Bedrohungen nach Stade-Mord: Niedersächsischer Migrationsbeauftragter tritt zurück

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Der Sozialdemokrat Deniz Kurku zieht sich vom Amt des Niedersächsischen Landesbeauftragten für Migration und Teilhabe zurück. Den Amtsverzicht des 44‑jährigen Delmenhorsters gab heute die Niedersächsische Staatskanzlei auf ihrer Homepage bekannt. Kurku hatte die Position des Niedersächsischen Migrationsbeauftragten seit November 2022 bekleidet.

Als Begründung für diesen Schritt nannte Kurku „massive Anfeindungen und Drohungen“ gegen seine Person, die ihm eine angemessene Amtsausübung unmöglich gemacht hätten. Der SPD-Landtagsabgeordnete beklagte auch die Verbreitung von Falschbehauptungen über ihn in den sozialen Medien und Teilen der öffentlichen Berichterstattung.

Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies stellte sich hinter seinen Parteikollegen und bedankte sich bei Kurku für die langjährige engagierte Betreuung von Migranten, Heimatvertriebenen und Spätaussiedlern. Es verdiene Anerkennung, dass Kurku sein Ehrenamt jetzt aufgebe, um das Amt vor Schaden zu bewahren.

Zugleich übte Lies Kritik am Umgang mit Kurku: „Die herabwürdigenden Kommentare, die Verbreitung von Verschwörungsspekulationen, die Anfeindungen bis zu Morddrohungen gegen Deniz Kurku“ seien „völlig inakzeptabel“. Der Ministerpräsident verurteilte ein solches Verhalten in aller Schärfe: „Wenn Hass und Hetze dazu führen, dass engagierte Menschen ihr Ehrenamt niederlegen, ist eine Grenze überschritten.“ Zur Stärkung der Demokratie gehöre es, Menschen im Ehrenamt zu unterstützen, anstatt sie persönlich anzugreifen.

Deniz Kurku war nach dem Sechsfachmord von Stade ins Blickfeld einer weiteren Öffentlichkeit gerückt. Am 29. Juni 2026 hatte dort ein türkischer Vater, dem wegen Gewaltverdachts das Sorgerecht für seine Tochter entzogen worden war, in einer Mutter-Kind-Einrichtung ein Blutbad angerichtet. Sechs Mitarbeiter von Jugendhilfe und Jugendamt kamen dabei durch Schüsse ums Leben. Der des Mordes verdächtigte Fatih G. konnte wenig später festgenommen werden. Er starb am 21. Juli in Untersuchungshaft. Die Behörden gehen von Suizid aus.

Den Fluchtwagen des mutmaßlichen Täters soll am Tattag Sylvia S., Kurkus Schwiegermutter, gefahren haben. Sie ist zugleich die Patentante des Kindes, um das sich der Sorgerechtsstreit drehte, und soll sich in dem Rechtsstreit zugunsten des Vaters eingesetzt haben. Auch war in der Presse davon die Rede, dass die mutmaßliche Fluchtwagenfahrerin bei einem Integrationsverein in Bremen tätig sei. Gegen Sylvia S. ermitteln die Behörden, sie befindet sich derzeit auf freiem Fuß. Umstritten ist, ob Fatih G. die Patentante seines Kindes mit der Schusswaffe bedroht und dadurch zur Fluchtbeihilfe gezwungen hat.

In den Medien war in den darauffolgenden Wochen darüber spekuliert worden, ob auch Kurku zum Bekanntenkreis des mutmaßlichen Täters gezählt habe und in dem Sorgerechtsstreit involviert gewesen sein könnte. Entsprechende Berichte wies Kurku jedoch stets zurück. Über seinen Anwalt erklärte er, er habe weder zum mutmaßlichen Täter noch zur Mutter des Kindes jemals Kontakt gehabt.

Erneut ins Blickfeld der Presse geriet Kurku, als gestern im Niedersächsischen Landtag der Innenausschuss zum Mordfall Stade tagte. Der SPD-Abgeordnete hat einen Sitz im Innenausschuss, blieb aber am Donnerstag der Sitzung auf eigenen Wunsch fern, wie die Niedersächsische Staatskanzlei gegenüber dem Onlinemagazin NIUS erklärte. Die AfD-Fraktion hatte zuvor Kurkus Befragung in seiner Funktion als Migrationsbeauftragter in dem Gremium beantragt.

Im Vorfeld der Sitzung war es auch zur öffentlichen Infragestellung von Kurkus Position vonseiten der AfD-Landtagsfraktion gekommen. So schrieb deren innenpolitischer Sprecher Stephan Bothe auf X: „Inwieweit sich der Landtagsabgeordnete und Migrationsbeauftragte der Landesregierung Deniz Kurku strafbar gemacht hat, muss nun ohne ‚SPD-Politiker-Bonus‘ überprüft werden.“

Daran schloss Bothe eine Rücktrittsaufforderung an: „Als Landesbeauftragter für Migration und Teilhabe und als Mitglied des Innenausschusses ist Deniz Kurku nicht tragbar. Wir fordern seinen sofortigen Rücktritt von beiden Ämtern.“ Diesem Ansinnen ist Kurku heute teilweise nachgekommen. 

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