verschuldete Schieflage: „Wenn jeder zehnte junge Mensch weder in Bildung, Ausbildung noch in Arbeit ist, läuft etwas schief“, meint die frühere SPD-Bundestagsabgeordnete. Anstatt in Jobcentern über Sanktionen mehr Druck auszuüben, gelte es, die Betroffenen besser zu beraten und zu qualifizieren.

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