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Larry C. Johnson
Die Vereinigten Staaten haben, gemäß einem Schreiben Donald Trumps an den Kongreß, einen neuen Krieg mit Iran begonnen. Offenbar hat niemand dem orangefarbenen Mann mitgeteilt, daß die USA nicht über genügend Waffen in ihrem Arsenal verfügen, um einen Feldzug durchzuhalten, der länger als einen Monat dauert.
Beginnen wir mit einigen Grundlagen. Das HIMARS ist keine Rakete oder kein Geschoß … es ist ein Abschußsystem. Berichten zufolge trafen in den vergangenen drei Tagen – Samstag, Sonntag und Montag – von HIMARS abgefeuerte Raketen die iranische Küste. Es gibt drei Typen von Raketen/Geschossen, die vom HIMARS abgefeuert werden können:
PrSM (Precision Strike Missile) – der neuere Nachfolger des ATACMS. Die Höchstreichweite liegt in der Basisversion Increment 1 bei über 500 km. Sie wurde bewußt so ausgelegt, daß sie die alte Obergrenze von 499 km überschreitet, die einst durch den INF-Vertrag vorgegeben war, bevor dieser 2019 auslief; quelloffene Schätzungen setzen ihre effektive Reichweite bei etwa 500–600 km an. Spätere Versionen sollen die Reichweite weiter erhöhen, doch die derzeit eingeführte Version ist jene Basisversion mit über 500 km.
GMLRS (Guided Multiple Launch Rocket System) – Präzisionsraketen. Die Basisversionen GMLRS Unitary und GMLRS Alternative Warhead haben beide eine Reichweite von etwa 70 Kilometern (rund 45 Meilen). Die neuere GMLRS Extended-Range (GMLRS-ER) verdoppelt diese nahezu und erreicht Ziele bis zu 150 Kilometer Entfernung.
ATACMS (Army Tactical Missile System) – ballistische Raketen größerer Reichweite. Die Höchstreichweite beträgt etwa 300 km. Die frühen, mit Streumunition bestückten Varianten (M39) hatten eine geringere Reichweite von rund 165 km, doch die GPS-gestützten Einheitssprengkopf-Varianten (M39A1, M48, M57) erreichen sämtlich rund 300 km, was während der gesamten Einsatzdauer des Programms die Obergrenze darstellte.
Es kommen nur zwei mögliche Raketentypen in Frage, die zum Einsatz gekommen sein könnten: das ATACMS und das PrSM. Ich will erläutern, weshalb. Gemessen als geradlinige (großkreis-)Überquerung von Bahrain zur iranischen Küste hängt die Entfernung vom gewählten Kurs ab, da sich der Golf nach Nordwesten hin verbreitert:
Bahrain in etwa geradewegs nördlich nach Buschehr: ~309 km
Kürzeste Überquerung (von Bahrain zur nächstgelegenen iranischen Küste, im Bereich Kangan/South Pars): ~234 km
Bahrain nach Asaluyeh: ~244 km
Mit anderen Worten: Das ATACMS würde Buschehr nicht erreichen, könnte jedoch Teile der Küste südlich von Buschehr treffen. Damit bleibt das PrSM die einzige Rakete, die Ziele entlang der iranischen Küste des Persischen Golfs treffen kann. Doch hier liegt das Problem, mit dem Trump konfrontiert ist: Die Vorräte an ATACMS und PrSM sind begrenzt.
ATACMS – Über die gesamte Programmlaufzeit wurden 3.700 bis 4.000 Stück produziert; Defense Express schätzt den US-Bestand Ende 2024 auf über 2.500 Stück in unterschiedlichem Zustand, wobei etwa 900 exportiert wurden. Das Pentagon kauft keine weiteren ATACMS mehr und stuft das System zugunsten des PrSM schrittweise aus. Wie viele seit Beginn der Operation Epic Fury verschossen wurden, ist mir nicht bekannt, doch manche Quellen sprechen von einer erheblichen Zahl.
PrSM – Dies ist das jüngste System mit dem geringsten Bestand, da es erst kürzlich in Dienst gestellt wurde und im Rahmen der Operation Epic Fury seinen Kampfeinsatz-Erstauftritt hatte. Es existiert kein Altbestand; die vorhandene Stückzahl entspricht lediglich dem, was im Rahmen früher Verträge bereits geliefert wurde. Verträge aus dem Jahr 2023 sehen 335 Raketen bis 2029 vor, gestaffelt in 54 Stück im Jahr 2026, 208 Stück im Jahr 2028 und 73 Stück im Jahr 2029. Mit anderen Worten: Zu Beginn der Operation Epic Fury im Februar standen den USA weniger als 60 Stück zur Verfügung.
Auch bei der Tomahawk-Marschflugkörper und den JASSM bestehen mögliche, wenn auch weniger dramatische Engpässe. Während der fünf Wochen der Operation Epic Fury – vor Verkündung des Waffenstillstands Anfang April – verschossen die USA 850 Tomahawks, was etwa 25 % des Gesamtbestandes entsprach. Allein in den ersten 72 Stunden wurden 400 Stück verschossen (~10 %). Damit verbleibt ein Restbestand im niedrigen dreistelligen Tausenderbereich [Anm.: gemeint sind wohl niedrige 3.000er]. Kein Problem, sollte man meinen.
Falsch. Die Tomahawk-Produktion belief sich im Schnitt der vergangenen zehn Jahre auf etwa 86 Stück pro Jahr und war auf Tiefstände von 68 im Haushaltsjahr 2023, 34 im Haushaltsjahr 2024 und geplanten 22 im Haushaltsjahr 2025 gefallen – während, wie während der Operation Epic Fury zu beobachten war, binnen dreier Tage Hunderte verschossen wurden. Die Beschaffung im Haushaltsjahr 2026 belief sich auf lediglich 57–58 Flugkörper. Die Reaktion darauf ist eine am 4. Februar 2026 geschlossene Rahmenvereinbarung mit RTX, die eine Jahresproduktion von über 1.000 Stück über sieben Jahre anstrebt, sowie eine Anforderung der Marine für das Haushaltsjahr 2027 über 785 Tomahawks (~3 Milliarden Dollar), was einem Anstieg von rund 1.200 % entspricht. Da jedoch die Fertigung eines einzelnen Flugkörpers 18 bis 24 Monate in Anspruch nimmt, ist der Ersatz der über 1.000 im Iran-Krieg verschossenen Flugkörper ein mehrjähriges Vorhaben. Erschwerend kommt hinzu, daß die Tomahawk auf 18 Seltene-Erden-Mineralien angewiesen ist, die von China kontrolliert werden.
Bei der JASSM ist die Lage noch schlimmer. Die operativ maßgeblichste Kennzahl betrifft die JASSM-ER (AGM-158B), die Tarnkappen-Variante mit erweiterter Reichweite, die das Arbeitspferd der Truppe darstellt. Ihr weltweiter Bestand vor Kriegsbeginn belief sich auf etwa 2.300 Stück. Die Operation Epic Fury hat diesen Bestand drastisch dezimiert: Seit dem 28. Februar 2026 wurden über 1.000 Stück verschossen, so daß mit Stand April 2026 weltweit schätzungsweise noch 425 JASSM-ER verbleiben.
Es zeigt sich dasselbe strukturelle Problem, das bei jedem System zu beobachten ist: Selbst nach einer Produktionsausweitung liegt die geplante Fertigung bei höchstens rund 1.000 Flugkörpern pro Jahr – etwa 19 pro Woche –, während Analysten den Kriegsverbrauch bei hochintensiven Angriffen auf mehrschichtige Luftabwehrsysteme auf 500 bis 800 JASSM-artige Flugkörper pro Woche schätzen. Dieses Mißverhältnis führte dazu, daß der JASSM-ER-Bestand binnen etwa eines Monats auf wenige hundert Stück zusammenschmolz; die Wiederauffüllung erstreckt sich über mehrere Haushaltsjahre. Auch dieses System ist von der Lieferkette Seltener Erden abhängig.
Das CENTCOM behauptet, sein Ziel beim Einsatz von Gewalt gegen Iran in der Straße von Hormuz bestehe darin, die Fähigkeit Irans zu Angriffen auf die Handelsschiffahrt zu schwächen, indem es Präzisionswaffen gegen iranische Küstenverteidigungssysteme, Raketen- und Drohnenstellungen sowie maritime Fähigkeiten einsetzt. Hier liegt das nächste Problem: Iran feuert von über 1.000 Stellungen entlang der 171 Meilen langen Küste, die sich von Bandar-e Lengeh im Norden bis Sirik im Süden erstreckt. Selbst wenn es dem CENTCOM gelänge, sämtliche Raketen- und Drohnenstellungen entlang der Küste zu zerstören, blieben die im Landesinneren Irans gelegenen Abschußstellungen für Raketen und Drohnen, die die Straße erreichen können, unberührt.
Mit anderen Worten: Die USA verfügen nicht über genügend Tomahawks und JASSMs in ihren Beständen, um Irans Fähigkeit zu Angriffen auf nicht-konforme Schiffe in der Straße von Hormuz wirksam zu schwächen.
Ich möchte zudem Ihr Augenmerk auf die Tatsache lenken, daß Iran eine weitaus leichtere Aufgabe hat, wenn es um die Vergeltung gegen die amerikanischen Angriffe geht. Die USA führen ihre Luft- und Raketenoperationen von weniger als zehn Stützpunkten aus – nämlich zwei in Jordanien, einem in Kuwait, einem in Bahrain, einem in Katar, einem in den VAE und einem in Oman. Iran muß bei jedem Angriff, dem es ausgesetzt ist, lediglich diese sieben Stützpunkte wiederholt unter Beschuß nehmen, bis sie nicht mehr in der Lage sind, amerikanische Militäroperationen zu unterstützen. Anstatt zu versuchen, 1.000 Ziele zu treffen – von denen viele durch Höhlen oder unterirdische Anlagen geschützt sind –, muß sich Iran lediglich auf die begrenzte Zahl jener Stützpunkte konzentrieren, die US-Truppen und -Operationen beherbergen. Deshalb ist Trumps jüngster Krieg zum Scheitern verurteilt.