Kulturkampf wegen Familienbild? Weidel kritisiert AfD-Landesverband in Sachsen-Anhalt

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Die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel hat sich von einer Passage des Wahlprogramms ihrer Partei für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im September distanziert. Darüber berichten diverse Medien unter Verweis auf ein Interview mit RTL/ntv, das am Rande des Parteitags in Erfurt geführt wurde. „Da gehe ich nicht mit“, soll Weidel in Bezug auf die angebliche Benachteiligung gleichgeschlechtlicher Beziehungen im Dokument des Landesverbands gesagt haben.

Wie das Gespräch verlief, ist in einem 40-sekündigen Video zu sehen, das RTL Aktuell in den sozialen Medien veröffentlichte. Im zusammengeschnittenen Interview wird deutlich, dass der Reporter die Parteichefin nahezu zu einer Aussage drängte, indem er sie mit Zitaten aus dem Wahlprogramm konfrontierte. Er fragte die Politikerin:

„Es geht wieder um Ihr Lebensmodell mit Ihrer Partnerin und Ihren zwei Kindern. Es wird darin als unnormal bezeichnet. Ist das für Sie okay, dass das in Ihrer Partei immer noch so gehandhabt wird?“

Gemeint sind vor allem Formulierungen wie diese: „Nur aus der Verbindung von Mann und Frau gehen Kinder und damit kommende Generationen hervor.“ Eine „intakte Familie bestehend aus Mutter, Vater und Kindern“ sei „erwiesenermaßen die beste Voraussetzung für eine gute und gesunde Kindesentwicklung“. Zudem verweist das Programm an anderer Stelle auf „nicht-normale Geschlechtsidentitäten“ oder „abseitige sexuelle Vorlieben“. Darauf antwortete Weidel laut Video:

„Wir leben mittlerweile in einer ganz anderen Realität. Gleichgeschlechtliche Beziehungen sind gleichwertig zu behandeln.“

Aus ihrer Sicht ist es jedoch legitim, sich in der Politik für die „traditionelle Familie“ einzusetzen. Wenn sie als Politikerin von einem gesellschaftlichen Zielbild rede – und das sei nun einmal die traditionelle Familie –, dann könne man sich dafür einsetzen, und das sei kein Widerspruch.

@rtlaktuell Im RTL-Interview kritisiert Alice Weidel Formulierungen im Sachsen-Anhalter AfD-Wahlprogramm: „Weil ich deutlich gesellschaftlich liberaler aufgestellt bin, weil ich es auch lebe.“ Die Co-Parteivorsitzende lebt in einer homosexuellen Beziehung – ein klarer Widerspruch zu einer Stelle im Wahlprogramm. ➡️ Mehr News gibt’s täglich bei RTL Aktuell – um 18:45 Uhr bei RTL oder jederzeit streamen auf RTL+ #Weidel #AfD #LGBTQ ♬ Originalton – RTL Aktuell

„Wenn es ein bisschen holprig formuliert ist, dann ist es eben so, da gehe ich aber nicht mit, weil ich deutlich gesellschaftlich liberaler eingestellt bin, weil ich es auch lebe. Ich lebe es“, so Weidel. 

An den neuen Realitäten lasse sich auch in der heutigen Zeit nichts mehr ändern. Andere Lebensformen seien als gleichwertig zu betrachten, betonte Weidel, etwa steuerlich oder erbrechtlich.

Weidel lebt mit ihrer Partnerin Sarah Bossard in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft und zieht gemeinsam mit ihr Bossards beide Söhne groß. Dazu sagte Weidel: „Wenn Sie mich persönlich fragen: Meine Kinder haben die beste Erziehung, die besten Voraussetzungen.“ Daran lasse sich in der heutigen Zeit nichts mehr ändern. „Und daran wollen wir auch nichts ändern.“

Viele Schwule sehen in ihrer Mitgliedschaft in der AfD keinen Widerspruch zu ihrer Lebensweise. Noch 2016 berichtete die Süddeutsche Zeitung über die „Bundesinteressengruppe Homosexuelle in der AfD“, deren Leitsatz lautete: „Schwulen und Lesben liegt Deutschland genauso sehr am Herzen wie jedem anderen liebenden Menschen mit einem Bezug zu Familie, Heimat und Nation.“

Kürzlich wurde der offen schwule Politiker aus Köln, Sven Tritschler, in den AfD-Bundesvorstand gewählt. Weidel hatte ihn im NRW-Wahlkampf persönlich unterstützt. „Viele Schwule haben es satt, dass sie von den Linken und den Grünen immer vereinnahmt werden. Und viele Schwule haben keine Lust auf diesen ganzen Gender-Blödsinn“, sagte er auf die Frage, ob er sich als Schwuler in der AfD wohl fühle. 

Was steht im Wahlprogramm?

In den aktuellen Umfragen kommt die AfD in Sachsen-Anhalt auf 41 Prozent, gefolgt von der CDU mit 23 und Die Linke mit 13 Prozent. Das AfD-Regierungsprogramm in diesem östlichen Bundesland misst dem Thema „Familie und Kinder“ höchste Priorität zu. Der Landesverband stellt eingangs fest, dass Deutschland „unter einem massiven Bevölkerungsrückgang“ leide. Familienförderung sieht er als das wirksamste Mittel gegen „Überalterung und das Aussterben des Deutschen Volkes“. Man müsse unter anderem eine „Willkommenskultur für Kinder“ einführen und die sogenannten „Gleichstellungsbeauftragten“ durch einen „Familienbeauftragten“ ersetzen. Von staatlichen Stellen dürften keine Bewerbung oder Förderung alternativer Lebensentwürfe ausgehen.

Zu einem möglichen Diskriminierungsvorwurf heißt es:

„Wenn einzig und allein die Familie unter dem besonderen Schutz des Staates steht, ist das keine Diskriminierung, weil die Maßnahme durch eine Fülle von Sachgründen legitimiert ist. Der Schutz und die Sonderstellung der Familie aus Vater, Mutter und Kindern sind daher beizubehalten und als gesellschaftspolitisches Ziel zu formulieren, um die Zukunft und den Fortbestand unseres Volkes zu garantieren.“

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