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Die Turbulenzen am US-Anleihemarkt schüren Ängste vor einer neuen Finanzkrise. Starinvestor Klaus Kaldemorgen erklärt, warum er das für „ziemlich weit hergeholt“ hält
Als Klaus Kaldemorgen neulich aus dem Urlaub zurückkam, war die Erholung schnell verflogen. Kaum schlug er zu Hause die Zeitung auf, sprang ihm die Frage entgegen, ob die Turbulenzen am US-Anleihemarkt eine neue Finanzkrise auslösen können. „Das schlug mir auf den Magen“, räumt der Starinvestor am Dienstag während eines Pressegesprächs der Fondsgesellschaft DWS ein.
Statt also den Urlaub nachhallen zu lassen, stürzte sich Kaldemorgen in die Analyse. Seine Ergebnisse teilte er am Dienstag während eines Pressegesprächs der Fondsgesellschaft DWS. „Eine Finanzkrise wird das Ganze nicht auslösen“, betonte er. Entsprechende Spekulationen über eine neue Finanzkrise seien „ziemlich weit hergeholt“.
Kaldemorgen ist einer der bekanntesten Investoren in Deutschland, war selbst DWS-Chef und hat einen konservativen Mischfonds unter seinem Namen aufgelegt. Dessen Fondsmanagement hat er inzwischen abgegeben, ist jedoch weiterhin als Kapitalmarktstratege für die Fondstochter der Deutschen Bank tätig.
Kaldemorgen sieht einen großen Unterschied zur Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende und macht dafür eine einfache Rechnung auf: Für die Gewinne der den Aktienmarkt dominierenden US-Unternehmen werde im laufenden Jahr ein Plus von 30 Prozent erwartet. Zugleich sei der Aktienmarkt aber nur um rund 15 Prozent gestiegen. „Steigende Zinsen haben den Kursanstieg bei Aktien gebremst“, betonte Kaldemorgen. „Der Bewertungsrückgang reflektiert die steigenden Zinsen.“
In den USA sind die Leitzinsen zwar konstant geblieben, die Marktzinsen jedoch angestiegen, unter anderem wegen des hohen Finanzierungsbedarfs für KI-Investitionen und steigenden Staatsschulden. Aktienkurse wiederum bilden die abdiskontierten künftigen Gewinne von Unternehmen ab. Je höher die Zinsen, desto weniger sind künftige Gewinne in heutiger Kaufkraft wert und desto niedriger sind die Aktienkurse.
Die wachsende Verschuldung für Investitionen in die Infrastruktur für Künstliche Intelligenz betrachtet Kaldemorgen durchaus mit Sorge. „Es kann zu Verwerfungen am Kapitalmarkt kommen“, sagte er. Doch selbst wenn einige der Kredite notleidend würden, so gebe es dann immer noch Unternehmen, die Geld verdienten. Allerdings könne es noch einige Jahre dauern, bis sich die entsprechenden Produktivitätsfortschritte zeigten.
Vollständige Entwarnung will der Kapitalmarktstratege aber nicht geben. Möglich sei ein „deutlicher Einbruch der Branche“, weil sich nicht alle Investitionen am Ende rechnen werden. Das werde jedoch keine Wirtschaftskrise auslösen – und schon gar nicht die Banken mitreißen. Diese hätten heute viel mehr Eigenkapital und seien rentabler als vor Beginn der globalen Finanzkrise vor rund 20 Jahren. Eigenkapital wirkt bei Banken als Puffer für Verluste.
Für die Geldanlage zieht Kaldemorgen daraus folgenden Schluss: Klumpenrisiken vermeiden und diversifizieren.
In dem nach dem Strategen benannten Fonds „Concept Kaldemorgen“ hat Christoph Schmidt das bereits umgesetzt. „Wir bieten ein Kontrastprogramm zu den großen Indizes“, sagt Schmidt, der seit Ende 2025 den rund 16 Mrd. Euro großen Fonds allein verwaltet. Zuvor waren er und Kaldemorgen Co-Manager. „KI spielt eine Rolle, aber reduziert“. Während in Indizes wie dem MSCI World der KI-Anteil rund 40 Prozent ausmache, sind es in dem DWS-Fonds nur etwas über 30 Prozent der Aktien. Insgesamt ist der Fonds zu 43 Prozent in Aktien investiert, die fünf größten Einzeltitel sind Microsoft, Axa, Amazon, Alphabet und Allianz.
„Wichtig ist es, im Depot ein Gegengewicht zu KI zu haben“, betonte Schmidt. Er investiert in defensive Sektoren wie Versorger und Gesundheitstitel sowie eher zyklische Branchen, darunter aktuell vor allem europäische Finanzwerte.
Bei Anleihen hält Schmidt sich allerdings von US-Staatsanleihen fern – auch um das Währungsrisiko zu senken. Stattdessen hält der Fonds in Euro denominierte Bonds von europäischen Staaten und Unternehmensanleihen, darunter einige Euro-Emissionen von US-Konzernen.