Hohe Spritpreise: Warum Diesel teurer bleibt als Benzin

Diesel wird immer teurer: Autofahrer, Landwirte und Logistiker ächzen unter steigenden Treibstoffpreisen. Der Grund liegt dabei nicht im Nahen Osten, sondern in einer ganz anderen Weltregion

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Diesel wird immer teurer: Autofahrer, Landwirte und Logistiker ächzen unter steigenden Treibstoffpreisen. Der Grund liegt dabei nicht im Nahen Osten, sondern in einer ganz anderen Weltregion

Es ist ein eher ungewohntes Bild für deutsche Autofahrer: Seit Wochen liegen die Preise für Diesel an den Tankstellen über denen für Benzin, und das zum Teil deutlich. Nach Angaben des Portals clevertanken.de kostete der Liter Diesel Anfang September im bundesweiten Schnitt 2,23, ein Liter Super E10 2,18. In einzelnen Städten war der Abstand sogar noch größer, und ein Ende ist aktuell kaum absehbar. Dabei wird Diesel seit je her deutlich niedriger besteuert als Benzin.

Für Deutschland, das nach dem Niedrigwasser im Rhein und einem Sommer mit ohnehin hohen Treibstoffkosten ein Problem auf den Transporttrassen hat, kommt damit ein weiterer preistreibender Faktor hinzu. Landwirte ächzen unter hohen Kosten für ihre Traktoren, Logistikunternehmen müssen mehr für den Sprit ihrer Lastwagen aufbringen.

Diesel: „Auf dem höchsten Stand seit 15 Jahren“

Aber wie kommt es zu dem Preisgefälle? Zunächst einmal gilt: Beide Treibstoffvarianten haben in den vergangenen Monaten einen deutlichen Preisanstieg erlebt. Der andauernde Krieg zwischen den USA und dem Iran und die Sperren der Straße von Hormus treiben den globalen Ölpreis. Hinzu kommt allerdings, dass die Raffinerien für Diesel am Anschlag arbeiten und daher sehr hohe Preise durchsetzen. „Die Margen in der europäischen Dieselraffinerie sind auf den höchsten Stand seit mindestens 15 Jahren gestiegen“, heißt es in einer aktuellen Analyse der Energieexperten von S&P Global.

Der Grund liegt dabei nicht im Nahen Osten, sondern in einer ganz anderen Weltregion. Da die Ukraine immer konsequenter die russischen Raffinerien attackiert, hat das Regime von Wladimir Putin Anfang Juli ein Exportverbot für Diesel verfügt – das zunächst einmal bis Ende September verlängert wurde. Die Folge ist ein starker Mangel des Treibstoffs auf den Weltmärkten. „Die Dieselexporte aus Russland, dem Nahen Osten und Asien lagen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,3 Millionen Barrel niedriger, was etwa 20 Prozent des weltweiten Seehandels entspricht“, so rechnet es die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem Ölmarktbericht für den August vor.

Angespannter Weltmarkt

Das aber bedeutet: Auch Länder, die – wie Deutschland – selbst gar keinen Treibstoff aus Russland importieren, leiden unter höheren Preisen, da insgesamt einfach weniger Diesel verfügbar ist. „Russische Exportbeschränkungen und drohende Wartungsarbeiten in US-Raffinerien belasten den ohnehin schon angespannten Weltmarkt“, heißt es bei S&P Global.

Russland ist einer der weltweit wichtigsten Exporteure von Diesel-Produkten und belieferte seit dem Einfuhrstopp der Europäer vorwiegend China und die Türkei. Nun müssen diese Länder ihre Nachfrage andernorts decken. Für den heimischen Markt kommt noch ein besonders ungünstiger Umstand hinzu: Während Benzin in deutschen Raffinerien in solchen Mengen verarbeitet wird, dass das Land in normalen Zeiten einen Teil des Treibstoffs exportiert, ist es beim Diesel umgekehrt: Deutschland ist Importeur und hängt daher stark von der Lage in den Raffinerien anderer Länder ab.

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