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Ein Meinungsbeitrag von Dirk C. Fleck.
Markus Lanz fuchtelt mit ausgestrecktem Arm vor der BSW-Ikone herum, als wollte er dem stoischen Redefluss dieser unerschütterlichen Frau ganze Sätze entreißen. Gelingt nicht, denn die Dame ohne Mimik bleibt dem verzweifelten Moderator gegenüber ruhig
Ein Meinungsbeitrag von Dirk C. Fleck.
Markus Lanz fuchtelt mit ausgestrecktem Arm vor der BSW-Ikone herum, als wollte er dem stoischen Redefluss dieser unerschütterlichen Frau ganze Sätze entreißen. Gelingt nicht, denn die Dame ohne Mimik bleibt dem verzweifelten Moderator gegenüber ruhig und unbeirrbar. Sie kennt die Methoden des Mannes, der mit seinen ständigen Unterbrechungen glaubt, eine Lanze für die Meinungsfreiheit zu brechen.
Siebenundzwanzig Mal (ich habe mitgezählt) hat der ZDF-Markus zwei Tage nach der Wahl in Sachsen-Anhalt versucht, die Wortmauer von Frau Wagenknecht zu durchbrechen, wobei er manchmal bis zu viermal hintereinander in einem Atemzug Anlauf genommen hat, bevor er das Gespräch endlich in seine Richtung lenken konnte. Lanz ist der König aller ignoranten Fragesteller/innen (richtig so?), die ihre auf Mainstream getrimmten Talkshowgäste Abend für Abend im TV als willfährige Vasallen gegen den einen Außenseiter ins Feld führen, der mit einer eigenen Meinung vorstellig wird, und vor lauter Unterbrechungen keinen Gedanken zu Ende führen kann – dessen Wortbeiträge sich auf folgenden Satz reduzieren lassen: „Nun lassen sie mich doch einmal ausreden!“
In den Öffentlich-Rechtlichen wird die Gesprächskultur auf niedrigstem Niveau verhackstückt, das gilt für die intellektuelle Qualität ebenso wie für den Umgang miteinander. Die Vorstellung, solche Runden in der eigenen Wohnung erdulden zu müssen, funktioniert nur, wenn man sich den Gedanken gestattet, dass man die hirnlosen Selbstdarsteller jederzeit mit einem Fußtritt ins Freie befördern darf. Seitdem Ulrich Siegmund nach dem erdrutschartigen Wahlsieg der AfD als künftiger Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt den Medienstaatsvertrag tatsächlich aufkündigen wird, laufen ARD und ZDF Amok. Sie fürchten nichts mehr, als dass andere Bundesländer dem Beispiel folgen könnten. Der gesamte Monsterapparat würde ohne Zwangsgebühren in sich zusammenbrechen. Aber braucht ihn noch jemand? Das fragen sich immer mehr Menschen, denen bei Verweigerung der Zahlung eine Gefängnisstrafe droht.
Am 4. Juli dieses Jahres habe ich das Programm der Öffentlich-Rechtlichen in der Hoffnung auf eine passablen Spielfilm durchforstet. Vergeblich. Was ich fand war dies hier: Der Kreta-Krimi, Der Kroatien-Krimi, Der Dänemark-Krimi, Der Island-Krimi, Der Lissabon-Krimi, Der Zürich-Krimi, Der Bodensee-Krimi, Der Garmisch-Krimi, Ein Franken-Krimi, Der Erzgebirgs-Krimi, Kommissar Dupin, Soko München, Soko Stuttgart. All diese Krimis wurden am selben Abend zu später Stunde wiederholt. Spät nachts gab es noch einen Spielfilm-Zuschlag: „Ein Schuss genügt“, „Tod in den Wäldern“.
Wofür war noch einmal die Zwangsabgabe? Für eine ausgewogene Grundversorgung, wie es unter anderem heißt. Die Grundversorgung für ein manipuliertes Massenpublikum funktioniert, wie man hier unschwer erkennen kann. Für Menschen, die sich Filmfiguren ohne Pistole in den Händen gar nicht mehr vorstellen können, ist alles bestens. Nur nicht dran rütteln, sonst knallts!
Ich hatte das Glück, den Journalismus noch in seiner ursprünglichen Form zu erleben – wo noch recherchiert wurde, wo Nachrichten und Kommentare streng getrennt wurden. Wo man, um es ein wenig idealistisch zu formulieren, seinem Wächterauftrag in der Demokratie gerne nachkam. Heute wird der Journalismus nicht mehr als kulturelle Leistung begriffen, auf die wir ein Anrecht haben. Heute werden Redaktionen nicht anders gemanagt als eine Schraubenfabrik, auch wenn in ihr an den Stellschrauben der Gesellschaft gedreht wird, die inzwischen allerdings ein wenig überdreht wirken, denn es quietscht gewaltig im Gebälk…
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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.
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Bild: Talkshow-Moderator Markus Lanz
Bildquelle: EUS-Nachrichten / shutterstock