Newsletter Subscribe
Enter your email address below and subscribe to our newsletter

Die Senatsverwaltung für Inneres und Sport, unter der Leitung der SPD-Politikerin Iris Spranger, präsentierte dieser Tage die jüngste Digital-Innovation im politischen Berlin. So werde den Hauptstädtern nun ermöglicht, die „Gretchenfrage“ zu stellen – durch den „Start eines KI-gestützten Checks zu den Berliner Wahlen am 20. September 2026“, so die Senatsmitteilung. Die schwarz-rote Koalition erhofft sich davon, „die Widerstandsfähigkeit gegen Desinformation und digitale Einflussnahme“ im aktuellen Umfeld der Abgeordnetenhauswahl zu stärken.
Die Berliner Morgenpost präsentiert zur wahlkampfunterstützenden Maßnahme für verunsicherte Bürger Berlins das passende, vermeintlich exemplarische Fallbeispiel dafür, worum es der Hauptstadtpolitik bei der Entwicklung der senatseigenen KI inhaltlich geht:
„Das Bild zeigt eine Frau, die sympathisch lächelnd ein Schild hochhält. ‚Ich hab keinen Bock auf Islamisierung‘ steht darauf auf Berlinerisch. Darunter ein Artikel: Ein Wahlhelfer behauptet, Stimmen der AfD fälschlicherweise den Grünen zugesprochen zu haben. Zwei Inhalte, frisch öffentlich gepostet und tausendfach geteilt im Internet und in den sozialen Netzwerken. Und dabei kaum hinterfragt.“
Das Ziel laute nun, dass die Bürger hinsichtlich solcher Aussagen misstrauischer werden. Die „Gretchenfrage“-KI bietet daher einen Service für skeptische Mitbürger, in der Darstellung mit duzenden Formulierungen „auf Augenhöhe“:
„Gretchen hat KI-Spuren gefunden. Und jetzt? Entscheidend ist, wo die Spuren sitzen. Fünf Fragen, mit denen du das selbst siehst. Prüf beim Zuschauen einfach mit.“
Gretchen hat KI-Spuren gefunden. Und jetzt? Entscheidend ist, wo die Spuren sitzen.
Fünf Fragen, mit denen du das selbst siehst. Prüf beim Zuschauen einfach mit.#Gretchenfrage #Desinformation #Deepfake #Medienkompetenz #BerlinWählt2026 pic.twitter.com/phN2S65Sbi— Gretchen (@gretchen_ai_b) August 26, 2026
Die Bürger sollen nach der Wunschvorstellung der Innensenatorin und der für digitale Angelegenheiten zuständigen Senatsverwaltung für Wirtschaft ihre Wahlentscheidung bis zum 20. September „auf Grundlage verlässlicher Informationen treffen“ können. Kursierende „Desinformationen und gezielte Einflussnahme wollen genau diese unabhängige Meinungsbildung“ laut Senatsmitteilung „mit manipulierten Aussagen beeinflussen“.
Die Bürger erhalten damit die Chance, nun selbst über das Tool „Gretchen AI“ zu überprüfen, ob sie „Fake News, Deepfakes oder gar gesteuerten Desinformationen“ aufgesessen sind.
Auch die beste KI macht Fehler. Manchmal wird etwas übersehen, manchmal etwas falsch eingeordnet.
Deshalb zeigen wir dir immer die Quellen. Und die Entscheidung bleibt bei dir.#Gretchenfrage #KI #Transparenz #BerlinWählt2026 #Desinformation pic.twitter.com/zLXoVU26Rl— Gretchen (@gretchen_ai_b) August 26, 2026
Die KI soll laut den Programmierern des Senats „innerhalb von Sekunden bis Minuten einen Bericht über mögliche KI-Manipulation erstellen“, wie der rbb erläutert, um dann „bekannte Narrative von Fehlinformationen“ zu erkennen. Diese Informationen würden wiederum „aufbereitet und den Nutzerinnen und Nutzern zur Orientierung bereitgestellt“. „Gretchen AI“ spreche laut Senatsinformation allerdings „kein finales Urteil darüber aus, ob ein Posting richtig oder falsch sei“.
Gretchen sucht nach unsichtbaren Spuren von KI in Bildern und Videos und macht sie teilweise sichtbar.
Wichtig: Ein Fund ist ein Hinweis, kein Beweis. Ein Detektor findet Bearbeitung, nicht Wahrheit.#Gretchenfrage #Deepfake #KI #BerlinWählt2026 #Medienkompetenz pic.twitter.com/RpOmDCXgAv— Gretchen (@gretchen_ai_b) August 26, 2026
Der Landeswahlleiter Bröchler sieht laut Pressemitteilung „den Schutz vor Desinformation“ auch bei der Wahl in Berlin als immer wichtiger an: „Wir haben eine Dimension von Desinformationen, ganz besonders über Social Media, wogegen wir uns wappnen müssen und wo wir nicht erst abwarten wollen, bis ein solcher Schadensfall eintritt.“
Marcel Luthe, bis 2021 für die FDP Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin, kommentiert die KI-Wahlinnovation des Senats in einem Beitrag für die Berliner Zeitung kritisch:
„Betreutes Denken: Der Senat erklärt dem Souverän, was er zu glauben hat.“
Mehr zum Thema ‒ „Schreckliche Propaganda-Hetzportale“ – Berliner Grünen-Politiker attackiert Apollo News und Nius