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In einem Interview mit dem Trends Journal sprach Professor Seyed Mohammad Marandi von der Universität Teheran über die rasche Eskalation im Konflikt zwischen Iran und den Vereinigten Staaten. Nach mehr als sechs Monaten Krieg, den Marandi Trump, Netanjahu und deren regionalen Verbündeten zuschreibt, droht Iran mit Angriffen auf Öltanker und Häfen in Kuwait und Bahrain, mit Schlägen gegen US-Stützpunkte und mit einer Strategie „unverhältnismäßiger“ Vergeltung. Marandi hält eine Deeskalation für zu spät und warnt vor schweren Folgen für die ohnehin angeschlagenen Golfstaaten und die Weltwirtschaft.
Laut einem Bericht der türkischen Agentur Anadolu hat die iranische Marine Angriffe auf Öltanker in Kuwait und Bahrain angedroht – als Reaktion auf gemeldete US-Schläge. Marandi sieht darin keinen Einzelfall, sondern den nächsten Schritt auf einer Eskalationsleiter, die sich rasch nach oben bewegt.
Die Vereinigten Staaten hätten ein Memorandum of Understanding zerrissen und führten eine neue Welle wirtschaftlicher Kriegsführung. Finanzminister Bessent habe erklärt, man wolle das iranische Volk „erwürgen“. Daraufhin sei Teheran in die Offensive gegangen. Die USA hätten in der Folge drei Tanker getroffen – aus Wut über den Verlust eines unbemannten Unterwasserfahrzeugs und als Antwort auf iranische Raketenangriffe auf US-Schiffe. Iran plane nun schwere Schläge gegen US-Basen sowie gegen Tanker in Kuwait und Bahrain.
Marandi schrieb kurz vor dem Gespräch auf X, bei weiterer Eskalation durch Trump seien Tanker, Schiffe und Häfen in Saudi-Arabien, den VAE, Kuwait, Bahrain und Katar nicht mehr sicher. Die Menschen in diesen Staaten sollten sich auf dunkle Zeiten einstellen; Iran werde unnachgiebig sein. Im Interview bekräftigte er: Es sei zu spät für Deeskalation. Noch in derselben Nacht würden iranische Streitkräfte Ziele zweier dieser Regime sowie US-Stützpunkte in der Region angreifen. Die iranischen Schläge würden härter ausfallen als die amerikanischen. Von nun an seien die Antworten „unverhältnismäßig“. Ziel sei es, die USA unter Trump das Führen dieses Krieges zutiefst bereuen zu lassen und künftigen Angriffen auf Iran für Jahrzehnte vorzubeugen.
Einen zentralen Erfolg sieht Marandi in der Kaperung eines unbemannten US-Unterwasserfahrzeugs in der Straße von Hormuz. Es handle sich um hochmoderne, aktuelle Technologie. Die USA spielten den Vorfall herunter und sprächen von einem Gerät der zweiten Generation ohne neueste Systeme. Marandi widerspricht: Es sei ein enormer Rückschlag für die US-Navy und für Trump. Iran habe das Fahrzeug mit elektronischer Kriegsführung erbeutet. Das zeige sowohl Teherans Fähigkeiten als auch, wer in der Straße von Hormuz tatsächlich die Kontrolle habe. Russland und China könnten von der Analyse des Geräts profitieren.
Die Region und die Weltwirtschaft seien nach Monaten des Krieges deutlich anfälliger als zu Beginn. Die mit den USA verbundenen Regime in Kuwait, Bahrain, den VAE, Katar und Saudi-Arabien stünden heute auf unsichererem Fundament. Setze sich die aktuelle Trajektorie fort, werde die globale Wirtschaft deutlich stärker getroffen als bisher.
Marandi verknüpft die militärische Eskalation direkt mit den Ölrouten. Angriffe auf Tanker und Häfen der Golfstaaten würden den Energiemarkt und damit die ohnehin unter Druck stehende Weltkonjunktur weiter belasten.
Auf die Frage nach diplomatischem Spielraum verweist Marandi auf Gespräche des iranischen Spitzendiplomaten mit seinem japanischen Amtskollegen. Teheran bestehe auf der Rückkehr der USA zu dem ursprünglich vereinbarten Memorandum und dessen vollständiger Umsetzung – in der iranischen Auslegung. Dazu gehörten das Ende des Krieges in Gaza, das Ende der Besatzung des Libanon und die Beendigung aller Kriege in der Region. Zugeständnisse gebe es nicht. Es sei ein „Take it or leave it“.
Kurz vor dem Jahrestag der Anschläge vom 11. September erklärte Trump in Washington, man führe den Krieg, weil eine bestimmte Nation eine Atomwaffe gewollt und beinahe besessen habe; Iran werde niemals eine Atomwaffe haben. Marandi hält die Verknüpfung mit dem 11. September für vorhersehbar, aber unzutreffend.
Die USA behaupteten, Al-Qaida habe die Anschläge verübt. Gleichzeitig seien Al-Qaida von den Vereinigten Staaten und regionalen Verbündeten, darunter Saudi-Arabien, ausgebildet und finanziert worden. Zehn Jahre nach 9/11 hätten die USA mit Al-Qaida beim Sturz der Regierungen in Libyen und Syrien zusammengearbeitet und schließlich einen Al-Qaida-Führer in Syrien an die Macht gebracht. Jake Sullivan habe Hillary Clinton 2012 geschrieben, in Syrien stehe Al-Qaida auf „unserer Seite“. Für Iraner werfe das grundlegende Fragen zur offiziellen Darstellung von 9/11 auf – einschließlich der sogenannten „tanzenden Israelis“, des Einsturzes eines Gebäudes ohne direkten Treffer und weiterer Umstände. Al-Qaida sei ein Feind Irans, aber ein Verbündeter der USA – trotz 9/11.
Diese Passage gibt Marandis Sicht wieder; sie ist Teil seiner politischen Argumentation und keine unabhängige Feststellung der historischen Ereignisse.
Auf die Frage, ob man in einem Muster aus gelegentlichen Schlägen und Gegenmaßnahmen feststecke, bei dem die Straße von Hormuz faktisch unter iranischer Kontrolle bleibe, antwortet Marandi eindeutig: Man bewege sich auf klare, rasche Eskalation zu. Die Aussagen von Trump, Hegseth und zuletzt des Finanzministers deuteten darauf hin, dass die USA den Krieg in der angekündigten Härte fortsetzen wollten. Dann werde der Schaden für die Weltwirtschaft deutlich schneller wachsen als bisher.
Professor Marandi beschreibt eine Phase, in der Iran die Initiative übernommen hat: mit der Erbeutung eines US-Unterwasserfahrzeugs, mit der Ankündigung unverhältnismäßiger Vergeltung und mit der Drohung, Tanker und Infrastruktur der Golfstaaten sowie amerikanische Basen zu treffen. Deeskalation hält er für versäumt. Die diplomatische Linie Teherans sei maximalistisch und an das ursprüngliche Abkommen plus regionale Kriegsbeendigungen gekoppelt. Gleichzeitig warnt er, dass fragile Golf-Regime und eine bereits belastete Weltwirtschaft den nächsten Eskalationsschritt kaum unbeschadet überstehen würden. Ob die angekündigten nächtlichen Schläge in dem von ihm skizzierten Ausmaß folgen, bleibt abzuwarten; seine Botschaft an Washington und die verbündeten Hauptstädte am Golf ist unmissverständlich: Iran werde von nun an härter antworten als die andere Seite schlägt.