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Die Gaspreise in Europa haben zum ersten Mal seit dem 30. März die Marke von 650 US-Dollar pro 1.000 Kubikmeter überschritten. Dies geht aus Daten der ICE-Börse hervor.
Die Gasnotierungen an der Börse stiegen am 2. März – dem ersten Handelstag nach Beginn der Angriffe der USA und Israels auf Iran – sprunghaft an und erreichten am 19. März einen neuen Rekordwert von 853,7 US-Dollar pro 1.000 Kubikmeter, als Katar, der weltweit größte LNG-Produzent, seine Produktion drastisch drosselte. Deutlich höher lagen die Gaspreise zu Beginn der akuten Phase des Ukraine-Konflikts in den Jahren 2021/2022 – damals erreichten sie mehrere tausend Dollar. So erklommen die Notierungen beispielsweise im Frühjahr 2022 einen historischen Höchststand von 3.892 US-Dollar pro 1.000 Kubikmeter.
Nun scheinen die europäischen Länder ihre Gaslieferungen zwar diversifiziert zu haben und sind nicht mehr so stark von russischen Lieferungen abhängig, doch die Krise im Nahen Osten hat die EU nunmehr eingeholt. Aufgrund der fast ununterbrochenen Blockade der Straße von Hormus gibt es laut Experten derzeit keine Hoffnung auf einen baldigen Rückgang der Gasbörsenpreise. Dabei ist die Entwicklung der Gaspreise in Europa in den letzten Jahren und Monaten wohl beispiellos. So anhaltend hohe Preise gab es in der gesamten Geschichte der Gasverteilungszentren in Europa – seit 1996 – noch nie.
Zuvor war bekannt geworden, dass Frankreich mit dem Verbrauch der für den Winter angelegten Gasreserven begonnen hat. So stellte die Nachrichtenagentur RIA Nowosti nach einer Auswertung der Daten des Verbandes der europäischen Gasinfrastrukturbetreiber (Gas Infrastructure Europe, GIE) fest, dass das Land Anfang Juli über 200 Millionen Kubikmeter Gas aus den unterirdischen Gasspeichern entnommen hat: Die für die winterliche Heizperiode bestimmten Vorräte müssen aufgrund des massiven Einsatzes von Klimaanlagen bereits im Sommer aufgebraucht werden. Die Agentur schrieb:
„Unterirdische Gasspeicher werden traditionell im Sommer befüllt, um eine Brennstoffreserve für den Winter anzulegen. In der Heizperiode wird das gespeicherte Gas zur Sicherstellung einer stabilen Wärmeversorgung genutzt. In Frankreich wird derzeit jedoch fast die Hälfte des in die Speicher gepumpten Gases sofort wieder entnommen.„
Dabei seien die Einspeiseraten in die Gasspeicher in Frankreich aktuell außergewöhnlich niedrig, betonte die Agentur. Diese Situation ist heute angesichts der Abkehr von russischen Energieträgern und der Krise im Nahen Osten die neue Normalität in den EU-Ländern.
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