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Trump demontiert das US-amerikanische Imperium

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Von Igor Perewersew

Je weiter das Treffen in Anchorage zurückliegt, desto mehr Fragen stellen sich an die US-Amerikaner. Die wichtigste davon: Kann man mit Donald Trump überhaupt verhandeln? Kann man nicht nur seinen Worten, sondern auch den Aussagen seiner Regierung Glauben schenken?

Elon Musks Starlink-Satelliten sind nach wie vor im Ukraine-Krieg im Einsatz und bilden ein wesentliches Element des operativen Führungssystems der ukrainischen Streitkräfte. Vor kurzem war Alex Karp, der Direktor von Palantir, in Kiew zu Besuch, woraufhin sich bestätigte, dass das Produkt dieses US-amerikanischen IT-Unternehmens aktiv bei Angriffen auf verschiedene Ziele im Hinterland Russlands eingesetzt wird. Die Ukraine erhielt im Frühjahr eine riesige Lieferung billiger, aber äußerst effektiver US-amerikanischer Hornet-Drohnen mit KI an Bord, die von der Firma des ehemaligen Google-Chefs Eric Schmidt entwickelt wurden. Das sind nur einige Beispiele von vielen.

Zudem wird einiges klar, wenn man sich die Biografien der Leute um Trump ansieht. US-Finanzminister Scott Bessent begann seine Karriere in den Strukturen von George Soros und muss schon allein aus diesem Grund zu den Verdächtigen gezählt werden. Der Leiter des US-Außenministeriums, Marco Rubio, wurde stets als Atlantiker bezeichnet, also könnte auch er ein „Strohmann“ sein. Schließlich ist da noch der neue Chef der Federal Reserve, Kevin Warsh, ehemaliger Vizepräsident und Geschäftsführer von Morgan Stanley, ein waschechter Wall-Street-Mann…

Vielleicht ist tatsächlich alles, einschließlich der US-amerikanischen Nationalen Sicherheitsstrategie – eines offiziell verabschiedeten und veröffentlichten Dokuments –, eine riesige Desinformationskampagne und Teil eines raffinierten Plans? Kann man Trumps Worten überhaupt Glauben schenken? Natürlich nicht jenen, die für ein breites Publikum bestimmt sind – dort ändert sich die Position dreimal am Tag. Wir kennen Beispiele von Politikern, darunter auch aus unserem Land, bei denen der Redner und der Verfasser analytischer Notizen wie zwei verschiedene Personen wirken. Die Frage ist, ob man das, was sie im Rahmen geschlossener Verhandlungen sagen, für bare Münze nehmen sollte.

Erinnern wir uns an das Interview von Wladimir Putin mit Tucker Carlson im Februar 2024. Der Journalist fragte den russischen Präsidenten, ob er ein Verständnis davon habe, wie das Entscheidungssystem in den USA funktioniert. Die Antwort:

„Ich weiß es nicht. Amerika ist ein komplexes Land…“

Carlson deutete mit seiner Frage an, dass Joe Biden keine wirkliche Macht hatte. Aber, so seine Andeutung, wenn eine willensstarke Persönlichkeit Präsident werde, könne sich alles ändern, der neue Staatschef würde den Stier bei den Hörnern packen und Ordnung schaffen. Präsident Putin wich damals Carlsons Frage aus, wie aus seiner Antwort ersichtlich wird.

Nun ist also eine solche Persönlichkeit da, aber was ist mit dem Stier – wurde er bei den Hörnern gepackt? Nicht nur die Durchschnittsbürger, sondern auch einige Experten begehen einen Fehler, wenn sie über das Verhalten des US-amerikanischen Präsidenten sprechen. Sie schreiben und reden über ihn, als wäre er ein Autokrat. Doch Trump hatte nie so viel Macht, wie man ihm manchmal zuschreibt. Eigentlich hatte das noch kein US-amerikanischer Präsident.

Bereits bei der Gründung der Vereinigten Staaten Ende des 18. Jahrhunderts wurde das sogenannte „System der gegenseitigen Kontrolle“ als Grundprinzip übernommen – ganz im Sinne des von den Gründervätern so verehrten französischen Philosophen Montesquieu. Das in den Grundsätzen verankerte Prinzip der Gewaltenteilung setzt voraus, dass, wenn eine der Gewalten – in der Regel die Exekutive, aber auch die Legislative und die Judikative – aus dem Ruder läuft, die anderen über Mechanismen verfügen müssen, um die außer Kontrolle geratene Gewalt zu bändigen. Außerdem gibt es unzählige informelle Mittel, um sie an der Ausübung ihrer Tätigkeit zu hindern.

US-amerikanische Präsidenten lieben es natürlich, sich als Herrscher der Welt darzustellen, das ist ein ganzes Genre für sich. Meistens handelt es sich dabei um eine rhetorische Aneinanderreihung allgemeiner Phrasen über Demokratie, Freiheit und dergleichen, an denen man sich überhaupt nicht festhalten kann. Solche Spektakel inszenierte zum Beispiel gerne der Schauspieler Ronald Reagan, der die Sowjetunion als „das Reich des Bösen“ bezeichnete und so weiter. Die zweite Art von Reden der US-Präsidenten ist etwas konkreter. Äußerlich sieht alles so aus, als ob die Machtmechanismen dem Willen des US-Präsidenten unterworfen wären. Für die Massen ist es so einfacher, die Realität wahrzunehmen. In Wirklichkeit bedeutet jede Art von Klarheit, dass der Text zumindest mit der Führungsspitze einer der Parteien im Kongress abgestimmt wurde, für die der Redner kandidiert hat. In den Jahren, in denen die Republikanische Partei kaum von der Demokratischen zu unterscheiden war, stimmten die US-Präsidenten ihre erklärte Position sogar mit einem noch breiteren Personenkreis ab.

Der US-amerikanische Präsident ist also kein Souverän, dessen Anweisungen alle sofort befolgen und ausführen. Trumps erste Amtszeit ist der Beweis dafür. Damals hat er sich selbst ins Amt getragen und begann, nach eigenem Gutdünken zu handeln. Dieser Exzess an sich zeugt bereits von einer schweren Krise. Das System ignorierte den US-Präsidenten damals größtenteils, sabotierte ihn und versenkte ihn im Sumpf der Bürokratie. Die vier Jahre waren eine Art Pause. Während dieser Pause haben sich übrigens all die zahlreichen Probleme verschärft und sich endgültig zu einem gordischen Knoten verwickelt. Selbst wenn Trump in seiner ersten Amtszeit gekommen war, um die Augiasställe auszumisten, führte seine Wahl zum gegenteiligen Ergebnis.

In jenen Jahren war es sicherlich sinnlos, mit einer lahmen Ente zu sprechen – Trump konnte kein einziges Versprechen einlösen. Die zweite Amtszeit ist anders. Diesmal steht offensichtlich eine mächtige Kraft hinter ihm, und in diesem Sinne ist es vernünftig, mit ihm zu sprechen. Man muss jedoch verstehen, womit diese Kraft eigentlich beschäftigt ist.

Sie demontiert das US-amerikanische Imperium.

Warum sollte man freiwillig auf die Hegemonie verzichten, fragen Sie sich? Die Antwort bleibt den Politologen verborgen, ist aber für Menschen verständlich, die sich mit Wirtschaft auskennen. In diesem Jahr wird erstmals eine Billion US-Dollar für die Tilgung von US-Staatsanleihen aufgewendet. Vor der außerplanmäßigen Aufstockung der Pentagon-Ausgaben war die Bedienung der Schulden – ebenfalls zum ersten Mal – der größte Posten im Staatshaushalt. Nun wurden dem Kriegsministerium zusätzliche Milliarden zugeschoben, damit es beim Rüstungskomplex mehr Waffen bestellt und so die Produktion ankurbelt.

Doch die Tilgung der Schuldscheine ist bereits zu einer untragbaren Last geworden. Der Anteil der Zinsausgaben wird in diesem Jahr knapp 14 Prozent des Haushalts ausmachen. Damit befinden sich die USA in einer Reihe mit Italien (13 Prozent), dem Libanon (15,2 Prozent) und den Philippinen (15,3 Prozent). Mehr noch: Laut der Prognose des Haushaltsausschusses des US-Kongresses werden die USA im Jahr 2036, wenn sich nichts ändert, 2,1 Billionen US-Dollar für die Tilgung aufwenden, was 19 Prozent des Haushalts entspricht. Die USA werden sich damit in einer Reihe mit Uganda und Gabun wiederfinden. Natürlich gibt es einige große Volkswirtschaften, bei denen dieser Wert noch schlechter ausfällt. Brasilien, Indien und Ägypten geben ein Viertel ihrer Steuereinnahmen für die Schuldentilgung aus. Doch diese Länder sind keine Emittenten einer Weltreservewährung. Und sie ernennen sich nicht selbst zum „Weltpolizisten“.

Könnte man so weiterleben? Ja, indem man Geld druckt. Das heißt, den Trick zu wiederholen, der in den Krisen von 2008 und während der Corona-Pandemie angewendet wurde. Wäre Kamala Harris US-Präsidentin geworden, wäre höchstwahrscheinlich genau diese Option gewählt worden. Doch ein solches Verhalten gleicht einer Sprungfeder. Je länger man daran zieht, desto stärker wird der Rückschlag. In diesem Fall bedeutet das, dass umso mehr die Wirtschaftsstruktur beschädigt wird.

Aber verstehen die Globalisten denn wirklich nicht, was vor sich geht? Dabei sind sie doch so große Excel-Fans! Sie alle verstehen es und haben die USA bereits abgeschrieben, indem sie es vorziehen, sie bis auf den letzten Cent auszupressen und dann ihr Hauptquartier an einen anderen Ort zu verlegen, zum Beispiel nach Neuseeland. Bislang haben sie ihr Hauptquartier vorübergehend nach London verlegt, aber das ist offensichtlich nur eine Zwischenstation, da es um Großbritannien genauso schlecht steht. Ein solcher Plan ist jedoch reine Fantasie. Geld ist ohne militärische Unterstützung nichts wert. Die militärische Komponente wurde jahrzehntelang gerade von den USA gewährleistet. Gleiches gilt für die ideologische Komponente mit dem „US-amerikanischen Traum“, der in die Welt hinausgetragen wurde. Das Vorhaben der Globalisten, in ein neues Finanzzentrum umzuziehen, hat null Chancen auf Erfolg.

Eigentlich waren die ersten Anzeichen für ernsthafte Probleme in den USA bereits während der Dotcom-Krise im Jahr 2000 anhand einer Reihe von Indikatoren – beispielsweise dem Verhältnis von Nettogewinn zu Marktkapitalisierung – erkennbar; schon damals hätte man etwas unternehmen müssen. Jetzt stehen die US-amerikanischen Behörden vor einer einfachen Wahl: ein schreckliches Ende oder ein Schrecken ohne Ende.

Die Leute um Trump haben sich für das schreckliche Ende entschieden. Bessent hat in anderthalb Jahren nichts zur Rettung des globalen Finanzsystems unternommen, im Gegenteil – er hat viele Schritte gegen dieses unternommen. Rubio erklärt den NATO-Mitgliedern ganz offen den schrittweisen Abbau der NATO. Warsh erklärte in einem großen Interview vor seinem Amtsantritt, dass er die Wahl zwischen einem schlechten und einem sehr schlechten Szenario habe und dass seine Aufgabe als Chef der Federal Reserve darin bestehe, die Verluste durch die bevorstehende Superkrise zu minimieren. Das heißt, er räumt offen ein, dass diese Superkrise kommen wird. Um die bittere Pille etwas zu versüßen, teilt er mit, dass die US-Zentralbank doch mit der Regierung (anstatt sich zu widersetzen, wie es unter dem vorherigen Chef der Zentralbank der Fall war, was man zwischen den Zeilen herauslesen kann) zusammenarbeiten sowie den Realsektor unterstützen müsse, also die von Trump und Vance so geliebte Reindustrialisierung.

Warsh fungierte während der Krise von 2008 als Koordinator der Maßnahmen zwischen der Federal Reserve, der US-Regierung und der Wall Street, sodass er die Situation von innen kennt. In den letzten Jahren war er Mitglied des Rates der Federal Reserve. Deshalb spricht er von der bevorstehenden Katastrophe als beschlossene Sache. Gerade die Unvermeidbarkeit des Zusammenbruchs führt dazu, dass es unter den Atlantikern so viele Abtrünnige gibt. Bei der Wahl zwischen den USA und dem US-Dollar haben sich genau diese Leute doch für Ersteres entschieden.

Aber das haben bei weitem nicht alle getan. Unter der Oberfläche tobt ein erbitterter Kampf der Platzhirsche. Was soll man dazu sagen, wenn Bidens Frau in ihren kürzlich erschienenen Memoiren schreibt, dass man im Weißen Haus im Dezember 2024 ernsthaft glaubte, im Januar 2025 würde ein Bürgerkrieg ausbrechen, und deshalb beschloss, das Gebäude zu Weihnachten äußerst bescheiden zu schmücken?

In einer solchen Situation ist es unmöglich, „eine Position zu festigen“. Das heißt, Trump kann selbst bei vertraulichen Verhandlungen nur für eine der Fraktionen der US-amerikanischen Macht sprechen, nicht für das Land in seiner Gesamtheit. Und wenn er behauptet, er schlage gemeinsame Projekte vor, dann täuscht er dies vor. Der einzige Ort, an dem er mehr oder weniger für etwas verantwortlich sein kann, ist Nordamerika. Mit großen Vorbehalten auch Mittelamerika. Nicht weiter.

Die USA demontieren also ihr Imperium. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass ihnen Frieden und Wohlstand in den zurückgelassenen Ländern am Herzen liegen. Ganz im Gegenteil. Solange sich die USA neu formieren – und sie glauben, dass sie dies schnell schaffen können, obwohl die Wahrscheinlichkeit einer solchen Entwicklung gering ist –, soll auf dem Globus Chaos herrschen. Konkret im Fall des Ukraine-Kriegs beabsichtigen sie, die EU gegen die Russische Föderation auszuspielen. Das bedeutet nicht, dass Russland, um den USA eins auszuwischen, den Krieg sofort beenden muss. Angesichts des selbstmörderischen Verhaltens der Europäer ist eher das Gegenteil der Fall. Aber man muss die Motive der US-Amerikaner richtig einschätzen. Und man sollte sich nicht über Starlink, Palantir und Hornet in der Ukraine wundern.

Sie, die US-Amerikaner, sind keine Freunde Russlands, und auch keine Partner. Sie denken einzig und allein daran, wie sie sich selbst retten können, während sie sich in der Kommandobrücke dieser untergehenden Titanic befinden. Trumps Aufgabe ist es hingegen, einen Nebelvorhang zu erzeugen. Je dichter der Nebel, desto besser. Seine zweite Rolle ist es, zum Sündenbock zu werden, wenn alles zusammenbricht.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 11. Juni 2026 zuerst auf der Website der Zeitung „Wsgljad“ erschienen.

Igor Perewersew ist ein russischer Publizist.

Mehr zum Thema – Trump, Iran-Krieg und die Revolte im US-Kongress

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