BSW-Anfrage ergibt: Pflegekosten in Berlin so hoch wie noch nie

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Kurz vor den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September kommt der Berliner Senat zu einem brisanten Ergebnis: Pflegeheime sind in Berlin so teuer wie noch nie. Der Eigenanteil beträgt im Schnitt fast 3.600 Euro im Monat – 2019 waren es noch rund 1.850 Euro monatlich.

Ein Drittel der Berliner Heimbewohner kann diese Summen nicht mehr aus eigener Kraft aufbringen und ist auf Sozialhilfe angewiesen, die das Land Berlin auszahlt. Über die dramatische Situation hatte zuerst die Berliner Zeitung berichtet.

Heraus kamen diese Ergebnisse dank einer Anfrage des Berliner BSW-Abgeordneten Alexander King unter dem Titel „Wer zahlt die Pflegekrise? Belastung von Pflegebedürftigen, Angehörigen und Sozialhilfe in Berlin“.

Auf Kings Homepage ist die Antwort der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege vom 30. Juli 2026 allerdings falsch verlinkt, sie findet sich jedoch auf der Seite des Berliner Abgeordnetenhauses.

Demnach gibt es in Berlin immer mehr Pflegebedürftige. Ihre Anzahl ist in den Jahren zwischen 2019 und 2023 von 158.500 auf 212.000 Personen gestiegen. Insbesondere die Gruppe der Hochbetagten über 80 Jahre, die auf Pflege angewiesen sind, wuchs stark: von 76.400 im Jahr 2019 auf 107.900 im Jahr 2023.

Die Anzahl der Pflegebedürftigen nahm bei allen Pflegegraden zu, besonders aber im Pflegegrad 1: von 12.589 Personen im Jahr 2019 auf 27.937 im Jahr 2023. Damit haben sich die Zahlen in diesem Bereich mehr als verdoppelt.

Bemerkenswert: Die Zahl derjenigen, die ergänzende Hilfe zur Pflege gemäß dem Sozialgesetzbuch XII benötigen, blieb in der Vergangenheit relativ stabil und schwankte – je nach Stichtag der Erhebung ‒ in den Jahren 2019 bis 2024 zwischen 17.000 und 23.000 Hilfsempfängern.

Die enormen Mehrausgaben von über 50 Prozent, die das Land Berlin für die Pflege bestreiten muss, liegen demnach nicht in der Zahl der Bedürftigen begründet, sondern in den wachsenden Ausgaben für die Pflege. 2019 waren es noch knapp 313 Millionen, 2024 dann bereits 475 Millionen Euro an Ausgaben für den Berliner Staatshaushalt. Besonders stark war der Anstieg bei der ambulanten Pflege.

33 Prozent der Menschen in vollstationärer Betreuung konnten im Jahr 2023 die Heimkosten nicht aus eigenen Mitteln bestreiten und waren auf ergänzende Sozialhilfe angewiesen. Neuere Zahlen nannte der Berliner Senat nicht. Sie sind also womöglich sogar gestiegen. Denn während der Eigenanteil für einen Aufenthalt in einem Berliner Pflegeheim im Jahr 2019 bei 1.848 Euro lag, betrug er 2023 bereits 2.451 Euro und erreichte im Jahr 2026 3.565 Euro.

Und die Lage um die Pflege in Berlin könnte sich noch weiter zuspitzen. Denn bisher steigen die staatlichen Zuschüsse zu den Heimkosten, je länger sich der Pflegebedürftige im Heim aufhält. Der Referentenentwurf zur Pflegereform der Bundesregierung sieht jedoch vor, diese Leistungszuschläge in der vollstationären Pflege zu strecken.

Die erste Zuschuss-Erhöhung käme dann nicht mehr nach 12 Monaten im Heim, sondern erst nach 18 Monaten. Die höchste Stufe mit 75 Prozent Zuschuss fiele künftig erst nach 54 Monaten, nicht mehr wie bisher nach 36 Monaten an.

Der Senat lehnte in seiner Antwort eine solche Streckung der Leistungszuschläge ausdrücklich ab, da sie eine „erhebliche Mehrbelastung“ für Heimbewohner und folglich auch für kommunale Sozialhilfeträger zur Folge hätte. Dies stelle eine Kostenverlagerung zulasten der Pflegebedürftigen dar. Konkrete Zahlen der zu erwartenden Ausgaben konnte der Senat jedoch noch nicht nennen.

Für den BSW-Politiker Alexander King ist die vom Berliner Senat erteilte Antwort ein Anlass, die geplante Pflegereform der Bundesregierung scharf zu kritisieren. Gegenüber der Berliner Zeitung äußerte er die Ansicht, dass auch diese Reform, wie bereits die Reformen bezüglich der gesetzlich Versicherten, „voll zulasten der Länder“ gehe. Das Land Berlin gebe schon jetzt viel mehr als früher aus und müsse sich nun auf einen weiteren Kostenanstieg einstellen.

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