Sorry, Verschwörungstheoretiker: Lindsey Graham ist eure Mühe nicht wert

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Von Rachel Marsden

Manche Typen sterben, wenn sie beim Anziehen der Hose die Treppe hinunterfallen. Lindsey Graham fand sein Ende auf weitaus langweiligere Weise. Sorry, falls das enttäuscht.

Sein Tod ist eine Geschichte, so alt wie die Welt selbst. Ein Mann mit einem medizinisch dokumentierten Herzleiden erlitt zu Hause eine tödliche Herzattacke – ungefähr in demselben Alter, in dem auch sein eigener Vater starb. Alles ist ziemlich offensichtlich. Und langweilig. Für manche Leute offenbar viel zu banal.

Es scheint bereits eine Überschneidung zu geben zwischen den Menschen, die bei Frauen wie Michelle Obama und Brigitte Macron Penisse herbeifantasieren, und jenen, die glauben, dass Grahams Tod eine direkte Folge davon sei, dass ein ausländischer Gegner sich daran aufgegeilt habe. Diese Leute sollten sich aus ihrem virtuellen Irrenhaus ausloggen und mal wieder Gras anfassen.

Graham war gerade aus der Ukraine zurückgekehrt, wo er eine Waffenfabrik besichtigt hatte. Daher gehen einige dieser Menschen natürlich davon aus, dass Putin seinen Tod angeordnet habe. Das Problem dabei ist nur, dass er zu Hause auf der anderen Seite der Welt starb. Wie lässt sich das also mit einem Auftragsmord vereinbaren? Anscheinend ganz einfach: Das eingesetzte Gift habe zeitverzögert gewirkt. Ach ja, natürlich. Oder vielleicht ließ Putin ihn in der Ukraine bombardieren, doch Grahams Kumpanen verschworen sich, ihn à la „Immer Ärger mit Bernie“ bis nach Hause, nach Washington, zu schaffen, um Putin bei der Krisenbewältigung ein wenig unter die Arme zu greifen.

Es wäre viel weniger dramatisch anzuerkennen, dass Graham schlicht bei seiner Lieblingsbeschäftigung starb – bei dem also, womit er die meiste Zeit verbrachte: sich Methoden auszudenken, wie die USA anderen Nationen auf perverse Weise Leid zufügen könnten, weil diese sich weigern, sich auf erste Aufforderung hin zu unterwerfen. Ich persönlich schwimme gerne. Sehr gerne sogar. Würde ich eines Tages im Schwimmbecken sterben, würde sich niemand darüber wundern. Wer Unmengen Zeit vor dem Fernseher verbringt, erhöht seine Chancen, genau dort zu sterben. Dass also dieser Kriegstreiber unmittelbar nach Abschluss seiner letzten „Kriegstreiber-Tour“ verstorben ist, passt ins Bild.

Doch manchen Menschen fällt es offenbar schwer, diese schlichte Erklärung zu akzeptieren. Schließlich glauben sie, dass es in den Ländern, gegen die Graham seine Kriegstreiberei richtete, viele Menschen gebe, die ihm den Tod wünschten. Die Neokonservativen, die Graham liebten, halten genau das für zutreffend. Das Gleiche denken auch jene, die ihn aus denselben Gründen hassten und sich darüber freuen, dass er „aus dem Weg geräumt“ wurde.

Sie übertreiben seine Bedeutung viel zu sehr. Er ist eigentlich keine dieser Theorien wert. Ist ihnen nicht in den Sinn gekommen, dass ihn diejenigen, die er ins Visier nahm, eher als einen Zirkusclown denn als irgendetwas anderes sahen? Sie sagen: „Aber Israel hat ihn getötet, um den Krieg gegen Iran am Laufen zu halten!“ Als ob Trump dafür noch jemanden bräuchte, nachdem er sich mit den Iranern längst auf einen „Schwanzvergleich“ eingelassen hatte.

Oh, aber Graham habe doch Einfluss auf Trump gehabt! Er habe Trump dazu gedrängt, noch mehr amerikanisches Geld für Waffen „für die Ukraine“ auszugeben! Ja, ja – und natürlich wird das alles jetzt, da er nicht mehr da ist, sofort aufhören, nicht wahr? Trumps zwei Söhne, die offen von Pentagon-Geldern für ukrainische Drohneninvestitionen profitieren, werden nun sicher verlangen, dass sich ihr Vater aus der ganzen Sache zurückzieht, nur weil Lindsey Graham nicht mehr da ist.

Wenn es tatsächlich eine Lösung für den Frieden wäre, Personen aus dem Weg zu räumen, die die aktuelle Version der amerikanischen Kriegsmaschinerie antreiben, dann wäre der Anfang mit der Beseitigung von Lindsey Graham ungefähr so, als würde man das Krümelmonster töten, um das Franchise der Kinderserie „Sesamstraße“ zu Fall zu bringen: „Manche sagen, ich wolle zu viele Kekse. Das stimmt nicht. Ich will so viele Kekse, wie nötig sind, um die Vorherrschaft der Kekse über Generationen hinweg zu sichern… Kritiker fragen: ‚Wie viele Kekse braucht das Krümelmonster?‘ Ich frage: ‚Wie viele Kekse verstecken unsere Feinde?'“

Einer der Clowns begab sich einfach in das große Weltraumzelt – und im Grunde ändert sich kaum etwas. Graham war nur einer von vielen bei America Inc., wo es immer genügend Ersatzleute gibt.

Um es ganz klar zu sagen: Schlecht über Tote zu reden, ist eigentlich nicht mein Ding. Was soll das überhaupt bringen? Schließlich brauchte das Karma keine Hilfe mehr, nachdem es den Amboss bereits auf jemanden hatte fallen lassen. Niemand musste das Opfer anschließend mit einem Klappstuhl fertigmachen. Aber jede würdige Erinnerung an ein Leben setzt Reflexion über dieses Leben voraus. Und wenn dieses Leben ständig darin bestand, Kriege zu propagieren, bleibt da nicht viel Spielraum.

Seine Verteidiger verweisen nun darauf, dass er eigentlich ein großartiger Typ gewesen sei: Sein Vermögen zum Zeitpunkt seines Todes deute darauf hin, dass er keine Schmiergelder von den Rüstungsunternehmen angenommen habe, denen er dauerhaft als Lobbyist diente. „Der Senator starb mit einem Vermögen von rund 1,4 Millionen US-Dollar. Aus den im Mai veröffentlichten Angaben gegenüber dem Kongress geht eine untere Schätzung von etwas mehr als 600.000 US-Dollar und eine obere Schätzung von etwas mehr als 2,2 Millionen US-Dollar hervor“, berichtete das grotesk neokonservative Medium Fox News.

Selbst wenn man diese Behauptung für bare Münze nimmt: Bedeutet das etwa, dass der moralische Maßstab nun darin liegt, so aufrichtig von Krieg und Waffen besessen zu sein, dass man sich aus innerster Überzeugung und ohne finanziellen Anreiz dafür einsetzt? Macht das die Sache nicht erst recht schlimmer? Es scheint, als wäre zumindest „Geld für Krieg“ ein weniger widerwärtiges Motiv als die bloße Freude daran, Werkzeuge des Todes und der Zerstörung zu verkaufen.

„Ich kann jetzt nicht sterben. Ich muss noch die Russland-Sanktionen durchsetzen, die Iran-Frage klären und die Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und Saudi-Arabien vorantreiben“, soll Graham laut Fox News kurz vor seinem endgültigen Ableben zu einer ihm nahestehenden Person gesagt haben. Wie sich herausstellte, hat ihn der ultimative Regimewechsel des Karmas zuerst eingeholt.

So kann man nun dauerhaft in der Vergangenheitsform vom US-Senator Lindsey Graham sprechen. Leider gilt das nicht für all seine Lieblingsanliegen, die den Planeten weiterhin heimsuchen. Denn die Kriegsmaschinerie ist unsterblich. Sie kann es sich problemlos leisten, jedes einzelne Maskottchen zu verlieren und einfach weiterzukassieren.

Übersetzt aus dem Englischen.

Rachel Marsden ist eine Kolumnistin, politische Strategin und Moderatorin unabhängig produzierter Talkshows auf Französisch und Englisch.

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