Rath checkt ein: Park Igls Medical Spa Resort: Mayr-Medizin statt Wellness-Hokuspokus

Longevity, Biohacking, gehypte Therapien: Die Wellness-Welt liebt große Versprechen. Das „Park Igls“ bei Innsbruck erlebt unser Kolumnist dagegen wohltuend unaufgeregt

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Longevity, Biohacking, gehypte Therapien: Die Wellness-Welt liebt große Versprechen. Das „Park Igls“ bei Innsbruck erlebt unser Kolumnist dagegen wohltuend unaufgeregt

Als ich auf der Terrasse meines Zimmers stehe und den Blick über die Tiroler Bergwelt schweifen lasse, rauscht irgendwo in der Ferne ein kleiner Wasserfall. Wenige Minuten zuvor hat mir der Page direkt an meinem Auto das Gepäck abgenommen und mich zu meinem Zimmer begleitet. Aufmerksam und mit jener Herzlichkeit, die man in Tirol geradezu erwartet – und dennoch jedes Mal aufs Neue zu schätzen weiß. 

Die Einrichtung der Zimmer im „Park Igls Medical Spa Resort“ ist angenehm reduziert: ein üppiger Flachbildschirm, ein großzügiges Marmorbad und viel Ruhe. Mehr brauche ich nicht. Eigentlich fühle ich mich ja durchaus rank und schlank, aber, nun ja, beim genauen Hingucken könnte es vielleicht das eine oder andere Kilo weniger sein. Daher bin ich gespannt, was dieses renommierte Haus für die nächsten Tage unter der Überschrift „Moderne Mayr-Medizin“ (basierend auf Konzepten des legendären Kurarztes Franz Xaver Mayr) mit mir vorhat. Schön wären echte Ergebnisse statt „Longevity“-Hokuspokus. Ich bin bereit!

Tiroler Charme mit Bergblick

Das „Park Igls“ liegt inmitten eines weitläufigen Parks oberhalb von Innsbruck, nur 15 Minuten von der Innenstadt entfernt. Viele Hotels mit medizinischem Anspruch behaupten gern, dass man Klinikatmosphäre bei ihnen vergeblich suchen würde. Doch hier wird diese Behauptung eingelöst: Statt karger Zweckmäßigkeit und Antiseptikum in der Luft erwartet mich ein luxuriöser Rückzugsort mit modernsten Anwendungen und Therapie-Angeboten. Die Gäste kommen ins Haus, um sich etwas Gutes zu tun. So wie ich. Besonders angenehm fällt mir auf, dass ich meine (Kranken-)Geschichte nur ein einziges Mal erzählen muss. Ob Ärzte, Therapeuten oder Personal Trainer – jeder weiß über meine gesundheitlichen Ziele und Bedürfnisse bestens Bescheid.

„Wir springen aus Prinzip nicht auf jeden fahrenden Zug auf“, sagt Dr. Peter Gartner in unserem Gespräch. Der Chefarzt lächelt dabei, als wisse er, wie arg mancher Konkurrent jedem Hype hinterherhechelt. Und vermutlich beschreibt sein Satz die Philosophie des Hauses besser als jede Marketingbroschüre. Seit 2012 leitet der gebürtige Oberösterreicher die medizinische Abteilung des „Park Igls“ und ist mit sichtbarer Freude an der Arbeit. Gartner nimmt sich Zeit und hört stets genau zu; er nimmt Medizin im besten Sinne persönlich.

„Zu uns kommt niemand allein wegen der Hardware, sondern wegen der Software“, fährt Gartner fort. Nicht wegen der geräumigen Zimmer, wegen des Bergblicks und der übrigen hochwertigen Ausstattung also. Der wichtigste Grund sind die Mitarbeiter des „Park Igls“ selbst. Sie machen, wie eigentlich immer, den USP eines Hotels aus.

Bewusstsein schaffen statt Verzicht

Bei dem Begriff „Mayr-Kur“ denke ich zunächst an Fasten, an Askese und eiserne Disziplin. Umso angenehmer überrascht es mich, dass sich der Aufenthalt im „Park Igls“ gar nicht so streng und entbehrungsreich gestaltet. Die moderne Version der traditionellen Mayr-Medizin verbindet gesunde Ernährung, viel Bewegung und fachkundige Diagnostik zu einem Konzept, das wie eine Einladung wirken soll, den eigenen Körper wieder ernster zu nehmen.

Dazu gehört auch etwas, das im Alltag die wenigsten konsequent hinbekommen: das langsame Essen. Sehr langsam sogar. Das Kauen wird zur reinsten Wissenschaft. Ich muss mich erst daran gewöhnen, jedem Bissen die Chance auf die Vorverdauung im Mund zu schenken. Ohne gehetzt zu schlingen, weil der nächste Termin bereits durch die Gedanken spukt. Doch nach wenigen Mahlzeiten begreife ich den Sinn: Wer bewusster, geruhsamer isst, kann seinem Körper konzentrierter zuhören.

Beim Mittag- und Abendessen denke ich übrigens erstaunlich selten an Diät. Ja, die Teller haben einen kleineren Durchmesser, dafür aber sind die Speisen darauf so schön angerichtet, geschmackvoll und hochwertig, dass Verzicht wie ein Missverständnis klingt. Die erste kleine Lektion meiner Reise lautet daher: Eine geringere Menge bedeutet nicht automatisch weniger Genuss.

Sport, Erholung, Wissenschaft

Zur Philosophie des Hauses – 1905 als Sanatorium eröffnet, seit 1993 Fokus auf Mayrs Ansatz – gehört die Kombination von altbewährten Heilmethoden und wissenschaftlichem State of the Art. Nach einer ausführlichen Anamnese und Untersuchung erhalte ich meinen Therapieplan, der Bewegung, Regeneration und weitere Diagnostik gleichermaßen berücksichtigt.

Dazu zählen das Zelltraining, eine Bioimpedanzmessung, Einheiten mit einem Personal Trainer sowie Heu- und Moorpackungen und eine anschließende Ganzkörpermassage. Was wie ein bunter Bauchladen klingt, folgt in Wahrheit einem wohldurchdachten, ganzheitlichen Ansatz. Im „Park Igls“ dient jede einzelne Therapie dem Menschen als Ganzes.

Als ich „Intervall-Hypoxie-Hyperoxie“-Therapie höre, stelle ich mir etwas Spektakuläres vor – à la Science-Fiction. Die Wirklichkeit ist zum Glück harmloser. Während ich auf der Liege entspanne, wechselt die Sauerstoffkonzentration der Atemluft in individuell abgestimmten Zeitabständen, quasi ein Höhentraining in aller Ruhe. Eine meditative Erfahrung. Auch das Bewegungsprogramm und die begleitende Diagnostik helfen dabei, mich meinem Körper wieder näherzubringen.

Neue Angebote werden im „Park Igls“ erst dann eingeführt, wenn ihre Wirksamkeit durch die Faktenlage bestätigt ist und wenn sie ins übrige Konzept passen. Diese Zurückhaltung schafft Vertrauen und ist der wahre Luxus in einem Haus, dem seine Gäste – auf Zeit – ihre Gesundheit anvertrauen.

Die vielleicht schönste Erkenntnis

Als ich das „Park Igls“ nach einigen Tagen verlasse, denke ich kaum mehr an Zelltraining, an Bitterwasser oder medizinische Daten. Viel präsenter bleiben mir die Menschen, die in diesem Hotel inmitten ruhiger Bergidylle arbeiten – und das mit so viel Sachkenntnis und Empathie.

Eine neue Wunderdiät oder den Schlüssel zu ewiger Jugend nehme ich aus Tirol nicht mit auf die Heimreise. Wohl aber die Erkenntnis, dass bessere Gesundheit viel Zeit braucht, und wir alle unserem Körper aufmerksamer zuhören sollten.

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