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Teheran lässt sich offenbar nicht auf einen neuen Friedensprozess zu amerikanischen Bedingungen ein. Nach erneuten Vorschlägen Washingtons hat Iran über Vermittler eigene Bedingungen übermittelt. Im Zentrum stehen die Folgen des Krieges, die wirtschaftliche Entschädigung und die Frage, wer künftig die Sicherheitsordnung am Persischen Golf bestimmt.
Die diplomatischen Kontakte zwischen den USA und Iran sind nicht abgebrochen, doch von einem Durchbruch kann keine Rede sein. Wie RT am 8. September unter Berufung auf eine hochrangige politische Quelle in Teheran berichtet, hat Washington neue Vorschläge über Vermittler übermittelt. Iran reagierte darauf mit eigenen Bedingungen. Die Quelle begründete die Haltung mit den „wiederholten Verstößen“ der USA gegen Verpflichtungen und den ständigen Veränderungen ihrer Positionen. Die Vermittler sprächen weiterhin mit beiden Seiten.
Damit weist Teheran die Vorstellung zurück, Washington könne nach militärischer Eskalation und wirtschaftlichem Druck allein die Bedingungen für eine Einigung festlegen. Die iranische Position lautet vielmehr: Eine dauerhafte Lösung muss auch die Ursachen des Konflikts, die Kriegsschäden und die amerikanische Militärpräsenz in der Region berücksichtigen.
BREAKING: IRAN HAS REJECTED DONALD TRUMP’S LATEST PEACE PROPOSAL sent through mediators — demanding $300 BILLION in compensation, the COMPLETE LIFTING of U.S. sanctions and other conditions before any talks can move forward, per a senior Iranian source to RT.
Tehran says…
— The Hormuz Report (@HormuzReport) September 8, 2026
Die konkreten Bedingungen der jüngsten RT-Meldung wurden von der anonymen Quelle nicht offengelegt. Allerdings sind Irans weitergehende Forderungen aus früheren Berichten bekannt. Bereits im August berichtete Gulf News unter Berufung auf iranische Angaben über Forderungen nach rund 300 Milliarden Dollar für Kriegsschäden, der Freigabe von bis zu 100 Milliarden Dollar eingefrorener Vermögenswerte, der vollständigen Aufhebung der Sanktionen, dem Ende der Marineblockade und dem Rückzug amerikanischer Streitkräfte aus der Region. Hinzu kommt ein umfassender regionaler Waffenstillstand, der auch Libanon und Gaza einschließen soll.
Auch ein Bericht über einen amerikanischen Vermittlungsvorschlag Ende August hielt fest, dass Teheran an diesen Kernforderungen festhalte. Washington soll darin die Aufhebung von Sanktionen und die Beendigung seiner wirtschaftlichen Kampagne im Gegenzug für die Wiederöffnung der Straße von Hormus und das Ende verbündeter Angriffe angeboten haben. Iran betrachtet eine solche Vereinbarung offenbar als unzureichend, solange die grundlegenden Sicherheits- und Entschädigungsfragen ungelöst bleiben.
Die häufig genannte Summe von 300 Milliarden Dollar hat zudem eine konkrete Vorgeschichte. Im Islamabad-Memorandum vom 17. Juni ist ein Wiederaufbau- und Entwicklungsplan für Iran im Umfang von mindestens 300 Milliarden Dollar vorgesehen. Das Dokument enthält außerdem Regelungen zur Aufhebung der Marineblockade, zur Freigabe eingefrorener Vermögenswerte, zur Beendigung der Sanktionen und zu einem Waffenstillstand auf allen Fronten einschließlich Libanon. Allerdings handelt es sich bei dem 300-Milliarden-Plan nicht automatisch um eine direkte amerikanische Entschädigungszahlung: Nach einem Reuters-Bericht sollte ein entsprechender Fonds aus privaten Investitionen bestehen und von einem endgültigen Abkommen abhängen.
Die Straße von Hormus ist längst mehr als eine Frage der Schifffahrt. Für Iran ist sie ein zentrales Druckmittel, um die Aufhebung der amerikanischen Blockade und wirtschaftliche Zugeständnisse durchzusetzen. Washington wiederum will die Wiederherstellung des internationalen Energieverkehrs mit einem umfassenderen Abkommen über Irans Atomprogramm verbinden.
Nach der aktuellen RT-Meldung drängt Teheran darauf, dass die USA zunächst ihre Verpflichtungen aus dem Juni-Memorandum erfüllen. Außenamtssprecher Esmaeil Baqaei erklärte, Washington müsse seine militärischen Angriffe, Wirtschaftssanktionen und die Marineblockade beenden, wenn es eine Lösung des Konflikts erreichen wolle. Zugleich laufen Gespräche mit Oman über eine vorübergehende sichere Schifffahrtsroute. Iranische Vertreter betonen jedoch, dass eine solche Regelung keine vollständige Wiederöffnung der Meerenge bedeuten würde.
Der entscheidende Konflikt liegt damit nicht allein in der Höhe möglicher Zahlungen. Es geht um die Reihenfolge und Verbindlichkeit der Zugeständnisse. Washington verlangt Schritte zur Wiederöffnung von Hormus und zur Begrenzung des iranischen Atomprogramms. Teheran fordert im Gegenzug ein Ende der militärischen und wirtschaftlichen Druckmittel sowie Garantien, dass eine Vereinbarung nicht erneut durch Angriffe oder Sanktionen unterlaufen wird.
Das Juni-Memorandum sah ursprünglich einen gestuften Prozess vor: Zunächst sollten unter anderem die Blockade gelockert, sichere Schifffahrt ermöglicht und Einschränkungen für iranische Ölexporte aufgehoben werden. Anschließend sollten die Parteien innerhalb von 60 Tagen über ein endgültiges Abkommen verhandeln. Auch die nuklearen Fragen und die Sanktionen sollten dabei geregelt werden. Dass diese Grundlage inzwischen wieder Gegenstand des Streits ist, zeigt, wie weit die Parteien von einer belastbaren Friedensordnung entfernt sind.
Für Washington wird die Lage zunehmend zu einem strategischen Dilemma: Ein Abkommen ohne substanzielle Zugeständnisse dürfte Teheran kaum akzeptieren. Eine Einigung zu iranischen Bedingungen würde dagegen bedeuten, dass die USA einen erheblichen Teil ihrer wirtschaftlichen und militärischen Druckmittel aufgeben müssten.
Die jüngste Meldung belegt somit keine endgültige Absage Irans an jede Diplomatie. Sie zeigt vielmehr, dass Teheran den Preis für eine Einigung selbst mitbestimmen will. Ob die USA bereit sind, über Entschädigung, Sanktionen und ihre regionale Militärpräsenz tatsächlich zu verhandeln, dürfte darüber entscheiden, ob aus den laufenden Vermittlungskontakten ein Friedensprozess wird – oder lediglich die nächste Runde einer Eskalation.