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In der angesagten thailändischen Metropole Bangkok besucht unser Kolumnist ein Hotel, dessen deutscher Direktor nicht viel von unnahbaren Nobelherbergen hält
Im vergangenen Jahr zählte Bangkok über 30 Millionen internationale Besucher. Damit ist Thailands Hauptstadt die meistbesuchte Stadt der Welt, und diesem Andrang entspricht auch die große Zahl der dortigen Hotels – vom Backpacker-Hostel bis zum Haus der absoluten Luxusklasse. Die meisten dieser Übernachtungsoptionen kommen recht anonym und seelenlos daher. Das „Muu Bangkok“ positioniert sich bewusst anders: fern vom Ketten-Einerlei, sondern charakterstark, mit Herz und Seele.
Diesen konzeptionellen Unterschied bemerke ich schon bei meiner Ankunft. Zwar ist das Hotelpersonal in Thailand meist überall freundlich und hilfsbereit, doch im „MUU“ scheint mir das Niveau der Servicequalität noch etwas höher. Alle Mitarbeiter wirken bestens geschult, herzlich und professionell. Ich fühle mich sofort im Haus wie auch in der umliegenden Nachbarschaft willkommen. Das ist kein Zufall, denn „Muu“ (thailändisch: „หมู่“), erklärt mir der deutsche Hoteldirektor Christian Zunk, bedeutet in der Landessprache so viel wie Gemeinschaft.
Die Lage des Hotels könnte kaum besser sein: Es befindet sich mitten im Szeneviertel Thonglor, wo sich Streetfood-Stände an schicke Designerboutiquen reihen, und trendige Bars an erstklassige Restaurants. Dazu erinnern Galerien an Zeiten, in denen hier vor allem Künstler lebten und schöpferisch tätig waren. Heute geht man in Thonglor aus, abends und an den Wochenenden. Vor allem die reichen, schönen und jungen Thailänder sowie die vielen Expats, die in Bangkok leben. Den besten Blick auf den Trubel und die übrige pulsierende 8-Millionen-Stadt hat man übrigens von der Poolterrasse des Hotels im elften Stock.
Das „MUU“ ist vom Stil der 1920er-Jahre inspiriert. Seine Zimmer sind groß, viele haben einen Balkon und ganz viel Persönlichkeit: Parkettböden, Kingsize-Betten mit verspielten Kopfenden, Bäder aus Marmor, mit Samt bezogene Divans. Der Einfluss der Roaring Twenties setzt sich in der „008 Bar“ fort, deren etwas versteckte Lage die sogenannten Speakeasy-Kneipen der Prohibitionszeit aufgreift. Eine originelle Idee, die grandios, mit viel Leder, Holz und Patina, umgesetzt wurde. Über exzellenten Drinks wie dem „Frontier“ oder einem „Tommy Flowers“ sinniert man automatisch über längst vergangene, nie selbst erlebte Zeiten.
Die vielfältige, frische und farbenfrohe thailändische Küche zählt für mich zu den besten der Welt. Wer aber zwischendurch einmal Lust auf Pasta statt Pad Thai hat, der wird im „Otto“ bestens bedient. Als ich das geschmackvoll eingerichtete Hotelrestaurant betrete, werde ich begrüßt, als wäre ich bei guten Freunden zum Abendessen eingeladen. Zum letzten Mal war ich vor zweieinhalb Jahren hier, und doch erkennen mich die Kellner wieder. Die Weinkarte ist gut sortiert, die Antipasti hervorragend und die „Spaghetti Gamberi Rossi“ schmecken auch in Apulien kaum besser. Den krönenden Abschluss bildet das hausgemachte Tiramisù.
Der Direktor des „Muu“, Christian Zunk, stammt aus einer bekannten Hoteldynastie. Sein Vater Hartmut Zunk führte von 1982 bis 1997 das „Kempinski Bristol“ in Berlin – damals eines der renommiertesten Häuser der Stadt. Großen Ehrgeiz besitzt auch sein Sohn: Als er das „Muu“ übernahm, war es eines unter vielen Vier-Sterne-Hotels. Dank seiner mutigen Vision und Leidenschaft gehört es heute zu den besten Fünf-Sterne-Häusern von Bangkok. Die Mitgliedschaft in der Vereinigung „Small Luxury Hotels of the World“ sowie die hohe Auslastung von nach eigenen Angaben über 90 Prozent bestätigen den Erfolg. Luxuriös, aber nicht prätentiös – so funktioniert moderne Top-Hotellerie. Und ein Talent wie Christian Zunk könnte man auch in Deutschland gut brauchen.