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Die EU treibt derzeit eine europaweit einheitliche Alterskontrolle im Internet voran, inklusive möglicher Mindestaltergrenzen für soziale Medien und einer faktischen Ausweispflicht für große Teile des Netzes.
Kerninstrument ist eine von der EU-Kommission entwickelte App zur Altersverifizierung, die technisch fertig ist und „bald“ in allen 27 Mitgliedstaaten verfügbar sein soll. Nutzer müssen sich dafür mit Personalausweis, Reisepass oder digitaler ID ausweisen; die App speichert nur, ob eine definierte Altersgrenze überschritten ist, nicht jedoch Name oder Geburtsdatum. Sie soll unter anderem Pornoseiten und Online-Netzwerke wie TikTok, Instagram und YouTube für Kinder sperren können.
Parallel fordert das EU‑Parlament ein Mindestalter für soziale Medien: Zugang soll grundsätzlich erst ab 16 Jahren erlaubt sein, 13‑ bis 16‑Jährige nur mit Zustimmung der Eltern. Die Abgeordneten drängen die Kommission, genau dafür eine EU‑App zur Altersüberprüfung und eine digitale europäische Brieftasche (eID) als technische Grundlage bereitzustellen. Die Position des Parlaments ist politisch richtungsweisend, aber noch kein endgültiges Gesetz.
Gleichzeitig arbeitet Brüssel an einem breiteren Konzept zur Altersgrenze für soziale Medien: Eine EU‑Alterscheck‑App ist laut Kommission einsatzbereit und könnte unmittelbar bei großen Plattformen wie TikTok, Instagram, Facebook und Snapchat integriert werden. Die Altersbestätigung erfolgt über amtliche Dokumente oder digitale Ausweise und nutzt sogenannte „Zero‑Knowledge‑Proofs“, um nur das „alt genug“‑Signal zu übermitteln, ohne weitere personenbezogene Daten offenzulegen.
Kritiker warnen vor einer „Ausweispflicht für weite Teile des Internets“: Ein aktueller Vorschlag der EU‑Kommission sieht vor, dass Anbieter mit Chat‑Funktionen – sogenannte „interpersonelle Kommunikationsdienste“ – das Alter ihrer Nutzer verpflichtend überprüfen, um Minderjährige „zuverlässig“ zu identifizieren. Zusätzlich soll bereits beim Zugang zu App‑Stores (etwa Google Play und Apple App Store) eine Alterskontrolle greifen. Der Rat unterstützt verbindliche Alterskontrollen bei Diensten mit erhöhtem Risiko für Kontaktaufnahme mit Kindern. Das EU‑Parlament hingegen will diese Pflichten abschwächen: Alterschecks in App‑Stores sollen entfallen, Alterskontrollen bei Kommunikationsdiensten nur optional sein.
In der politischen Debatte geht Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen über Social Media hinaus: Sie unterstützt ein Modell, das Nutzer generell nach Altersgruppen im Netz sortiert, mit strengen Vorgaben insbesondere für Kinder unter 13. Genau hierfür soll die EU‑Altersverifikations-App zum zentralen Instrument werden.
Fachleute weisen darauf hin, dass Altersgrenzen allein den Kinder‑ und Jugendschutz nicht ausreichend gewährleisten. Sie empfehlen ergänzend kindgerechte Voreinstellungen, technische Filter und klare Regeln zwischen Eltern und Kindern. Dennoch wächst der Druck auf EU‑weit verbindliche Regeln, weil nationale Alleingänge – etwa in Frankreich oder Australien – bereits strenge Altersvorgaben für Social‑Media‑Nutzung einführen.
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Bildquelle: CornelPutan / shutterstock