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Irankrieg: Mysterium Ölpreis: Wo bleibt der ganz große Schock?

Der erwartete dramatische Preisanstieg beim Öl ist bisher ausgeblieben. Dafür gibt es mehrere Gründe, von denen einer den Markt komplett verändern könnte

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Der erwartete dramatische Preisanstieg beim Öl ist bisher ausgeblieben. Dafür gibt es mehrere Gründe, von denen einer den Markt komplett verändern könnte

Als US-Präsident Donald Trump seiner „Epic Fury“ Lauf ließ und Ende Februar gemeinsam mit Israel das Regime des Iran angriff, kursierten dramatische Prognosen: Der Ölpreis, so warnte Larry Fink, Chef des Vermögensverwalters Blackrock, könne infolge des Kriegs auf 150 Dollar pro Barrel (ein Barrel = 159 Liter) steigen und „eine globale Rezession“ auslösen. Saad al-Kaabi, der Energieminister von Katar, sagte voraus, der zu erwartende Preisanstieg werde „die Volkswirtschaften der Welt in den Ruin treiben“. Auch er nannte 150 Dollar als absehbaren Preis. Die Bundesregierung reagierte in Panik und spendierte den Deutschen einen Tankrabatt.

Tatsächlich kam es zu einem Preisanstieg, als der Iran die Straße von Hormus sperrte und damit deutlich weniger Rohöl auf den Weltmarkt ließ. Allerdings bleiben die aktuellen Kosten weit von den Horrorprognosen der ersten Wochen entfernt – und das obwohl der heiße Krieg nach neuen Drohungen Trumps gerade wieder Fahrt aufnimmt. Die für Europa wichtigste Referenzsorte Brent wurde Mitte Juni bei 93 Dollar gehandelt, das für Nordamerika wichtige WTI sogar bei unter 90 Dollar. Das ist deutlich mehr als noch zu Beginn von 2026, aber ein Wert, der in den vergangenen Jahren mehrfach erreicht worden war.

Öl: Exportrückgang um 40 Prozent

Warum also bleibt das extreme Szenario bisher aus? Hat die Welt lediglich eine Atempause bekommen? Für das, was auf dem Markt derzeit geschieht, gibt es mehrere Gründe. Und einer davon könnten dafür sorgen, dass sich das Geschäft mit dem Öl tatsächlich dauerhaft verändert.

Wie das renommierte Energieberatungsinstitut Rystad Energy vorrechnete, wurden aus dem Nahen Osten im Zweiten Quartal 2026 täglich 9,6 Millionen Barrel exportiert, das sind etwa 7,7 Millionen Barrel weniger als im Durchschnitt der drei Vorquartale. Ein Rückgang um mehr als 40 Prozent.

Diesem Minus an Angebot stehen drei Effekte entgegen: Zusätzliche Lieferungen durch andere Produzenten, volle Lager bei den Abnehmern und eine stark sinkende Nachfrage.

Ölschwemme vor dem Krieg

Während Saudi-Arabien und die Emirate ihre Ausfuhren reduzieren mussten, drehten in anderen Weltregionen die Produzenten die Hähne auf. In Südamerika, angeführt von Brasilien und Venezuela, stiegen die Exporte von Rohöl um über 20 Prozent, auch Nordamerika legte ordentlich zu. Und in Europa sorgte vor allem Norwegen für ein größeres Angebot. „Der Rückgang der Exporte aus dem Nahen Osten, insbesondere nach Asien, bot Chancen für andere Regionen“, heißt es im jüngsten Rystad-Bericht für den Ölmarkt.

Zugleich traf die neueste Ölkrise die Welt in einem Moment, in dem eigentlich eine Ölschwemme herrschte. Die Energiebehörde der US-Regierung (EIA) schätzte vor Beginn des Konflikts, „dass der Markt gut aufgestellt war, um eine kurzfristige Unterbrechung der Öllieferungen infolge des monatelangen weltweiten Überangebots zu überstehen“. Konkret bedeutete das: Die Lager, vor allem in Asien, waren prall gefüllt. China hatte die niedrigen Preise vor allem für das in Europa sanktionierte russische Öl genutzt, um die eigenen Reserven aufzustocken. Diese Rücklagen können jetzt genutzt werden. Der Rystad-Analyse zufolge waren die chinesischen Lager sogar so voll, dass einiges von dem für das Land bestimmten Öl an andere asiatische Staaten weitergeleitet werden konnte.

Zugfahren statt Fliegen

Zwar sind sich alle Experten einig, dass diese Reserven nicht ewig reichen werden. Allerdings leeren sich die Lager auch langsamer als erwartet, und das liegt vor allem daran, dass die Nachfrage nach Öl in Asien dramatisch eingebrochen ist. Im Zentrum standen zunächst zwei Branchen: „Derzeit sind die Petrochemie- und die Luftfahrtbranche am stärksten betroffen, doch werden sich steigende Preise, ein schwächeres wirtschaftliches Umfeld und Maßnahmen zur Nachfragereduzierung zunehmend auf den Kraftstoffverbrauch auswirken“, heißt es im Ölmarktbericht der Internationalen Energieagentur (IEA). Die Chinesen stiegen vom Flugzeug auf Schnellzüge um, die chemische Industrie reduzierte ihren Verbrauch oder stieg zum Teil auf andere Rohstoffe um.

Allerdings hat sich auch insgesamt die Struktur der Nachfrage geändert, was durch den Iran-Krieg noch beschleunigt wird. Vor allem in Asien sei „die Nachfrage stärker zurückgegangen, als wir bisher angenommen hatten“, schreibt die US-Behörde EIA. Schon jetzt machen Elektroautos den Großteil der Neuzulassungen in chinesischen Großstädten aus, und in Europa wird dieser Trend gerade massiv angekurbelt. Im März 2026 wurden fast 40 Prozent mehr Batteriefahrzeuge in Europa neu angemeldet als noch ein Jahr zuvor. Und auch der Absatz von Wärmepumpen, also von mit Strom betriebenen Heizungen, legt rapide zu.

Kommt die Nachfrage überhaupt zurück?

Aus Sicht der im Öl-Land Norwegen sitzenden Energieberatung Rystad ist angesichts dieser Gemengelage sogar fraglich, ob das alte Niveau der Nachfrage jemals wieder zurückkommen wird – unabhängig vom Verlauf des Konflikts im Nahen Osten. „Der Krieg hat den Bedenken hinsichtlich der Energiesicherheit neuen Auftrieb gegeben“, schreiben die Berater, die für das Jahr 2027 sogar ein globales „Überangebot“ an Erdöl erwarten.

Ein Teil davon werde dadurch aufgefangen, dass die Lager und strategischen Reserven wieder aufgefüllt werden müssten. „Doch selbst wenn die Preise aufgrund des Überangebots sinken, bleibt ungewiss, ob wir wieder das Vorkriegsniveau der Rohölnachfrage erreichen werden, da Länder und Verbraucher ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen neu bewerten.“

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