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Nach heftigem Gezerre haben sich die mächtigen Lager im VW-Konzern auf ein Sparpaket geeinigt: 50.000 Stellen werden abgebaut – auch im Management. Details werden erst in den nächsten Monaten ausgearbeitet
Vorstand, Aufsichtsrat und Betriebsrat haben sich zusammengerauft und den Weg für ein Sanierungspaket frei gemacht: Europas größter Autobauer Volkswagen wird weitgehend umgebaut. Nach wochenlangem Ringen hat sich der Aufsichtsrat einstimmig für ein Sanierungskonzept ausgesprochen, mit dem der Vorstand um Konzernchef Oliver Blume die Rendite bis 2030 auf neun Prozent erhöhen will.
Dabei werden rund 50.000 Arbeitsplätze wegfallen, die Zahl der Modelle wird zusammengestrichen und das Beteiligungsportfolio verschlankt. Blume sprach am Donnerstagabend von einem „starken Signal für die Zukunft des Volkswagen Konzerns“. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sagte, der Aufsichtsrat sei überzeugt davon, dass mit der Umsetzung des Sanierungsplans die dauerhafte Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit von Volkswagen gesichert werde.
Die Entscheidung des Aufsichtsrats zeige, dass auch bei tiefgreifenden Veränderungen gemeinsam getragene Lösung möglich seien, sagte Pötsch. „Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt“, sagte Volkswagen-Großaktionär Wolfgang Porsche. Betriebsratschefin Daniela Cavallo erklärte, der Zukunftsplan sei eine Notwendigkeit, um den Konzern erfolgreich ins nächste Jahrzehnt zu führen, ohne dass die damit verbundenen Vorhaben einseitig auf Kosten der Beschäftigten gingen. Volkswagen wahre die Gleichrangigkeit von Beschäftigungssicherung und Wirtschaftlichkeit als gemeinsame Unternehmensziele.
In einer gemeinsamen Erklärung sagten IG-Metall-Chefin Christiane Benner und Cavallo, dass der Konfrontationskurs und die Kommunikation des Vorstands in den vergangenen Wochen nicht zielführend gewesen sei und zu Verunsicherung in der Belegschaft geführt habe. „Eine Ausgliederung der Kernmarke Volkswagen Pkw und der VW-Komponente ist vom Tisch, der Angriff auf die Mitbestimmungsstrukturen damit erfolgreich abgewehrt“, betonten sie. Zudem werde kein Werk aufgegeben, eine Werksschließung sei nicht besiegelt. „Vielmehr müssen jetzt für alle Standorte konkrete Lösungen erarbeitet werden – dabei sehen wir weiterhin ausdrücklich den Vorstand in der Pflicht.“ Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies erklärte, hier sei auch die Politik am Zug. „Es braucht wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und eine Handelspolitik, die unseren Industriestandort in einem zunehmend harten Wettbewerb stärkt.“
In dem Paket ist nach VW-Angaben festgehalten, dass bis Ende Juni 2027 ein Konzept für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Produktionsstruktur entwickelt wird. Der Aufsichtsrat habe zur Kenntnis genommen, dass Überkapazitäten von 500.000 Fahrzeugen in Europa bestünden und für die Werke Emden, Zwickau, Neckarsulm und Hannover derzeit keine wettbewerbsfähige Folgebelegung ab den Jahren 2031 bis 2034 gewährleistet werden könne. „Für diese Werke werden parallel und ergänzend alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft“, hieß es.
Einem Insider zufolge gingen dem Durchbruch intensive Verhandlungen voraus. Das Land Niedersachsen habe in den Gesprächen vermittelt. Am Mittwochabend habe der Vorstand zunächst über ein Sanierungspaket verhandelt, das mit Niedersachsen zusammen ausgehandelt worden sei. Anschließend seien Benner und Cavallo dazugeholt worden, es sei bis zum Morgen verhandelt worden. Am Donnerstag habe zunächst das Präsidium des Aufsichtsrats getagt, Pötsch habe schließlich die eigentlich für Freitag geplante Aufsichtsratssitzung vorgezogen. In der Sache sei der Sanierungsplan sehr nah an dem, was der Vorstand gefordert habe, sagte der Insider. Im Vorfeld hatten mit der Sache vertraute Personen darauf verwiesen, dass bei einem Scheitern des Pakets eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen werden könnte.
In der vorgezogenen Aufsichtsratssitzung einigte sich das Kontrollgremium zudem auf die Besetzung einer lange vakanten Schlüsselposition: zum 1. Oktober wird Erika Rasch in den Konzernvorstand berufen und die Verantwortung für das Personalressort übernehmen. Sie wird damit auch die Position der Arbeitsdirektorin übernehmen.
Der Posten des Personalvorstands bei Volkswagen ist seit dem Ausscheiden von Gunnar Kilian im Juli 2025 unbesetzt. Damals hatte sich der Konzern überraschend mit sofortiger Wirkung von Kilian getrennt, der während seiner Amtszeit maßgeblich den Abbau von zehntausenden Arbeitsplätzen verantwortete. Seither hatte Thomas Schäfer diese Aufgabe kommissarisch inne. Rasch kommt von der Robert Bosch Gruppe, wo sie zuletzt weltweit für den Bereich Human Resources (HR) verantwortlich war. Rasch wird damit den Umbau des Konzerns mit Stellenstreichungen orchestrieren müssen.