Digitale Souveränität: Afrika muss die Kontrolle über Daten und KI-Technologie erlangen

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Von Nicholas Mwangi

Künstliche Intelligenz (KI) hat sich zu einer der bestimmenden Technologien des 21. Jahrhunderts entwickelt. Regierungen, Unternehmen und internationale Organisationen präsentieren sie als Motor einer neuen Industriellen Revolution, die in der Lage ist, das Gesundheitswesen, die Landwirtschaft, das Bildungswesen, den Finanzsektor und die Regierungsführung zu transformieren. Doch der Optimismus im Globalen Süden ist mit schwierigen Realitäten und Fragen hinsichtlich der Infrastrukturkapazitäten, des Eigentums an Daten und der Kontrolle über die Technologie im Kontext von Geopolitik und Entwicklung konfrontiert.

Für Afrika ist diese Frage besonders dringlich. Der Kontinent besitzt viele der für KI-Hardware benötigten strategischen Mineralien, hat eine der weltweit am schnellsten wachsenden digitalen Bevölkerungen und generiert durch mobile Technologien und digitale Plattformen enorme Datenmengen. Trotz dieser Vorteile hat er eine seit langem bekannte historische Position als Rohstofflieferant, Produzent wertvoller Ressourcen und als Konsument von Technologien, die anderswo entwickelt wurden.

Digitale Souveränität in Afrika

Digitale Souveränität stellt daher weit mehr dar als nur technologischen Fortschritt. Sie betrifft politische Unabhängigkeit, ökonomische Gerechtigkeit und die Fähigkeit afrikanischer Gesellschaften zu bestimmen, wie digitale Technologien gestaltet, geregelt und genutzt werden.

Afrika geht jedoch aus einer Position struktureller Abhängigkeit in diesen technologischen Wandel hinein.

Im Gespräch mit BreakThrough News erklärt der Analyst und Politikstratege Kambale Musavuli:

„Wenn wir von digitaler Souveränität sprechen, dann sprechen wir vom Eigentum an der Infrastruktur, auf der der digitale Raum funktioniert. In den meisten Fällen kontrollieren wir diese nicht.“

Seine Beobachtung trifft den großen Widerspruch, mit dem der Kontinent konfrontiert ist. Afrikaner nutzen digitale Technologien zunehmend im Alltag, aber die Infrastruktur, die diese Technologien ermöglicht, besitzen, finanzieren oder kontrollieren überwiegend ausländische Konzerne.

Der Analyst fügt hinzu:

„Wenn man sich die Investitionen in die Unterseekabel ansieht – wer sind die Investoren, die Geld in den Aufbau unseres sogenannten Internets stecken, das wir nutzen? Meistens ausländische.“

Afrikas Internet hänge von Unterwasser-Glasfaserkabeln, Cloud-Diensten, Hyperscale-Rechenzentren, Satellitensystemen und zunehmend von KI-Computing-Infrastruktur ab. Das Eigentum bleibe weiterhin bei multinationalen Technologiekonzernen und internationalen Investoren konzentriert.

„Die meisten Rechenzentren auf dem gesamten Kontinent sind ebenfalls in ausländischem Besitz oder werden aus dem Ausland finanziert … meist in Sonderwirtschaftszonen, was bedeutet, dass sie möglicherweise nicht der Rechtshoheit des jeweiligen Landes unterliegen“, merkt Musavuli an.

Das Eigentum an der Infrastruktur ist nicht nur eine technische Frage. Die Cloud-Infrastruktur beispielsweise kontrolliert, wo Daten gespeichert werden, wie sie verarbeitet werden, welche Gesetze zur Anwendung kommen und wer letztlich wirtschaftlich von digitalen Diensten profitiert.

Daten: Afrikas neue strategische Ressource

Jede Interaktion im Internet erzeugt Daten. Systeme künstlicher Intelligenz sind auf diese riesigen Datensätze angewiesen, um Muster zu lernen, ihre Leistung zu verbessern und immer komplexere Ergebnisse zu generieren.

Musavuli nennt zwei unverzichtbare Grundlagen moderner KI:

„Es gibt zwei Kernelemente, die aus KI das machen, was sie ist: kritische Mineralien und Daten. Ohne kritische Mineralien, ohne Daten ist KI nur eine Technologie, die existiert.“

Afrika liefert beides. Allein die Demokratische Republik Kongo produziert etwa 70 Prozent des weltweiten Kobalts, während Länder wie Sambia, Simbabwe, Namibia und Südafrika bedeutende Vorkommen an Lithium, Graphit, Mangan, Nickel und seltenen Erden besitzen, die für die KI-Infrastruktur, die Batterie- und die Halbleiterproduktion unverzichtbar sind.

Dies ähnelt früheren Formen kolonialer Ressourcenausbeutung.

„Zudem werden die von Menschen erzeugten Daten überall auf der Welt kostenlos gesammelt. Ohne diesen Datensatz hätte die KI nicht die Stärke, die sie hat.“

Musavuli zieht einen direkten historischen Vergleich und fährt fort:

„Es ist eine ähnliche Form der Ausbeutung, wie sie schon früher geschehen ist … Wir begreifen nicht, dass hier eine extreme Ausbeutung von Mehrwert zugunsten sehr weniger Menschen stattfindet.“

Die durch diesen Prozess erzielten Gewinne verbleiben äußerst selten dort, wo die Daten ihren Ursprung haben.

Warum digitale/KI-Kompetenz in Afrika von Bedeutung ist

Digitale Souveränität lässt sich nicht ausschließlich durch staatliche Politik oder technologisches Investment erreichen. Sie erfordert auch das Verständnis der Öffentlichkeit.

Musavuli argumentiert, dass digitale Kompetenz zu einem demokratischen Projekt werden muss:

„Auf dem afrikanischen Kontinent sind wir größtenteils Konsumenten ausländischer Tools. Zwar gibt es Versuche, Technologie zu schaffen, die wir nutzen können, doch diese wird nicht breit genutzt. Wir sind also noch nicht dort, wo wir sein müssen.

Wir müssen unseren langen Weg zur digitalen Souveränität beginnen. Und dieser lange Weg wird viele Komponenten erfordern, aber eine der kritischsten ist, dass auf der Basisebene die Bürger verstehen müssen, was vor sich geht. Dies ermöglicht, dass politische Entscheidungsträger, Entwickler oder wer auch immer die digitale Souveränität gestaltet, von den Menschen zur Verantwortung gezogen werden können.“

Die meisten Diskussionen rund um KI seien nach wie vor auf technische Experten, multinationale Unternehmen und politische Entscheidungsträger beschränkt. Ohne ein breites gesellschaftliches Verständnis werde demokratische Rechenschaftspflicht jedoch unmöglich.

KI muss afrikanische Probleme lösen

Künstliche Intelligenz abzulehnen ist weder realistisch noch wünschenswert. Die Herausforderung ist vielmehr, sicherzustellen, dass KI afrikanische Prioritäten angeht, statt lediglich die Märkte für ausländische Technologieunternehmen zu erweitern.

Musavuli fordert, dass Afrika KI rund um konkrete Herausforderungen der Entwicklung aufbauen sollte.

„Ich möchte auf einem afrikanischen Kontinent leben, auf dem KI tatsächlich afrikanische Probleme löst.“

Gesundheitsversorgung, Landwirtschaft, Bildung, Katastrophenvorhersage, Sprachbewahrung, Klimaanpassung und öffentliche Verwaltung bieten allesamt Möglichkeiten, bei denen KI einen bedeutenden öffentlichen Nutzen erzielen könnte. Das Ziel sollte nicht technologische Nachahmung, sondern technologische Relevanz sein. KI sollte aus den afrikanischen Realitäten hervorgehen, statt lediglich importierte technologische Modelle zu reproduzieren.

Musavuli hinterfragt auch das vorherrschende Verständnis davon, was Dateninfrastruktur ausmacht:

„Timbuktu ist unser Datenzentrum.“

Anstatt afrikanische Wissenssysteme als Relikte der Vergangenheit zu betrachten, sieht er Archive, mündliche Überlieferungen, Geschichtenerzählen und indigenes Wissen als grundlegende Elemente zukünftiger KI-Systeme und hinterfragt die Annahme, dass KI ausschließlich auf der Grundlage westlicher Datensätze und Erkenntnistheorien aufgebaut werden muss. Stattdessen sollten afrikanische Sprachen, Geschichten, Archive und kulturelles Wissen zentral für die digitale Zukunft des Kontinents werden.

Hin zu digitaler Souveränität

Afrikas Zukunft im Bereich der KI kann nicht einfach darin bestehen, ausländische Technologien zu nutzen und gleichzeitig kritische Mineralien und wertvolle Daten zu exportieren.

Digitale Souveränität erfordert Investitionen in die gesamte Technologie. Sie erfordert auch eine stärkere kontinentale Zusammenarbeit durch Institutionen wie die Afrikanische Union, gemeinsame Regulierungsrahmen und Investitionen in gemeinsame Recheninfrastruktur, die in der Lage ist, in Afrika entwickelte KI-Systeme zu unterstützen. Damit wären sie ein Instrument für die Entwicklung, Würde und Selbstbestimmung Afrikas.

Aus dem Englischen übersetzt von Olga Espín.

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