Modehändler: Shein verschreckt Anleger beim Börsendebüt

Der Börsenstart von Shein ist missglückt. Anleger fürchten, dass neue Zollregeln das Geschäftsmodell des chinesischen Billigmodehändlers ins Wanken bringen – und es gibt noch weitere Probleme

Beitrag teilen

Der Börsenstart von Shein ist missglückt. Anleger fürchten, dass neue Zollregeln das Geschäftsmodell des chinesischen Billigmodehändlers ins Wanken bringen – und es gibt noch weitere Probleme

Der lang erwartete Börsengang des Online-Modehändlers Shein in Hongkong ist für Anleger mit einem Dämpfer gestartet. Die Aktie des für extrem günstige Kleidung bekannten Konzerns fiel am ersten Handelstag am Dienstag zeitweise um bis zu zehn Prozent unter ihren Ausgabepreis und tendierte später noch vier Prozent im Minus. 

Investoren zeigten sich besorgt, dass das Geschäftsmodell durch neue Zoll- und Abgabenregelungen in den USA und Europa ausgehöhlt wird. Diese untergraben den bisherigen Wettbewerbsvorteil des Direktversands von Billigware an die Kunden. Die Bewertung des Unternehmens mit Sitz in Singapur liegt mit rund 25 Milliarden Dollar nur noch bei einem Bruchteil des Höchststandes von fast 100 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2022.

Neue EU-Regeln belasten Shein

Die Skepsis der Anleger spiegelte sich bereits in der verhaltenen Nachfrage nach den Aktien wider, die mit 48,56 Hongkong-Dollar lediglich in der Mitte der Preisspanne zugeteilt worden waren. „Ich denke, das schwache Debüt zeigt, dass Anleger Shein selbst nach dem massiven Bewertungsabschlag nicht als offensichtlich günstig ansehen“, kommentierte Charu Chanana, Anlagestrategin bei Saxo. Mit dem 15-fachen des erwarteten Gewinns sei die Aktie mehr als doppelt so hoch bewertet wie die des Konkurrenten Temu. 

Die neuen EU-Regeln zeigen bereits Wirkung: Einem Analysten zufolge sind die täglich aktiven Nutzer in Europa um rund 45 Prozent eingebrochen. „Dies ist weniger ein Shein-Problem, sondern eher das Ende einer Ära für den billigen grenzüberschreitenden Versand“, erklärte Josh Gilbert von eToro.

Shein, das im ersten Quartal ins Minus gerutscht war, versucht, gegenzusteuern. Der Konzern weitet seine Plattform zu einem Marktplatz für Drittanbieter aus und kaufte zuletzt die US-Modemarke Everlane. Dennoch bleiben Risiken. So laufen Untersuchungen der US-Handelskommission FTC und der EU-Kommission wegen Verbraucherschutzfragen und dem Umgang mit illegalen Produkten. Wegen der genauen Prüfung seiner Geschäftspraktiken, etwa bei Arbeitsbedingungen und Nachhaltigkeit, waren Börsengänge in New York und London zuvor gescheitert.

Beitrag teilen

Neue Beiträge und
Informationen direkt
per E-Mail erhalten.