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In diesem Artikel soll zunächst in erster Linie ein Teilaspekt der Diskussion beleuchtet werden, ob Erdöl alleine durch fossile Artefakte entstand, oder abiogen direkt aus den unteren Schichten der Erdkruste "synthetisiert", besser gesagt, gebildet wird. Es geht um die wirtschaftlichen Interessen.
Ein Meiungsbeitrag von
In diesem Artikel soll zunächst in erster Linie ein Teilaspekt der Diskussion beleuchtet werden, ob Erdöl alleine durch fossile Artefakte entstand, oder abiogen direkt aus den unteren Schichten der Erdkruste „synthetisiert“, besser gesagt, gebildet wird. Es geht um die wirtschaftlichen Interessen.
Ein Meiungsbeitrag von Jochen Mitschka.
Wissenschaft ist zäh darin, die eigenen Erkenntnisse zu verteidigen, auch wenn sie, oft durch Außenseiter, infrage gestellt werden. Und es dauert oft Jahrzehnte, bis sich eine neue These durchgesetzt hat. Früher waren es nur die Egos der Mainstream vertretenden Wissenschaftler, aber seit hundert Jahren kommen handfeste wirtschaftliche Gründe dazu.
Während man bei politischen Thesen nicht alle Argumente der Mainstream-Medien wiederholen und widerlegen muss, weil das zu viel der wertvollen Aufmerksamkeitsspanne des Medienkonsumenten kostet, ist es bei umstrittenen wissenschaftlichen Themen anders. Politische Entscheidungen verändern sich nicht. Aber „wissenschaftliche“ Erkenntnisse sind Momentaufnahmen von Annahmen.
Eine keineswegs neue These über die Entstehung von Erdöl – nicht aus fossilen Stoffen, sondern aus dem Erdinneren selbst und als nie versiegender Rohstoff – beflügelt derzeit wieder die alternativen Medien.
Dieser erste Artikel geht der Frage nach, welche wirtschaftlichen Gründe für oder gegen die eine oder andere Hypothese sprechen – ein Vorgehen, das man auch in anderen Fragen gerne an den Anfang stellt, um zu sehen, welche Interessen hinter der Vertretung bestimmter Narrative oder Hypothesen stehen. Ergänzt wurde diese Fassung um eine Prüfung der wichtigsten faktischen Behauptungen sowie um Belege und Quellen, damit die wirtschaftliche Interessenanalyse auf einem soliden Boden steht. Also fragen wir uns heute: Wer profitiert von welcher Theorie – und was sagt der Befund dazu?
Wirtschaftliche Hintergründe der BIOGENEN (Mainstream) Theorie
Die wirtschaftliche Dominanz der biogenen Theorie beruht hauptsächlich auf ihrer extremen Praxisrelevanz für die globale Wirtschaft.
Wirtschaftliche Kritik (Argumente der Gegner):
Wirtschaftliche Hintergründe der ABIOGENEN (Gegen-)Theorie
Die abiogene Theorie (Erdöl entsteht unerschöpflich im Erdmantel) wird meist von Akteuren eingebracht, die das bestehende Marktmonopol herausfordern wollen.
Interessen, die FÜR diese Theorie sprechen:
Wirtschaftliche Risiken (Gegenargumente):
Schauen wir uns näher den Siljan-Fall an.
Es gibt einen Großversuch, der von beiden Seiten als Argument verwendet wird. Der Astrophysiker Thomas Gold, der prominenteste westliche Vertreter der abiogenen These und Autor des Buches „The Deep Hot Biosphere“, sagte 1986 voraus, dass die tiefe Granitstruktur des Siljan-Rings in Mittelschweden ein „Ölfeld von Weltklasse-Dimension“ enthalten könnte. Die schwedische Vattenfall bohrte daraufhin zwei Löcher bis in fast sieben Kilometer Tiefe. Über mehrere Jahre wurden dabei tatsächlich Spuren von Kohlenwasserstoffgasen sowie insgesamt rund 84 Barrel einer öligen, schwarzen Substanz gefördert.
Kommerziell war das Projekt ein Fehlschlag. Aber weder belegt es noch widerlegt es eine der Thesen. Entscheidend könnte aber sein, woher dieses „gefundene“ Öl laut späteren Analysen stammen könnte. Eine Untersuchung im Journal of Petroleum Technology kam bereits 1989 zu dem Schluss, dass das gefundene schwarze, teerartige Material überwiegend aus veränderten Bohrschmiermitteln (biologisch abbaubares Schmiermittel, vermischt mit Dieselöl) stammte – also aus der Bohrflüssigkeit selbst, nicht aus dem Erdmantel.
Eine umfassendere geochemische Untersuchung, veröffentlicht in Organic Geochemistry, ordnete das übrige, tatsächlich „natürliche“ Öl anhand von Biomarkern und Kohlenstoffisotopen eindeutig einem ganz gewöhnlichen, biogenen Ursprung zu: Es stammt überwiegend aus dem organisch-reichen, marinen Muttergestein der ordovizischen Fjäcka-Schiefer in der unmittelbaren Umgebung, das durch den Meteoriteneinschlag lokal erhitzt und in Bewegung gesetzt wurde. Eine 2019 in Nature Communications erschienene Studie zu mikrobiellem Leben im Siljan-Krater fasst den heutigen Stand so zusammen:
Der Ursprung der gefundenen Kohlenwasserstoffe bleibe zwar wegen möglicher Kontamination umstritten, doch gelte Golds Theorie inzwischen als widerlegt und sei von neueren Modellen der tiefen Kohlenwasserstoffbildung abgelöst worden. Aber auch das sollte man lediglich als vorübergehende Annahme ansehen, wie so viele „Erkenntnisse“ der Wissenschaft. Denn natürlich könnten Teile des gefundenen Öls aus der These von Gold stammen, wurden aber durch Bohröl verunreinigt, weshalb man es derzeit nicht als Beweis für seine These anerkennen will.
Der Siljan-Ring ist deshalb kein neutrales „weder-noch“, sondern der bislang gründlichst untersuchte Test von Golds konkreter Vorhersage unter realen Bedingungen – und er fiel zunächst negativ für die abiogene These aus. Ganz sicher, was die wirtschaftliche Förderung von Öl angeht.
Dafür beschreibt Wikipedia aber Prognosekarten nach abiotischen Theorien von russischen Wissenschaftlern, welche tatsächlich später durch Funde bestätigt wurden. Funde, welche allerdings mit herkömmlichen Prognosemethoden erstellt wurden. Also wieder ein „auch, aber“.
Möglicherweise fehlt noch die lange Erfahrung und die Techniken der Prognosen, welche die Vertreter der biogenen These schon lange entwickelt haben und ständig verbessern?
Abiogenes Methan existiert – aber nicht als förderbares Erdöl
Auch schnell noch ein Vorgriff auf Erklärungen außerhalb der wirtschaftlichen Interessen, die eigentlich nur in diesem Artikel beleuchtet werden sollten, weil wichtig für ein ausgewogenes Bild: Abiogene Kohlenwasserstoffbildung ist kein reines Phantasieprodukt, sondern in einem eng umrissenen Bereich anerkannte Wissenschaft. Am „Lost City“-Hydrothermalfeld im Atlantik etwa entsteht durch die sogenannte Serpentinisierung – eine chemische Reaktion von Meerwasser mit Mantelgestein – nachweislich Methan und Wasserstoff ganz ohne biologisches Ausgangsmaterial. Auch auf dem Saturnmond Titan gibt es riesige Mengen an Methan, die zweifellos nicht von toten Organismen stammen.
Diese Prozesse liefern jedoch – nach heutigem Kenntnisstand(!) – nur geringe Mengen einfacher Moleküle wie Methan, keine komplexen, in Lagerstätten konzentrierten Erdölvorkommen, wie sie die Industrie benötigt und fördert. Der Unterschied zwischen „abiogenes Methan existiert lokal“ und „die Weltölversorgung ist unerschöpflich, weil sie aus dem Mantel nachströmt“ ist beträchtlich – und genau dieser Unterschied geht in der populären Debatte oft verloren. Möglicherweise wird am Ende kein „Entweder / Oder“ herauskommen, sondern ein „Auch / Aber“.
Aber das müsste in einem zusätzlichen Artikel noch einmal näher untersucht werden.
Der blinde Fleck
Der eigentliche blinde Fleck in dieser Debatte ist ein logischer, kein geologischer: Das dokumentierte, wirtschaftlich motivierte Aufblähen offizieller Ölreserven durch OPEC-Staaten wird in Teilen der alternativen Medienlandschaft gerne als indirekter Beleg für „unerschöpfliches“ Öl herangezogen. Das ist ein Fehlschluss. Es waren wirtschaftliche Gründe, verbunden mit dramatischen Verbesserungen der Förder- und der Explorationstechnik. Dass Staaten aus Eigeninteresse Zahlen manipulieren, sagt nichts darüber aus, wie das Öl geologisch entstanden ist. Beide Fragen – „Wird die Knappheit politisch übertrieben?“ und „Ist Öl biogenen oder abiogenen Ursprungs?“ – sollten vollständig unabhängig voneinander zu beantworten sein.
Ein zweiter blinder Fleck: Beide Argumentations-Lager haben ein erkennbares Eigeninteresse an ihrer jeweiligen Erzählung, das unabhängig vom wissenschaftlichen Befund besteht – die etablierte Industrie am Fortbestand ihres Wissensmonopols und ihrer Bewertungsmodelle, geopolitische Herausforderer und Teile der fossil-skeptischen Gegenbewegung an einer Erzählung, die westliche Energiekonzerne und die OPEC gleichermaßen delegitimiert. Diese Interessenlage macht keine der beiden Seiten automatisch unglaubwürdig – aber sie ist ein Grund, gerade bei diesem Thema besonders genau auf die jeweilige Beleglage statt auf die politische Attraktivität einer These zu schauen.
Zusammenfassung
Die Ölindustrie nutzt die biogene Theorie, weil sie kalkulierbare Modelle liefert, mit dem bestehenden Finanzsystem kompatibel ist und – als Nebeneffekt – Preisdruck rechtfertigen kann. Die abiogene Theorie wird primär von geopolitischen Herausforderern oder Kritikern des bestehenden Energie- und Finanzsystems vertreten, hat sich aber in ihrem bisher prominentesten Praxistest – dem Siljan-Ring – als sowohl wirtschaftlich unrentabel als auch geochemisch nicht bestätigt erwiesen.
Zusammenfassend was den wirtschaftlichen Druck angeht, der auf einer Seite für die These spricht, ist natürlich Big-Pharma und das Kartell der ölfördernden Staaten, übrigens im Einklang mit denjenigen, welche Förderungen zur Entwicklung alternativen Energien erhalten, überwältigend. Entsprechend fällt auch die abiogiene These wirtschaftlich „in ein tiefes Loch„.
In beiden Fällen bestehen starke wirtschaftliche Interessen, die für die eine oder andere Hypothese sprechen bzw. Analysen beeinflussen. Der Siljan-Fall wird als „rauchender Colt“ gegen die abiogene These angeführt. Aber auch das kann eine vorübergehende „Annahme“ sein. Offen bleibt, wie es sich mit anderen, weniger gut untersuchten Fällen verhält.
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Für den interessierten Leser hier noch mal einige der wichtigen in diesem Artikel angeschnittenen Berichte und Artikel.
(1) Oil & Gas Journal – OPEC’s challenge: Rethinking its quota system
(2) AGSI – Saudi Oil Reserves: A Riddle, Wrapped in a Mystery, Inside an Enigma
(3) Cato Institute – Misperceptions of OPEC Capability and Behavior
(5) Oil & Gas Journal – Sweden’s Siljan Ring well evaluated
(9) Lost City Hydrothermal Field – Übersicht
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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.
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Bild: Ölbohrinseln und Ölfässer vor Euro-Banknoten
Bildquelle: QQMinh88 / shutterstock