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Die Kämpfe rund um die Straße von Hormus eskalieren erneut. Nach neuen amerikanischen Luftangriffen auf Ziele im Süden Irans und iranischen Vergeltungsschlägen gegen US-Stützpunkte in der Region stellt der iranische Politikwissenschaftler Seyed Mohammad Marandi eine zentrale Frage: Wie lange kann die Straße von Hormus unter diesen Bedingungen überhaupt noch offen bleiben?
Marandi vertritt die Auffassung, dass die aktuelle Krise nicht durch iranische Angriffe auf Schiffe ausgelöst worden sei, sondern durch wiederholte Verstöße der Vereinigten Staaten gegen das zwischen beiden Seiten geschlossene Memorandum of Understanding (MoU). Nach seiner Darstellung hätten die USA mehrfach militärisch eingegriffen, obwohl das Abkommen dem Iran die Verantwortung für die Sicherung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus übertrage.
Nach Marandis Darstellung griff der Iran Schiffe nicht wahllos an. Betroffen gewesen seien Tanker, die trotz mehrfacher Warnungen Routen benutzt hätten, welche nach iranischer Auffassung gegen die neuen Vorschriften verstießen.
Er wirft Washington vor, eigenmächtig einen eigenen Schifffahrtskorridor eingerichtet und Handelsschiffe bewusst dazu ermutigt zu haben, die iranischen Anweisungen zu ignorieren.
„Die Vereinigten Staaten haben das Memorandum of Understanding selbst untergraben“, sagt Marandi.
Für Marandi liegt der eigentliche Hebel nicht in Raketen oder Drohnen, sondern in der Kontrolle über die Straße von Hormus.
Sollten die Vereinigten Staaten ihre Angriffe fortsetzen oder ihre Verpflichtungen aus dem Memorandum nicht erfüllen, könne der Iran den Schiffsverkehr immer stärker einschränken.
Seine Botschaft ist eindeutig:
Je weniger die USA kooperieren, desto weniger Schiffe werden die Straße von Hormus passieren.
Marandi verweist darauf, dass die weltweiten Energiemärkte bereits seit Monaten unter erheblichen Spannungen stünden. Die Vereinigten Staaten hätten die während des Krieges ausgefallenen Öl- und Petrochemielieferungen bis heute nicht ersetzen können.
Ein erneuter Krieg oder eine weitgehende Blockade der Straße von Hormus würde deshalb nach seiner Einschätzung nicht nur den Ölmarkt treffen, sondern Lieferketten und Industrien weltweit erschüttern.
„Je länger diese Krise andauert, desto näher rücken wir an eine weltweite wirtschaftliche Katastrophe heran.“
Nach Marandis Darstellung wird es vorerst auch keine neuen Gespräche über das iranische Atomprogramm geben.
Teheran habe klar gemacht, dass zunächst sämtliche Verpflichtungen aus der ersten Phase des Memorandums umgesetzt werden müssten. Erst danach könne über weitere Themen wie Sanktionen oder das Atomprogramm verhandelt werden.
Marandi weist zudem Aussagen von Donald Trump zurück, wonach das iranische Militär weitgehend zerstört worden sei.
Er erklärt, die wichtigsten iranischen Raketen-, Drohnen- und Luftwaffenanlagen seien tief unter der Erde geschützt und seit dem Waffenstillstand sogar weiter ausgebaut worden.
Die jüngsten Bilder iranischer Kampfjets über Maschhad während der Trauerfeier für den verstorbenen Obersten Führer wertet er als Beleg dafür, dass die militärischen Fähigkeiten des Landes weiterhin intakt seien.
Marandi sieht den weiteren Verlauf der Krise ausschließlich von den Vereinigten Staaten abhängig.
Sollten sie sich an die Vereinbarung halten, könnten Schifffahrt und Handel nach und nach wieder normalisiert werden.
Sollten die USA ihre Militäraktionen jedoch fortsetzen und ihre Verpflichtungen ignorieren, werde der Iran seinen Einfluss auf die Straße von Hormus als Druckmittel einsetzen.
Seine Schlussfolgerung fällt drastisch aus:
Nicht der Iran, sondern die Entscheidungen Washingtons könnten darüber bestimmen, ob die wichtigste Energieader der Welt offen bleibt – oder ob der Weltwirtschaft ein neuer Schock bevorsteht.