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Ein Meinungsbeitrag von Wolfgang Bittner.
Russland soll – koste es, was es wolle – besiegt werden. Die Berliner Regierung will die Ukraine in ihrem Krieg auf Kosten der eigenen Bevölkerung weiter mit Waffen und Geld unterstützen, „solange es nötig ist“.[1] Fraglich, wie lange das noch gut geht. Gerade in dieser Vorkriegssituation bestünde die Chance, sich aus der Vasallenschaft sowie der militärischen und kulturellen Umklammerung der USA zu lösen und zu den eigenen kulturellen Wurzeln zurückzufinden. An erster Stelle sollte dabei die Herstellung von Souveränität und Neutralität Deutschlands stehen, wodurch sich viele der gegenwärtigen Probleme lösen ließen. Dass es dafür eines grundlegenden Politikwechsels bedarf, steht außer Frage.
Hinsichtlich des Ukraine-Kriegs wird immer deutlicher, dass es sich nicht nur um einen Konflikt zwischen dem Kollektiven Westen und dem Globalen Süden einschließlich Russlands handelt, sondern im weitesten Sinne auch um eine Auseinandersetzung zwischen zwei Kulturkreisen: der in die Dekadenz abgleitenden US-amerikanisch dominierten westlichen Kultur und einer historisch gewachsenen konservativen europäisch Kultur.
Das im Krieg befindliche Russland mag zwar nicht das Vorzeigeland für Bürgerrechte sein, und in den USA gibt es natürlich nicht nur minderwertige Unterhaltung; aber ausgehend von der Überzeugung, dass Kultur die Grundlage einer Gesellschaft ist, kommt dem Kulturimperialismus der USA eine wesentliche Bedeutung zu. Es ist nicht zu übersehen, dass sie sich mit Hollywood und Disneyland neben ihrem militärischen Vorgehen den Einfluss auf Milliarden Menschen geschaffen haben.
Es scheint so, dass in Russland, dem größten Land Europas, trotz der Aggressions- und Kriegspolitik des Westens und trotz vieler Probleme versucht wird, eine europäische Kultur der Bewusstheit, Spiritualität und Humanität zu bewahren,[2] wie immer man dazu stehen mag. Darauf deutet eine Äußerung des russischen Präsidenten Wladimir Putin hin. Bei einem Treffen mit Kulturschaffenden im März 2024 sagte er: „Dort, in der europäischen Kultur, gibt es heute viel Gutes, aber auch viele Probleme. So haben wir die einmalige Gelegenheit zu sehen, was in der postindustriellen Gesellschaft und in der Welt geschieht, und angemessen sowie rechtzeitig darauf zu reagieren.“[3]
Eine neue Phase der Eskalation
Was sich an Hass und Hetze gegen Russland abspielt und von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung hingenommen und von Teilen der Gesellschaft sogar mitgetragen wird, ist ungeheuerlich. Es werden immer mehr völkerrechtswidrige Sanktionen verhängt, Wirtschaftsverbindungen abgebrochen und Importe verboten, vielerorts wird die russische Literatur, Kunst und Musik geradezu geächtet, und es ist kein Ende dieser zerstörerischen Politik abzusehen.
Eine neue Phase der Eskalation hat Anfang September 2026 die Regierung Merz eingeleitet. Obwohl es keine gerichtsfesten Beweise für einen russischen Anschlag gab, lässt sie aufgrund von Drohnenfunden auf dem Leipziger Flughafen das letzte russische Generalkonsulat in Bonn sowie das Russische Haus, ein Kulturzentrum, in Berlin schließen. Präsident Wladimir Putin bezeichnete die Maßnahmen als innenpolitisches Manöver und einen „schweren Fehler“, der ernste Folgen habe werde.[4)
Die meinungsbildenden Medien berichteten regierungskonform über diesen tiefgreifenden Einschnitt in den deutsch-russischen Beziehungen, mit dem die Regierung Merz in unverantwortlicher Weise die seit mehr als einem Jahrhundert betriebene angloamerikanische Langzeitstrategie exekutiert. Deutschland und Russland sollen bis in alle Ewigkeit voneinander getrennt bleiben.[5]
Unter diesen Bedingungen wird es schwierig sein, mit Russland in absehbarer Zeit zu einem vertrauensvollen Miteinander zurückzufinden, was aber erforderlich wäre, um die desaströsen Verhältnisse zu überwinden, wirtschaftlich wieder zu gesunden und die europäische Kultur vor den destruktiven, politisch zu bewertenden US-amerikanischen Einflüssen zu bewahren.
Frieden mit Russland
Wie könnten Deutschland und Europa dastehen, wenn die vielfältigen Verbindungen zu Russland nicht unterbrochen worden wären. Gerade für Deutschland hatten sich mit Russland für beide Seiten besonders vorteilhafte wirtschaftliche Beziehungen entwickelt. Daran gälte es wieder anzuknüpfen, und zwar solange Wladimir Putin noch Präsident ist. Er hat bekanntlich eine deutschfreundliche Einstellung und trotz der massiven persönlichen Anfeindungen bis in die jüngere Zeit mehrmals ein freundliches Miteinander angeboten.
Zur Herbeiführung einer auf Frieden und Wohlstand für die Bevölkerung bedachten Zukunftsperspektive bedürfte es nicht nur des seit langem überfälligen Politikwechsels, sondern darüber hinaus einer grundlegenden wirtschafts- und kulturpolitischen Neuorientierung. Dabei kann es nicht darum gehen, die transatlantischen Beziehungen aufzugeben. Vielmehr müsste sich ein neutrales Deutschland sowohl nach Übersee als auch nach Osten offenhalten. Zudem gälte es, die von der Regierung Trump beibehaltenen diplomatischen Verbindungen zu Russland sowie die zentrifugalen Tendenzen in der EU zu nutzen, solange dieses Fenster noch offen steht, um die Anmaßungen der Vertragsorganisation EU zu beenden und zu einem Europa souveräner Staaten, dem sogenannten Europa der Vaterländer, zurückzukehren, ohne dabei die Kooperation untereinander in Frage zu stellen.
Anstatt diesen Weg der Vernunft zu gehen, wurde Deutschland von der Berliner Regierung unter Angela Merkel, Olaf Scholz und Friedrich Merz an den Rand des Abgrunds geführt. Was sich an Volksverhetzung und Kriegshetze abspielt, zeigen Äußerungen führender Politiker und Politikerinnen: Außenminister Johann Wadephul erklärte, Russland werde immer unser Feind sein.
Verteidigungsminister Boris Pistorius will Deutschland „kriegstüchtig“ sehen. Der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter, Mitglied des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag, ist der Ansicht: „Wir müssen den Krieg nach Russland tragen.“ Ex-Außenministerin Annalena Baerbock sagte: „Wir müssen Russland ruinieren.“ Kanzler Friedrich Merz hält den russischen Präsidenten Wladimir Putin für den „vielleicht größten Kriegsverbrecher unserer Zeit“. Unfähige, ideologisierte Politiker führen das große Wort und gefährden die Zukunft des eigenen Landes. Wie können russische Politiker unter diesen Umständen überhaupt noch mit deutschen Politikern sprechen?
Wie es weitergeht, ist derzeit nicht vorhersehbar. Aber es sieht nicht gut aus, es wird sogar immer noch schlimmer. International ist eine zunehmende Missachtung des Völkerrechts und der Integrität anderer Staaten festzustellen; national befindet sich Deutschland in einer Vorkriegszeit unter Kuratel einer fremdgesteuerten, die Interessen der eigenen Bevölkerung missachtenden Regierung. Um aber dem Abgleiten in den wirtschaftlichen und kulturellen Ruin zu begegnen, bedürfte es einer starken und bewussten Zivilgesellschaft. Eine paradoxe Konstellation, denn die amtierende Regierung unterdrückt mit Hilfe der Justiz und der Europäischen Kommission alles, was sie „Delegitimierung des Staates“ oder „Propaganda für Russland“ nennt.
Daher bleibt denjenigen, die für Frieden und gegen einen Krieg mit Russland eintreten, als einzige Chance, die Aufklärung der Bevölkerung über die Ursachen und Hintergründe der existenzgefährdenden politischen Situation trotz aller Widerstände voranzubringen. Der Kreis von vernünftigen Menschen mit politischem Durchblick wächst von Tag zu Tag, und das gibt Hoffnung in dieser finsteren Zeit.
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Bildquelle: photoibo / shutterstock
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Der Schriftsteller und Publizist Dr. jur. Wolfgang Bittner lebt in Göttingen. Zuletzt erschien im Verlag Hintergrund sein Buch „Geopolitik im Überblick. Deutschland-USA-EU-Russland“, Berlin 2025. Vorstehender Text enthält Passagen eines Vortrags, den Wolfgang Bittner am 6. Juni 2026 in Göttingen gehalten hat: www.youtube.com/watch?v=kOXGkBC88jk
Quellen:
1 Vgl. https://www.dbwv.de/aktuelle-themen/blickpunkt/beitrag/scholz-kuendigt-weitere-waffenlieferungen-an-ukraine-an; sowie https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw51-de-regierungsbefragung-1127308
2 Dazu Wolfgang Bittner: „Niemand soll hungern, ohne zu frieren“, Verlag zeitgeist, Höhr-Grenzhausen 2024, S. 139-148.
4 Vgl. https://www.tagesschau.de/ausland/asien/putin-ukraine-deutschland-100.html
5 Dazu George Friedman: https://www.youtube.com/watch?v=vln_ApfoFgw (1.9.2026).