Analyse: Das Warten auf Kevin Warshs Wanderkarte dauert an

Der neue Fed-Präsident Kevin Warsh betont in seiner Antrittsrede in Jackson Hole Inflationsgefahren, bleibt aber vage, was seine geldpolitische Strategie anlangt

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Der neue Fed-Präsident Kevin Warsh betont in seiner Antrittsrede in Jackson Hole Inflationsgefahren, bleibt aber vage, was seine geldpolitische Strategie anlangt

Für Politiker gilt gewöhnlich eine Schonfrist von 100 Tagen, in denen sie sich in ein neues Amt einarbeiten, die Probleme verstehen und Lösungen erarbeiten können. Diese berühmten 100 Tage hat in etwa auch der neue US-Notenbank-Präsident Kevin Warsh für sich beansprucht. Abgesehen von ein paar Allgemeinplätzen schwieg er bislang konsequent über Konjunktur und Inflation ebenso wie über die langfristige geldpolitische Strategie. 

Das alles zerrte an den Nerven von Investoren angesichts der hohen Inflationsrate und der Krise am US-Anleihemarkt, die von Finanzminister Scott Bessent noch angeheizt wurde. Dazu schwieg Warsh übrigens, auch wenn das für ihn die Geldpolitik verkompliziert.

Dass die langfristige Strategie von Arbeitsgruppen erst noch ausgearbeitet wird, ließen die Marktteilnehmer Warsh durchgehen, aber nicht sein Schweigen zur aktuellen wirtschaftlichen Lage. Dazu kam noch ein latentes Misstrauen gegen den neuen Mann, der von US-Präsident Donald Trump an die Spitze der Federal Reserve befördert wurde. Der Nachfolger von Jerome Powell wurde kritisch beäugt, ob er die von Trump in der Vergangenheit öffentlich geforderten drastischen Zinssenkungen umsetzen würde. 

Warsh hatte also etwas gut zu machen bei seiner Rede während des jährlichen Notenbank-Symposiums der regionalen Fed von Kansas City im Bergort Jackson Hole. Er nahm das an und betonte die gemeinsame Arbeit in der Fed und im Offenmarktausschuss, der über die Zinsen entscheidet. 

Stets sprach er in der Wir-Form und erinnerte an eine Wanderung mit dem früheren Fed-Präsidenten und Ökonomie-Nobelpreisträger Ben Bernanke durch die Berge von Jackson Hole. Das Signal ist klar: Warsh betrachtet sich nicht nur als Teil des Teams Fed, er stellt sich auch in deren Tradition.

„Das ist unser Job“

Vor allem sendete Warsh jenes Signal zur Lage der US-Konjunktur aus, auf dass die Kapitalmärkte gewartet haben. Angesichts eines rund laufenden Arbeitsmarktes sollte der Fokus der Fed nun auf dem Inflationsziel von zwei Prozent liegen. „Das ist unser Job, das ist unser Mandat“, sagte Warsh und klang dabei ein bisschen wie EZB-Präsidentin Christine Lagarde. 

Jetzt betonte er, die Inflationsdaten seien „besorgniserregend“ und wenn sich daran nichts ändere, so habe man „einiges zu tun“. Damit zeigt er sich offen für eine Zinserhöhung.

Der Geldmarkt bepreist die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Fed im September nun mit knapp 50 Prozent, vor Warshs Rede lag der Wert bei 38 Prozent. So ganz ist der Markt also noch nicht überzeugt, auch wenn die Rendite für die zinssensitive zweijährige US-Staatsanleihe um rund zehn Basispunkte auf 4,32 Prozent anzog. 

„Money matters“

Während die Märkte auf die Aussagen zur Inflation und zur Bedeutung des kurzen Endes der Zinskurve reagierten, blieb Warsh vage, was die Umgestaltung der Fed anlangt. Bemerkenswert war, dass er zunächst zweimal die Angebotsseite der Wirtschaft betonte, während die von den Notenbanken aktuell verwendeten Modelle stark auf die Nachfrageseite abstellen. Auch dürfte die Geldmenge wieder stärker in den Blickpunkt geraten, und zwar Zentralbankgeld wie das von Banken geschaffene Giralgeld. „Money matters“, sagte Warsh.

Der Fed-Chef hat also im Hinblick auf die kurzfristigen Markterwartungen etwas Druck aus dem Kessel gelassen, langfristige ausgerichtete konkrete Antworten blieb er allerdings schuldig. Hier werden die Märkte weiterhin eine Wanderkarte verlangen, die über die Berge von Jackson Hole hinausreicht.

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