„Was derzeit in Ungarn geschieht, ist beispiellos“ – Server der größten Oppositionspartei beschlagnahmt

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Ungarn erlebt einen politischen Vorgang, den selbst langjährige Beobachter als historisch bezeichnen. Staatsanwälte haben unangekündigt die Server der Oppositionspartei Fidesz beschlagnahmt und damit die gesamte digitale Infrastruktur der Partei lahmgelegt. Nach Angaben von Fidesz ist dies das erste Mal seit dem Ende des Kommunismus im Jahr 1990, dass der Staat in dieser Form gegen eine Oppositionspartei vorgeht.

Rechenzentrum durchsucht – Partei digital ausgeschaltet

Mitten am Tag erschienen Staatsanwälte in dem Rechenzentrum, in dem die Server von Fidesz betrieben werden. Ohne öffentliche Anhörung oder vorherige Ankündigung wurden die Systeme beschlagnahmt.

Die Folgen waren unmittelbar sichtbar: Die E-Mail-Konten der Partei fielen aus, die offizielle Website war nicht mehr erreichbar. Besonders brisant ist jedoch, dass sich auf den Servern personenbezogene Daten von Parteimitgliedern, Aktivisten, Spendern und Unterstützern befanden, die nun nach Angaben der Partei in staatlicher Hand sind.

Vergleich mit den Methoden des Kommunismus

Balázs Orbán, ehemaliger politischer Direktor unter Viktor Orbán, sprach von einem beispiellosen Vorgang. Über soziale Medien erklärte er, seit dem Ende des Kommunismus habe es in Ungarn nichts Vergleichbares gegeben.

„Genau so haben sie versucht, Viktor Orbán unter dem Kommunismus zum Schweigen zu bringen“, erklärte er.

Fidesz erhebt schwere Vorwürfe gegen die neue Regierung

Fidesz macht die neue Tisza-Regierung unter Péter Magyar, die nach den diesjährigen Wahlen die Macht übernommen hat, für den Einsatz der Justiz gegen die Opposition verantwortlich.

Die Europaabgeordnete und Fidesz-Vizevorsitzende Kinga Gál bezeichnete den Vorgang als „beispiellos“ und erklärte, ein Rechtsstaat dürfe ein solches Vorgehen nicht zulassen. Nachdem politischer Druck gescheitert sei, werde nun versucht, die stärkste Oppositionspartei mit juristischen Mitteln auszuschalten.

Rollenwechsel in Ungarn

Besonders bemerkenswert ist die politische Kehrtwende: Ausgerechnet jene Partei, die über Jahre von Brüssel, westlichen Medien und zahlreichen Politikern als Gefahr für Demokratie und Rechtsstaat dargestellt wurde, sieht sich nun selbst als Opfer staatlicher Repression.

Während Viktor Orbán jahrelang vorgeworfen wurde, den Rechtsstaat auszuhöhlen, erhebt Fidesz nun denselben Vorwurf gegen seine Nachfolger – allerdings mit dem Hinweis, dass dies in deutlich kürzerer Zeit und mit größerer Härte geschehe.

Damit stellt sich auch eine unbequeme Frage: Werden die europäischen Institutionen und westlichen Regierungen nun ebenso entschieden reagieren wie damals gegen Viktor Orbán? Bislang bleibt eine deutliche Reaktion aus Brüssel aus.

Fidesz ruft zum Widerstand auf

In einer gemeinsamen Erklärung erklärten der nationale Vorstand und die Parlamentsfraktion von Fidesz, sich künftig als Widerstandsbewegung zu verstehen.

Die Partei kündigte an, das neue politische System als rechtswidrig anzusehen, sich nicht an ihrer Ansicht nach verfassungswidrigen Ernennungen zu beteiligen und sowohl innerhalb als auch außerhalb des Parlaments mit friedlichen Mitteln Widerstand zu leisten.

Zum Abschluss rief Fidesz die Bevölkerung auf, sich gegen willkürliche Machtausübung zu stellen. Nach Auffassung der Partei existiere der demokratische Rechtsstaat in Ungarn faktisch nicht mehr.

Regierung erhält Zugriff auf sensible Parteidaten

Mit der Beschlagnahmung der Server erhält der Staat nach Angaben von Fidesz Zugriff auf hochsensible Informationen über Mitglieder, Spender, Unterstützer und interne Kommunikationsstrukturen der größten Oppositionspartei.

Vor dem Hintergrund politischer Spannungen und Berichten über angedrohte Strafverfahren gegen Regierungsgegner sorgt dies für erhebliche Besorgnis.

Für Ungarn könnten die kommenden Wochen richtungsweisend werden. Sie werden zeigen, ob für die Europäische Union und westliche Regierungen dieselben demokratischen Maßstäbe gelten – unabhängig davon, welche politische Partei gerade an der Macht ist.

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