Enter your email address below and subscribe to our newsletter

Übernamekampf: Bauscht die Unicredit ihren Bestand an Commerzbank-Aktien auf?

Der Streit um die Übernahme der Commerzbank erhält eine neue Wendung: Hält die Unicredit weniger Aktien als sie behauptet? 

Beitrag teilen

Der Streit um die Übernahme der Commerzbank erhält eine neue Wendung: Hält die Unicredit weniger Aktien als sie behauptet? 

Hält die Unicredit deutlich weniger Aktien an der Commerzbank als sie behauptet? Dies legt jedenfalls ein Bericht der „Börsen-Zeitung“ nahe, in dem sie die Frage stellt, ob die jüngst als angedient gemeldeten Aktien von der Unicredit selbst stammen. Durch komplexe Derivatestrukturen sollen demnach Aktien aus dem Bestand der italienischen Großbank so ausgeflaggt worden seien, als ob sie von Investoren der Unicredit im Zuge ihres Übernahmeangebotes angedient worden sein.

Mit der Diskussion über die tatsächlichen Anteilsverhältnisse gewinnt die Auseinandersetzung zwischen den beiden Banken weiter an Schärfe. Zuvor hatte die Commerzbank den Italienern bereits Irreführung vorgeworfen und eine Untersuchung durch die Finanzaufsicht Bafin gefordert. Die Unicredit keilte zurück und warf den Frankfurtern „die anhaltende Verbreitung zunehmend schwerwiegender und unbegründeter Fehlinformationen“ vor. Sollten sich die derivaten Kreisgeschäfte bestätigen, wäre dies ein schwerer Imageschaden für die Bank und könnte die Finanzaufsicht auf den Plan rufen.

In der aktuellen Auseinandersetzung geht es um den Umfang der von Investoren der Unicredit angedienten Commerzbank-Aktien (Tender): Unicredit hat nach eigenen Angaben bislang 10,9 Prozent der Aktien angedient bekommen, nachdem sie vor Abgabe des Übernahmeangebotes bereits 26,77 Prozent der Anteile hielt. Allein in der vergangenen Woche seien 3,33 Prozent eingereicht worden. Damit würde Unicredit in einen Bereich vorstoßen, in dem sie eine Hauptversammlungsmehrheit erreichen könnte. Der deutsche Staat hält aktuell rund 13 Prozent an der Commerzbank. Die Angebotsfrist läuft noch bis zum 3. Juli.

Derivative Kreisgeschäfte

Laut der „Börsen-Zeitung“ verdichteten sich die Anzeichen, „dass sich der Tender indirekt – über mehrere Derivatebanken – de facto aus dem Bestand der Unicredit von 26,77 Prozent speisen könnte“. Dies wäre, so die Zeitung weiter, denkbar durch eine „Absicherung im Kreis“ mittels Derivaten. 

Dem Bericht zufolge hätten sich die für Unicredit arbeitenden Derivatebanken Commerzbank-Aktien geliehen und eingereicht. Sie wurden also zum Tender dazugerechnet. Zugleich hätten diese Banken die Aktienleihe mit bestimmten Derivaten (Total Return Swaps) abgesichert, für die wiederum Unicredit als Sicherungsgeber fungiert haben könnte. „Unicredit könnte so ungetenderte gegen getenderte Aktien tauschen“, zitierte die Zeitung aus Bankkreisen. Die Commerzbank hat, wie ein Sprecher Capital erklärte, bei den Verwahrstellen ihr Recht wahrgenommen, das Aktionärsregister einzusehen.

Unicredit wies auf Capital-Anfrage die Behauptung zurück, ihren Bestand an Commerzbank-Aktien zu hoch auszuweisen. „Jede Andeutung, Unicredit habe absichtlich Offenlegungskategorien miteinander vermischt, um die wahrgenommene Unterstützung für ihr Übernahmeangebot künstlich aufzublähen, entbehrt jeder sachlichen und rechtlichen Grundlage“, erklärte die Bank. 

„Unbegründete Falschinformationen“

Unicredit bietet 0,485 eigenen Aktien je Commerzbank-Papier, was für Investoren unattraktiv ist. Das Gebot lag stets unter dem Börsenkurs der Commerzbank-Aktie, sodass es für Anleger lukrativer ist Commerzbank-Aktien über die Börse zu verkaufen. Und wenn sie bei Unicredit einsteigen wollten, wäre es vorteilhafter, Aktien der italienischen Bank ebenfalls an der Börse zu kaufen. Bereits am Dienstag warf die Commerzbank der Unicredit vor „ihre Position in der Wahrnehmung des Marktes künstlich aufzublähen“. 

Die der Unicredit angedienten Aktien stammen laut einem „Handelsblatt“-Bericht nicht von institutionellen Investoren, sondern überwiegend von Geschäftspartnern des Kreditinstituts wie der japanische Investmentbank Nomura. Die angedienten Aktien könnten daher „nicht als Beleg für eine unabhängige Unterstützung der Aktionärinnen und Aktionäre für das Angebot gewertet werden“, hatte die Commerzbank bereits vergangene Woche erklärt. „Nach den uns vorliegenden Informationen konnte bislang keine einzige Angebotsannahme eines institutionellen Investors identifiziert werden, und die Summe sämtlicher Annahmen durch Privatanleger entspricht einem Aktienanteil von lediglich rund 0,05 Prozent“, zitiert die Zeitung am Mittwoch einen Commerzbank-Sprecher.

Unterdessen erklärte Unicredit, die Führung der Commerzbank könne ihren Aktionären eine Ablehnung des Unicredit-Angebots empfehlen. „Sie ist jedoch nicht berechtigt, die Integrität des Angebotsprozesses zu untergraben, indem sie unbegründete Vorwürfe erhebt, laut denen die gesetzlichen Offenlegungen von Unicredit irreführend oder künstlich aufgebläht sind“, erklärte das italienische Geldhaus.

Commerzbank verlangt Transparenz

Im Lauf des Mittwochnachmittags legte die Commerzbank nach. „Die Commerzbank konnte basierend auf kontinuierlich erhobenen Informationen zur Aktionärsstruktur, die ihr als Emittentin von Verwahrstellen bereitgestellt werden, hingegen weiterhin keinen einzigen institutionellen Investor identifizieren, der Aktien in das Angebot angedient hat“, hieß es einer Pressemitteilung des Frankfurter Instituts.

Privatanleger hätten lediglich 0,05 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient. „Damit erhärten die Daten und der Fortlauf der Annahmequote die begründete Annahme, dass die angedienten Aktien fast ausschließlich von mit Unicredit verbundenen Banken und Parteien stammen“, heißt es weiter. Man fordere deshalb die Unicredit und die mit ihr in Verbindung stehenden Banken und Parteien auf, „die wesentlichen Elemente der den Absicherungs- und Derivatgeschäften zugrundeliegenden Vereinbarungen offenlegen“. Unicredit sieht die vom Wertpapierhandelsgeschäft gesetzten Meldepflichten als erfüllt an.

Transparenzhinweis: Der ursprüngliche Text wurde ergänzt um Aussagen der Commerzbank von Mittwochnachmittag.

Beitrag teilen

Neue Beiträge und
Informationen direkt
per E-Mail erhalten.