Der Wirtschaftspodcast: Warum der Staat für die deutsche Wirtschaft immer wichtiger wird

Die Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft mehren sich. Doch bisher geben öffentliche Aufträge den Ton an, wie die Ökonomin Geraldine Dany-Knedlik erklärt

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Die Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft mehren sich. Doch bisher geben öffentliche Aufträge den Ton an, wie die Ökonomin Geraldine Dany-Knedlik erklärt

Die Erwartungen, was das Wachstum der deutschen Wirtschaft angeht, sind nicht eindeutig. Die Stimmung ist nach wie vor verhalten, und doch sagen einige Ökonomen inzwischen immerhin ein Wachstum von einem Prozent für dieses Jahr voraus. Was geschieht da?
GERALDINE DANY-KNEDLIK: Unsere Sommerprognose lag bei 0,5 Prozent für das laufende Jahr und bei 0,8 Prozent für das kommende. Ein wichtiger Grund war die Auseinandersetzung im Iran und die entsprechend hohen Öl- und Gaspreise. Jetzt sehen wir, dass es sich im ersten und zweiten Quartal etwas besser entwickelt hat als die meisten erwartet hatten.

Was sind die Gründe dafür?
Eventuell sind die Auswirkungen des Iran-Kriegs etwas milder ausgefallen als erwartet. Zum anderen haben wir eine neue Datengrundlage. Die Werte der Vergangenheit für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wurden noch einmal revidiert. Das bedeutet: Selbst wenn wir an unserer DIW-Hausprognose nichts ändern und nur die neuen Daten für die Vergangenheit einspeisen, landen wir schon bei ungefähr einem Prozent für dieses Jahr.

Aber auch was den Ausblick angeht, ändert sich ja etwas. Wir sehen steigende Auftragseingänge, mehr Baugenehmigungen und auch bessere Exporte. Steht dahinter schon ein Trend?
Wir müssen schauen, um welche Indikatoren es geht. Bei den Auftragseingängen sehen wir schon seit längerem einen Anstieg. Das kommt vor allem aus dem Inland, die Exporte bessern sich zwar, sind aber immer noch sehr schwach. Das lässt sich so interpretieren, dass dahinter Großaufträge für Rüstung stehen. Wir sehen noch keine stärkeren Ausrüstungsinvestitionen im privaten Sektor. Die klassische Industrie, also die Auto- oder Chemiebranche, ist nach wie vor in einer Schwächephase.

Manchen deutschen Unternehmen geht es ja gar nicht schlecht. Lässt sich das nach Sektoren bewerten?
Aus der Vogelperspektive sehen wir, dass das verarbeitende Gewerbe eher schlechter läuft. Wir sehen da aber eine Stabilisierung, also eine Bodenbildung. Da geht es um die klassischen Exportschlager: Metallverarbeitung, Chemie, Automobilindustrie, Maschinenbau. Was an Relevanz gewinnt, ist der öffentliche Sektor. Das sehen wir in den Wirtschaftszweigen, aber auch bei der Verwendung. Der öffentliche Konsum ist stark, und das wird auch zunehmen. Der private Teil bleibt eher schleppend.

Hören Sie in der neuen Folge von „Capital – der Wirtschaftspodcast“

  • Warum es so schwer ist, Aufträge für die Rüstungsindustrie zu beziffern
  • Ob der Staat auch private Investitionen anheizen kann
  • Wie stark sich die Dürre und das Niedrigwasser im Rhein auswirken

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