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Während sich die Welt auf den Krieg im Nahen Osten und die Straße von Hormus konzentriert, entsteht im Schwarzen Meer eine zweite Front – mit möglicherweise dramatischen Folgen für die weltweite Lebensmittelversorgung.
Denn dort geraten inzwischen nicht mehr nur Kriegsschiffe oder Öltanker ins Visier. Immer häufiger treffen Angriffe auch Frachter, die Getreide transportieren oder für den Export vorgesehen sind. Mehrere Medien berichten, dass die Angriffe den Schiffsverkehr bereits deutlich beeinträchtigen und Russland gezwungen sei, seine Transportrouten anzupassen.
Russland gehört zu den größten Weizenexporteuren der Welt. Ein erheblicher Teil des weltweiten Weizenhandels stammt aus der Schwarzmeerregion. Branchenanalysten vergleichen die strategische Bedeutung des Schwarzen Meeres für den Weizenhandel inzwischen mit der Rolle der Straße von Hormus für den Ölmarkt. Bereits jetzt reagieren die Börsen empfindlich: Europäische Weizenpreise stiegen innerhalb weniger Tage deutlich an.
Das zeigt, wie sensibel die globalen Agrarmärkte auf Störungen reagieren. Schon die Erwartung weiterer Angriffe reicht aus, um Spekulationen und Preisaufschläge auszulösen.
Russland unterbindet die ukrainische Lebensader im Schwarzen Meer
Die russische Kampagne gegen die maritime Logistik der Ukraine beschränkt sich nicht mehr auf einzelne Angriffe auf Häfen. Sie verwandelt die Küste des Schwarzen Meeres zunehmend in eine Belastung für die… pic.twitter.com/YE42S6E7eu
— Don (@Donuncutschweiz) July 23, 2026
Besonders problematisch ist die Entwicklung deshalb, weil sich gleich mehrere Krisen gegenseitig verstärken.
Im Schwarzen Meer geraten Getreideexporte unter Druck. Im Persischen Golf bedrohen Spannungen rund um die Straße von Hormus den Energie- und Düngemittelhandel. Steigende Energiepreise verteuern Landwirtschaft, Transport und Verarbeitung. Düngemittel könnten knapper oder teurer werden.
Die Folge wäre eine Kettenreaktion, die sich Monate später in den Supermärkten bemerkbar machen könnte.
Landwirte zahlen mehr für Diesel und Dünger. Transporte verteuern sich. Mühlen und Lebensmittelhersteller müssen höhere Einkaufspreise tragen. Am Ende steigen Brot-, Mehl-, Teigwaren- und Futtermittelpreise – und damit mittelbar auch Fleisch-, Milch- und Eierpreise.
Prof. Steve Keen: Bis zu zwei Milliarden Menschen könnten verhungern.“
„In welchem Maße wir von chemischen Düngemitteln abhängig sind, die aus Öl gewonnen werden, ist extrem hoch. Ohne das Haber-Bosch-Verfahren und das Verfahren zur Herstellung von stickstoffhaltigen und… pic.twitter.com/kRBvQx1mYL
— Don (@Donuncutschweiz) July 22, 2026
Besonders gefährlich wäre eine längere Unterbrechung des Getreidehandels für Staaten in Afrika, dem Nahen Osten und Teilen Asiens. Viele dieser Länder sind auf Importe aus der Schwarzmeerregion angewiesen.
Bereits während früherer Unterbrechungen des Getreideexports kam es weltweit zu starken Preissprüngen. Die Sorge vieler Marktbeobachter lautet deshalb: Sollte sich die aktuelle Entwicklung fortsetzen oder weiter eskalieren, könnten erneut Versorgungsengpässe und Preisexplosionen entstehen.
Der Krieg beschränkt sich längst nicht mehr auf militärische Ziele. Häfen, Logistikzentren, Frachtschiffe und Handelsrouten entwickeln sich zunehmend zu strategischen Angriffszielen.
Je stärker beide Seiten versuchen, den Seehandel des Gegners zu stören, desto größer wird das Risiko für den Welthandel insgesamt. Versicherungen verteuern Transporte, Reedereien weichen auf längere Routen aus oder meiden gefährliche Gebiete vollständig. Die Kosten steigen – unabhängig davon, wer letztlich die Verantwortung trägt.
Sollte sich die Lage weiter zuspitzen, wären die Folgen weltweit spürbar:
Noch handelt es sich um ein Risiko – keine Gewissheit. Doch die Kombination aus gestörten Getreiderouten im Schwarzen Meer und den Unsicherheiten rund um die Straße von Hormus erhöht den Druck auf die globalen Agrar- und Energiemärkte erheblich.
Die eigentliche Gefahr liegt deshalb weniger in einem einzelnen Angriff auf ein Frachtschiff als in einer schleichenden Erosion der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Sollte dieser Prozess anhalten, könnten die Auswirkungen weit über die Kriegsgebiete hinausreichen – bis auf den Einkaufszettel von Millionen Menschen.
Quellen
Ukraine greift Putins Weizenexporte an
Russia to reroute exports away from Sea of Azov following drone attacks – Reuters
Shipping still restricted in Russia’s key Azov Sea grains trade route, sources say