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Zahl der Haftplätze in Deutschland geht zurück, Zahl der Häftlinge nicht

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Wie die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) am Montagmorgen berichtete, ergab eine Befragung der 16 Landesjustizministerien, dass in bundesdeutschen Gefängnissen eine große Anzahl an Haftplätzen fehlt – die Lücke ist so groß wie seit sieben Jahren nicht mehr. Demnach haben die Bundesländer seit dem Jahr 2019 insgesamt 1.755 Haftplätze abgebaut. Damit sind in ganz Deutschland derzeit nur noch 70.027 Unterbringungsplätze in Haftanstalten vorhanden.

Die Anzahl der Inhaftierten zeigt hingegen eine entgegengesetzte Tendenz: Nach einer Delle in der Corona-Zeit steigt sie seit einigen Jahren wieder beständig an. Waren es zu Pandemie-Zeiten durchschnittlich 56.000 Inhaftierte, betrug die bundesweite Durchschnittszahl im Jahr 2025 rund 60.000 Gefängnisinsassen. Die Gefangenenzahl ist damit auf das Niveau der Vor-Corona-Jahre zurückgeschnellt.

Rein rechnerisch sind damit zwar immer noch rund 10.000 freie Haftplätze vorhanden. In der Realität jedoch sind diese noch nicht belegten Plätze regional sehr unterschiedlich verteilt und die Häftlinge lassen sich aufgrund des Wohnortprinzips nicht nach Belieben in andere Bundesländer verschieben. So kann es sein, dass manche Haftanstalten eine komplette Auslastung melden, während andere noch über Kapazitäten zur Aufnahme verfügen.

Besonders betroffen von dem Verlust an Zellen im Strafvollzug sind die Bundesländer Berlin, Bayern und Hessen. Dies hat mehrere Gründe: Ein zeitweiser Rückgang an verbüßten Haftstrafen führte dazu, dass man von einem geringeren Bedarf ausging. Ältere Haftanstalten wurden gleich ganz geschlossen.

Berlin verlor fast zehn Prozent seiner Haftplätze und ist damit Spitzenreiter unter den Bundesländern. Gegenüber der NOZ erklärte die Berliner Justizverwaltung, dass es sich dabei nicht um eine absichtliche Entwicklung gehandelt habe. Vielmehr saniere man alte Gebäudeteile von Berliner Gefängnissen, die während dieser Zeit als Unterbringungsmöglichkeit ausfielen. Neue gesetzliche Vorgaben würden die Baumaßnahmen erforderlich machen. Auch Gesetzesverschärfungen bei der Drogenkriminalität bewirken, dass mehr Straftäter zu Haftstrafen anstelle des Maßregelvollzugs verurteilt werden.

Die Überbelegung der Haftanstalten führt dazu, dass die offiziellen Ziele einer Haftstrafe wie Einsicht in das Unrechtmäßige einer Tat und die Resozialisierung von Straftätern zur Makulatur werden, denn die Gefängnisse können natürlich nicht beliebig viele Häftlinge in den Zellen unterbringen – auch wenn im Rahmen einer Notbelegung die Unterbringung mehrerer Gefangener in einer dafür nicht ausgelegten Zelle vorkommt.

Kapazitätsengpässe in den Justizvollzugsanstalten haben zur Konsequenz, dass viele zu einer Haftstrafe Verurteilte längere Zeit auf ihren Haftantritt warten müssen. Bei Mehrfachstraftätern – etwa im Bereich der Drogendelikte – kann es dann dazu kommen, dass den Verurteilten gar nicht mehr bewusst ist, für welche Tat sie da eigentlich ins Gefängnis gehen müssen. So berichten es erfahrene Sozialarbeiter.

In manchen Bundesländern ist daher eine Trendumkehr zu verzeichnen. Hamburg, Bremen und Baden-Württemberg planen wieder mehr Haftplätze. In Deutschlands südwestlichstem Bundesland soll es künftig gar 1.000 neue Unterbringungen für Häftlinge geben.

Mehr zum Thema – Kein Gefängnis für Schwarzfahren? – Union gegen Entkriminalisierungspläne der Justizministerin

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