Russische Botschaft: Deutscher Verband schließt russische Gehörlose von Jugendspielen aus

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Eine Vielzahl von weltweit agierenden Sportverbänden hat mittlerweile den Ausschluss russischer Athleten von Wettkämpfen aufgehoben; Sportler dürfen – teils unter Auflagen – wieder an sportlichen Großereignissen teilnehmen. Ein deutscher Sportverband schwimmt jedoch gegen den Strom und schließt ausgerechnet Kinder und Jugendliche von einem in Deutschland stattfindenden Wettkampf aus.

Erstmalig werden vom 17. bis zum 23. August 2026 die Europäischen Jugendspiele für Gehörlose (European Deaf Youth Games EDYG26 ) abgehalten. Geplanter Austragungsort ist Hannover, als Ausrichter werden der Deutsche Gehörlosen-Sportverband e. V. (DGSV), die Deutsche Gehörlosen Sportjugend im DGSV (DGSJ), die EDSO (European Deaf Sport Organization) sowie das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend genannt.

Junge schwerhörige oder gehörlose Sportler aus den Geburtsjahrgängen 2008 bis 2014 können sich dann in den Sportarten Leichtathletik, Badminton, Basketball, Beachvolleyball, Futsal, Judo, Karate, Taekwondo, Tennis, Tischtennis sowie Orientierungstauchen miteinander messen. In der Einladung heißt es:

„Wir heißen alle jungen Sportler aus ganz Europa zu einer multikulturellen Sportveranstaltung in Hannover herzlich willkommen.“

Offenbar sind jedoch nicht alle jungen Europäer willkommen – oder junge Russen zählen für die Veranstalter nicht zu den Europäern. Denn wie die Botschaft der Russischen Föderation in Deutschland heute auf ihren Social-Media-Kanälen mitteilte, liegen ihr Informationen über den Ausschluss russischer Sportler von den Wettkämpfen vor.

Demnach verweigert der DGSV in Absprache mit der Bundesregierung den russischen Kindern und Jugendlichen die Teilnahme an den EDYG26-Spielen. Als Begründung soll der deutsche Gehörlosen-Sportverband gegenüber der europäischen Dachorganisation EDSO angegeben haben, dass das deutsche Volk die Partizipation russischer Sportler nicht akzeptieren würde.

Die russische Botschaft nannte diese Argumentation in ihrer Stellungnahme „befremdlich“ und „abwegig“. Ein einzelner nationaler Sportverband könne sich nicht anmaßen, im Namen des deutschen Volkes zu sprechen. Außerdem hätten in diesem Jahr bereits junge russische Sportler bei den Wassersport-Junioren-Europameisterschaften in München teilgenommen, ohne dass es zu Protesten seitens des deutschen Publikums gekommen sei.

Die diplomatische Vertretung wies des Weiteren darauf hin, dass die Entscheidung des DGSV gegen einen Beschluss des Exekutivrats des International Committee of Sports for the Deaf (ICSD) verstoße, der im März 2026 russischen Nachwuchssportlern die Teilnahme an Wettkämpfen erlaubt hatte, ausdrücklich unter Einbeziehung der russischen Nationalhymne und der Nationalflagge.

Auch verletze der Ausschluss von den Spielen in Hannover das Diskriminierungsverbot der Olympischen Charta. Die Botschaft appellierte: Junge Menschen mit Behinderung dürften „nicht zum Spielball politischer Interessen oder kurzfristiger politischer Erwägungen werden“.

Scharfe Kritik an der Maßnahme kam von der russischen Olympiasiegerin im Eisschnelllauf und Duma-Abgeordneten Swetlana Schurowa. Sie nannte gegenüber der Nachrichtenagentur TASS den Ausschluss „schlichtweg unmenschlich“.

Einen ähnlichen Ton schlug Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, an. Sie bezeichnete das Vorgehen des deutschen Verbandes als eine „moralische Abscheulichkeit“. Ohne den Sieg der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg würden behinderte Menschen in Deutschland weiterhin Gefahr laufen, mittels Euthanasie-Programmen ermordet zu werden. Sacharowa erklärte, ebenfalls gegenüber der TASS :

„Die Nichtzulassung russischer Sportler durch Deutschland und die Schaffung von Hindernissen für Menschen mit Behinderung sind ein Beweis für die moralische Verkommenheit eines bestimmten Teils des deutschen politischen Establishments.“

Eine Stellungnahme des Veranstalters der EDYG26 zu den Vorwürfen von russischer Seite liegt bisher noch nicht vor.

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