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Meinung: Die Abschaffung der Frührente ist überfällig und sozial gerecht!

Die Bundesregierung will die abschlagsfreie Frührente abschaffen. Das ist auch nötig, denn sie pampert die Falschen. Wer mit „Lebensleistung“ argumentiert, verkennt die Lage.

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Die Bundesregierung will die abschlagsfreie Frührente abschaffen. Das ist auch nötig, denn sie pampert die Falschen. Wer mit „Lebensleistung“ argumentiert, verkennt die Lage.

Wir scheinen tatsächlich eine große Rentenreform zu bekommen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und SPD-Chefin Bärbel Bas haben am Dienstag angekündigt, alle Empfehlungen der Rentenkommission umzusetzen. Das bedeutet, dass viele Menschen künftig länger arbeiten müssen. Denn:

  • Die abschlagsfreie Frührente nach 45 Versicherungsjahren (ehemals „Rente mit 63“) wird nach den Plänen komplett abgeschafft.
  • Auch mit Abschlägen soll man nicht länger mit 63, sondern frühestens mit 64 Jahren in Rente gehen können.
  • Das reguläre Rentenalter soll nicht bei 67 Jahren stehen bleiben, sondern gekoppelt an die Lebenserwartung weiter steigen.

Das sind keine angenehmen Nachrichten und die Gewerkschaften stehen schon auf den Barrikaden. DGB-Chefin Yasmin Fahimi hält die Abschaffung der abschlagsfreien Frührente für einen Fehler, „weil es nicht gerecht ist“. Und Verdi-Chef Frank Wernecke sieht eine „völlige Missachtung der Lebensleistung“ der Betroffenen: Wer 45 Jahre seinen Buckel krumm gemacht habe, müsse ein Recht darauf haben, abschlagsfrei früher in Rente gehen zu können.

Dem werden viele Menschen im ersten Reflex wohl zustimmen. Dabei sind die geplanten Verschärfungen beim Renteneintritt bei genauerem Hinsehen nicht nur ökonomisch geboten, sondern auch sozial gerecht und überfällig.

Frührente ist teuer und hilft den Falschen

Vor allem die Möglichkeit der abschlagsfreien Frührente bis zu zwei Jahre vor dem regulären Rentenalter ist zu teuer und kontraproduktiv. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat kürzlich berechnet, dass die Abschaffung fast zehn Milliarden Euro sparen würde – und zwar für jeden neuen Rentnerjahrgang. Denn der Frührenten-Deal ist so lukrativ, dass er jedes Jahr von 250.000 bis 280.000 Menschen genutzt wird. Dabei sollte das Prinzip doch klar sein: Wer früher in Rente geht und diese dadurch länger bezieht, muss dafür Abschläge in Kauf nehmen – das ist nur gerecht.

Zudem hilft die Frührente keinesfalls vorrangig prekären Malochern, die jahrelang „den Buckel krumm“ gemacht haben. Auf die geforderten 45 Versicherungsjahre kommen nämlich vor allem Besserverdiener mit lückenloser Erwerbsbiografie und guter Gesundheit – und Männer deutlich häufiger als Frauen. Das belegen Untersuchungen schon länger.

Diese Menschen mit einem großzügigen Rentengeschenk in den Vorruhestand zu schicken, weil man ihre „Lebensleistung“ anerkennen will, ist falsch verstandene Gerechtigkeit. Und es ist für unsere Gesellschaft auch deshalb schädlich, weil Fachkräfte ja eigentlich händeringend gesucht werden – weshalb man sie nach dem Renteneintritt ja auch gleich wieder mit Steuergeschenken zurück in den Job lockt. 

Viele Frührentner verdienen doppelt

Viele Frührentner können und wollen auch noch arbeiten, wie die steigenden Zahlen beim Hinzuverdienst zeigen. Mehr als jeder Vierte, der ohne Abschläge in Frührente gegangen ist, verdient oberhalb der Minijob-Grenze hinzu. Das zeigen Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft. Tatsächlich ist es seit der Abschaffung der Hinzuverdienstgrenze problemlos möglich, eine volle Frührente zu kassieren, weiterzuarbeiten und damit auch noch ein volles Gehalt zu verdienen. Muss das sein?

Auch das Argument, dass es die Frührente braucht, weil es viele ja sowieso nicht bis zur Regelaltersgrenze schaffen, lässt sich leicht umdrehen: Würde man die Frührenten-Geschenke beibehalten, wäre der Druck, die reguläre Altersgrenze nach oben zu verschieben, noch größer. Hier empfiehlt die Rentenkommission nur eine moderate Anpassung an die steigende Lebenserwartung. Nach aktueller Prognose würde die Regelaltersgrenze bis zum Jahr 2041 gerade mal um ein halbes Jahr auf 67,5 Jahre steigen.

Lieber Menschen gezielt auffangen

Viele Beitragsjahre bedeuten nicht automatisch, dass jemand nicht mehr arbeiten kann. Und wenige Beitragsjahre bedeuten umgekehrt nicht, dass der Rücken noch fit und gerade ist. Darum empfiehlt die Kommission auch ausdrücklich, „keine Regelung einzuführen, die einen Renteneintritt allein nach Beitragsjahren vorsieht“.

Für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht bis zum Ende arbeiten können, ist nicht die Frührente der Ausweg, sondern die Erwerbsminderungsrente. Die bei der Frührente eingesparten Mittel sollten genutzt werden, um diese zielgenau auszubauen. Die Kommission empfiehlt etwa einen vereinfachten Zugang für Menschen, die nicht mehr in ihrem langjährigen Beruf arbeiten können. Das erscheint sinnvoll.

So schön es für den fidelen Jungrentner ist, mit einer üppigen Frührente den Ruhestand zu genießen: Das Geld sollte lieber an diejenigen fließen, die es wirklich nötig haben.

Dieser Artikel ist eine Übernahme des Stern, der wie Capital zu RTL Deutschland gehört. Auf Capital.de wird er sechs Monate hier aufrufbar sein. Danach finden Sie ihn auf www.stern.de.

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