Unabhängiger Journalismus gerät ins Visier: Max Blumenthal nach Iran-Recherchen bedroht

Beitrag teilen

Der investigative US-Journalist Max Blumenthal berichtet, einen anonymen Drohbrief erhalten zu haben. Darin werde ihm mitgeteilt, er stehe nun „auf der Liste“ und sei „geliefert“. Nach seiner Einschätzung deute die Wortwahl – insbesondere die Bezeichnung als „Kapo“ – auf einen radikalen zionistischen Hintergrund hin. Blumenthal vermutet, dass der Brief von einem Fanatiker oder einer Gruppe stammen könnte, die Organisationen wie die Jewish Defense League oder Betar nahesteht. Einen Beleg dafür legt er allerdings nicht vor; er beschreibt dies ausdrücklich als seine Vermutung.

Der Zeitpunkt ist brisant. Blumenthal erklärt, der Drohbrief sei eingetroffen, nachdem prominente Israel-Unterstützer aus dem Umfeld der Trump-Regierung – darunter Laura Loomer – ihn öffentlich als Bedrohung für die nationale Sicherheit bezeichnet und wegen seiner Berichterstattung aus dem Iran eine strafrechtliche Verfolgung gefordert hätten. Gleichzeitig verweist er darauf, dass US-Behörden zuvor seine Mobiltelefone beschlagnahmt hätten.

Nach Angaben Blumenthals ist er nicht der Einzige, der bedroht wurde. Auch Howard Heath, ein Abgeordneter aus New Hampshire und Kongresskandidat, der angekündigt hatte, die US-Militärhilfe für Israel beenden zu wollen, habe einen nahezu identischen Drohbrief erhalten.

Zusätzliche Fragen wirft die Absenderadresse auf. Als Absender sei das Wahlkreisbüro der Kongressabgeordneten Rashida Tlaib angegeben gewesen. Blumenthal vermutet deshalb, dass auch Tlaib und ihre Mitarbeiter Ziel derselben Person oder Gruppe sein könnten. Auch hierfür gibt es bislang keine öffentlich bekannten Belege.

Blumenthal hat nach eigenen Angaben Anzeige bei der örtlichen Polizei erstattet und den Inspektor des US-Postdienstes informiert.

Der Vorfall wirft grundsätzliche Fragen auf. Wenn Journalisten wegen ihrer Recherchen und politischen Berichterstattung Drohungen erhalten, geraten nicht nur einzelne Personen unter Druck – sondern auch die Pressefreiheit selbst. Ob Einschüchterung durch anonyme Drohungen, öffentliche Diffamierung oder staatliche Maßnahmen: Für unabhängigen Journalismus entsteht ein Klima, in dem kritische Berichterstattung zunehmend mit persönlichen Risiken verbunden sein kann. Das betrifft letztlich nicht nur Journalisten, sondern das Recht der Öffentlichkeit auf freie und unbeeinflusste Information.

Beitrag teilen

Neue Beiträge und
Informationen direkt
per E-Mail erhalten.